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Allerheiligen

Vergänglichkeit und Hoffnung

Allerheiligen Vergänglichkeit
Pfarrerin Christel Mebert
am
26.10.2017

Meistens sind sie kalt, stürmisch und nass – die Tage im Spätherbst. Eine ungemütliche Zeit.

Der Wind zerrt die letzten Blätter von den Bäumen, die nun kahl und trist in der Landschaft stehen, das bunte Leben, das Sommer und Herbst uns bescherte, verlischt. Der Lauf des Jahres, der Wechsel der Jahreszeiten ist wie ein Sinnbild unserer eigenen Tage. Auch der Sommer unseres Lebens geht schnell vorbei. Dann sind wir wie die Blumen, die langsam verwelken, wie die Blätter, die kraftlos im Wind treiben. Wachsen – Blühen – Vergehen. Das ist unser Weg und zu ganz bestimmten Zeiten des Jahres wird uns das deutlicher, bewusster als sonst.

Allerheiligen, Totensonntag, Ewigkeitssonntag reihen sich im November aneinander. Sie erinnern uns an die Vergänglichkeit, an den Verlust von Menschen, die unseren Lebensweg ein Stück mit uns gegangen sind. Ihre Gräber, die wir pflegen, immer wieder machen sie uns bewusst, dass nichts auf dieser Welt Bestand hat. Auf der Uhr unseres städtischen Friedhofs sind am äußeren Rand Buchstaben zu sehen. Der große Zeiger buchstabiert so einmal in der Stunde den Satz: „Eine von diesen“! Das erinnert daran, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ganz nahe beieinander liegen.

Unser Blick soll aber nicht an unwiderbringlich Vergangenem hängen bleiben, sondern er soll über die Gräber und Erinnerungsorte hinausgeleitet werden. Es ist gut, dass wir in aller Hetze des Alltags auch einmal innehalten und uns Zeit nehmen, an die zu denken, die einmal zu uns gehörten. Es ist gut, dass uns dabei nicht nur Gedanken der Trauer begleiten, sondern auch Gedanken der Hoffnung, dass es einen gibt, der uns in allem Vergehen sanft in seinen Händen hält in Zeit und Ewigkeit.

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten; sie fallen mit verneinender Gebärde. Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit. Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen. Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“ (Rainer Maria Rilke)

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