Login
Hofhund

Ein treuer Wächter

Hovawart
Andreas Hammerl
am
21.03.2018

Ein Hofhund muss ganz bestimmte Eigenschaften haben. Am besten ist es, eine geeignete Rasse zu wählen. Und dann muss der Hund richtig erzogen werden.

Hovawart

Was ein Hofhund alles können sollte: Der ideale Begleiter des Landwirts sollte vor allem hoftreu sein, also nicht auf die Straße hinauslaufen, Streunen oder gar auf die Jagd gehen. Wachsamkeit ist wichtig, aber natürlich sollte sich der Hofhund darauf beschränken, Besucher zu melden, sie aber nicht angreifen. Idealerweise ist er kinderlieb und verträgt sich mit Hühnern und anderen Tieren, die auf dem Hof zu finden sind.
Damit der eigene Hofhund dem Ideal möglichst nahekommt, ist vor allem Zeit für die Erziehung nötig. Aber auch die Auswahl des Hundes spielt eine große Rolle. „Es fängt schon mit der Wahl der Hunderasse an“, sagt Franz Breitsamer. Er ist vereidigter Hundesachverständiger, war viele Jahre Polizeihunde-Ausbilder und Leiter der Polizeihundestaffel und leitet eine Hundeschule in München.

Der Hovawart hat die Aufgabe im Namen

Breitsamer empfiehlt Berner Sennenhunde als treue Wächter und liebevolle Familienhunde. Dagegen rät der erfahrene Ausbilder von Jagdhunden als Hofhund grundsätzlich ab. Auch der mittlerweile etwas aus der Mode gekommene Hovawart sei eine gute Wahl. Als relativ großer Hund, stellt der Hovawart etwas dar, vor allem aber bewacht er das Anwesen sehr selbstständig. Diese wichtige Eigenschaft der deutschen Gebrauchshunderasse steckt bereits in seinem Namen. Er leitet sich vom mitteldeutschen „Hova“ für Hof und „Wart“ für Wächter ab. „Der Hovawart ist nicht ganz einfach in der Erziehung, aber dafür merkt er sich alles, was ihm beigebracht wurde, über Jahre“, schwärmt Breitsamer von der Rasse mit starkem Charakter.
Schäferhunde seien im Vergleich dazu leichter zu erziehen, bräuchten aber regelmäßiges Training. Mit Hündinnen tun sich unerfahrene Hundehalter aus seiner Erfahrung etwas leichter. „Zu 95 Prozent sind sie folgsamer, ruhiger und leichter zu händeln als Rüden“, sagt er.

Am besten ein eingezäuntes Gelände

Hund hinter Hoftor

Ein bis zwei Jahre dauert die Ausbildung des Hundes, bis er weitgehend zuverlässig ist und auf dem Hof beziehungsweise Grundstück bleibt. Breitsamer hält grundsätzlich wenig von Hundehaltung auf offenen Arealen und rät zu eingezäunten Grundstücken, da niemand für seinen Hund die Hand ins Feuer legen könne. „Die Rechtslage ist für Hundehalter sehr streng“, erklärt er. In Deutschland gelte Gefährdungshaftung, daher hafte der Hundebesitzer grundsätzlich, auch wenn ihn kein eigenes Verschulden trifft. Sogar dann, wenn ein Unberechtigter das Grundstück betritt und vom Hund verletzt wird, hafte der Hundehalter. Eine gute und kostengünstige Lösung sei es daher, den Aufenthaltsbereich des Hundes mit einem Zaun einzuschränken.

Wie man den Welpen hoftreu macht

Hofhund an Grundstücksgrenze

Trainieren lässt sich Hoftreue mit regelmäßigem Üben, beginnend beim Welpen, der von sich aus noch hoftreu ist. Besonderes Augenmerk sollte der Halter auf die Zeit nach dem Zahnwechsel legen, wenn Hunde in die Rüpelphase kommen und die Umwelt zu erkunden beginnen. Die Übungszeiten sollten über den Tag verteilt werden. Es bringt nichts, mit dem Hund beispielsweise anderthalb Stunden am Stück zu üben. „Das wird den Hund ohnehin überfordern“, stellt Breitsamer klar.
Bei der Erziehung sind elektrische Hilfsmittel laut Tierschutzgesetz verboten. Damit der Hund lernt, dass er die Grundstücksgrenze nicht überschreiten darf, muss man ihn gut beobachten und sofort zurückholen, wenn er zu weit gegangen ist. Das gelingt mithilfe einer langen Leine oder bei Hunden, die bereits gut hören, durch Zuruf. Sobald der Hund die Grundstücksgrenze respektiert, wird unter erschwerten Bedingungen geübt. Das heißt, wenn sich ein Fahrradfahrer oder Fußgänger an der Grundstücksgrenze vorbeibewegt.  Läuft der Hund über die Grenze, ist es wichtig, ihn sofort zu stoppen und für sein Zurückkommen oder „Auf-dem-Hof-bleiben“ zu belohnen – gerne auch mit einem Leckerli.
„Der lobende Anteil muss immer größer sein als das Befehlskommando“, erklärte der erfahrene Ausbilder. Womit er aber keineswegs für eine „Keks-und Bussi-Ausbildung“ plädiert. Eine Ausbildung, die nur auf Verständnis und Lob setzt, vergleicht er mit der antiautoritären Erziehung der siebziger Jahre. „Das hat bei Kindern nicht funktioniert, und funktioniert bei Hunden schon gar nicht“, weiß er. Hunde bräuchten einen starken Führer, der sich nicht mit ihnen auf eine Ebene begibt.
Leichter gewöhnt sich der Hund an die Hofgrenze, wenn er möglichst selten auf Spaziergänge mitgenommen wird. „In der Regel reicht das Areal eines Hofes aus, auf dem sich der Hund begleitet vom Besitzer bewegen kann“, sagt Breitsamer.

Ein Areal als Hundeklo ausweisen

Wohin aber dann mit seinen Hinterlassenschaften? Breitsamer rät, ein 30 bis 50 Quadratmeter großes Areal abzustecken und den Hund dorthin zum Entleeren zu führen. Besondere Aufmerksamkeit ist nach dem Fressen und längerem Schlaf geboten, dann sei der Drang besonders groß. Sobald sich der Hund am falschen Ort niederlässt, sollte der Besitzer auf ihn zustürzen – schon der psychologische Effekt wirkt – ihn am Genick packen und auf das Hundeklo-Areal tragen, niemals jedoch schlagen. Hat er dort sein Geschäft verrichtet, ist wieder starkes Lob angesagt.
An Geflügel oder andere Tiere wird der Hund ähnlich gewöhnt wie an die Grenze des Hofgeländes. Sobald der Junghund den Tieren  zu nahekommt oder sie gar jagt, muss der Besitzer eingreifen – notfalls auch deutlich beispielsweise mit dem Wurf einer Kette oder Schütteldose. Anschließend muss er den Hund aber für sein richtiges Verhalten wieder ausgiebig loben.
Um dem Hund beizubringen, dass er sich von fahrenden Bulldogs und anderen Fahrzeugen fernhalten muss, ist eine zweite Person nötig. Sobald die Bezugsperson das Auto oder den Bulldog startet, wird der Hund üblicherweise versuchen, seinem Rudelführer hinterher zu laufen. In diesem Moment muss die zweite Person eingreifen – beispielsweise über einen Leinenimpuls – und den Hund so zurückhalten.

Auch interessant