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Das Miteinander

Vertragt und bemüht euch

Josef Mayer, Petersberg
am
26.07.2018

Vielleicht schenken die Ferien ein wenig Raum, um über das Miteinander zu reden.

Urlaub

Der Schreiber des Epheserbriefes wählt als Perspektive für den Apostel Paulus das Gefängnis. Das ist nicht gerade eine schöne Ferienperspektive. Aber manchmal habe ich fast den Eindruck, dass uns die Urlaubsziele von anderen Menschen so sehr unter Druck setzen, dass wir uns wie eingesperrt fühlen. Es ist das Gefängnis der Ansprüche und Erwartungen einer Gesellschaft, die sich vor allem an Äußerlichkeiten und Materiellem orientiert.

Auf dieser Grundlage ist es noch spannender zu hören, welche Worte da auf die junge Christengemeinde in Ephesus zukommen: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren, durch den Frieden, der euch zusammenhält.“ Es sind Worte, die in unseren Tagen etwas angestaubt anmuten.

„Demütig“ wird gern mit „sich kleinmachen“ verwechselt. Aber echte Demut geht nicht ohne innere Größe. Nur wer in sich ruht, wer mit dem Seinen zufrieden ist, ist in der Lage, andere und anderes groß sein zu lassen. Dazu kommt „friedfertig“. Wenn der Blick auf so manches in der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und in den Kirchen fällt, kann schon der Gedanke aufkommen: „Ja haben die noch alle …!“ Mit friedfertig hat das, was sie tun, nur ganz wenig gemein.

Dann soll auch noch alles mit „Geduld“ geschehen. Dabei ist so manche Situation im Leben zum aus der Haut fahren. Es gibt einiges, was sich nicht einfach verändern lässt. Aber die auftretenden Gefühle wie Wut und Zorn zu unterdrücken, hilft nicht. Da kann das Stoßgebet „Gott, lieb’ Du ihn bzw. sie, ich bin gerade verhindert!“ spannungsabbauend wirken. Zur Geduld verhilft die Gelassenheit, die Papst Johannes XXIII. im sich zehnmal wiederholenden „Nur für heute!“ spiegelt.

Da liegt die Basis für den letzten Anstoß des Apostels: „Ertragt einander in Liebe!“ Damit ist wohl die immer neue Suche nach dem Segen gemeint, warum gerade wir in der Familie, im Team, in der Arbeit, am Hof, in den Generationen zusammengefügt worden sind. Vielleicht schenken die Ferien ein wenig Raum, um über solche Erfahrungen zu reden.

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