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Muttertag

Vater, Mutter und das Klischee

Muttertag
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
09.05.2018

Wir haben Gleichberechtigung in unserem Land. Weshalb prangt dann auf dem am Freitag erscheinenden Heft nur das Wohl der Mama in dicken Lettern auf dem Titel?

Sepp Kellerer

Vielleicht wollten wir dem männlichen Teil unserer Leser einfach noch mal in Erinnerung rufen, dass am Sonntag Muttertag ist. Ja, ja, schon klar – der Vatertag war auch diese Woche. Aber er ist schon vorbei, wenn Sie das gedruckte Heft in Händen halten.

Lediglich die elektronische Ausgabe konnten Sie schon am Mittwoch durchblättern, wenn Sie sich dafür registriert haben. Noch bis Ende des Monats können Sie das E-Paper kostenlos testen. Aber das soll es auch schon gewesen sein mit dem Werbeblock in eigener Sache.

Zurück zur Gleichberechtigung. Wir haben sie insofern berücksichtigt, dass auch der Vater mit aufs Foto auf dem Titel durfte. Aber halt, können die Männer überhaupt die Benachteiligten sein? Die laden sich am Vatertag einfach den Handwagen mit Bier voll und ziehen in mehr oder weniger geordneter Formation von dannen. Keiner weiß wohin und wann sie wieder zurückkommen. Und dann müssen sie mindestens drei Tage bemitleidet werden, bis sie wieder einigermaßen auf dem Damm sind.

Wie ist das dann am Muttertag? Da kriegt die Mama vielleicht das Frühstück serviert, vielleicht sogar ans Bett, aber wahrscheinlich wartet sie dort schon längere Zeit mit Bangen um das gute Geschirr und die Ordnung in der Küche.

Mittags schmeißt der tapfere Ehemann und Vater dann den Grill an, dass die Steaks nur so bruzzeln, vielleicht sogar die eine oder andere Aubergine. Aber bei den Beilagen ist dann meist schon wieder die Mama gefragt.

Und wie schaut es beim Abwasch aus? Gott sei Dank gibt es heute eine Spülmaschine! Papa und Kinder brüsten sich dann mindestens zwei Wochen lang mit ihren Leistungen am Muttertag und übersehen dabei geflissentlich, dass die Mama das alles an 364 Tagen im Jahr vollbringt, und zwar alleine. Alles Klischee? Nein, deutlich überzeichnet sicherlich, aber bestimmt nicht alles an den Haaren herbeigezogen.

Bringen wir das Thema seriös zu Ende: Wir wünschen Ihnen, dass Sie weder Vatertag brauchen noch Muttertag, weil nämlich die Familie das ganze Jahr funktioniert. Und wir möchten daran erinnern, dass man heute einer Mutter keine kräftigenden Speisen mehr ans Kindbett bringen muss, so wie früher. Und mit ausreichender und hochwertiger Ernährung sind wir wieder bei der Landwirtschaft.

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