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Blinde von Jericho

Vertrauen - das war schon ein Wunder

Blinder
Dekan i. R. Helmut MüllerHaundorf
am
21.06.2018

Das Wunder beim Blinden von Jericho war, dass er plötzlich diesen Mut und dieses Vertrauen hatte, Jesus anzurufen.

Der Blinde vor Jericho hört, dass etwas Besonderes los sein muss. Er spürt die freudige Erregung unter den Menschen um ihn herum. „Was ist denn los?“ fragt er. „Warum sind denn alle so aufgeregt?“ „Weil er in die Stadt kommt, Jesus. Viele haben Gutes von ihm gehört und freuen sich darauf, ihn endlich auch einmal selbst zu sehen.“ „Ich leider nicht“, seufzt er.

Aber dann hört er die Schritte, atmet den von den näher Kommenden aufgewirbelten Staub ein. Und im Gewirr der Stimmen lauscht er dieser einen: „Vertraut seiner Liebe! Er kann euch helfen. Lobt den Höchsten!“ Das muss er sein! Und als die Gruppe vor ihm vorbeigeht, ruft der Blinde plötzlich: „Jesus, du Bote Gottes, hilf mir!“ Da fahren ihn einige an: „He du, schrei hier nicht herum! Störe den Meister nicht in seinen theologischen Gesprächen!“ und drängen ihn zurück. Er aber lässt sich nicht abwimmeln und schreit aus Leibeskräften noch mal: „Jesus, du Bote Gottes, hilf mir!“

Und das Wunder geschieht: Jesus bleibt stehen. Mit einer Handbewegung lässt er die eifrig Diskutierenden verstummen und sagt zu ihnen: „Bringt den zu mir, der nun schon zweimal nach mir gerufen hat.“ „Aber Jesus, das war doch nur der Blinde, der hier immer die Leute anbettelt. Um den brauchst du dich nicht zu kümmern. Wir haben noch so viel Wichtiges, Theologisches mit dir zu besprechen“. Aber Jesus beharrt darauf: „Bringt ihn zu mir“. Da holen sie ihn, schieben ihn durch die erstaunte Menge. „Hier ist er, Herr, der so nach dir geschrien hat.“

Jesus sieht den Blinden. Die toten Augen. Den gebeugten Körper. Die von Leid und Angst gezeichneten Züge. Und eine große Liebe und Kraft durchströmt ihn. Zärtlich streicht er ihm über Stirn, Wangen, Augen und fragt ihn dann: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ „Herr, dass ich sehen kann!“, klagt und bittet er, wohl wissend, dass das eigentlich unmöglich ist. Aber heute geschieht es eben doch, das Unmögliche, das Wunder. Schon, bevor seine Augen geheilt wurden, ist es geschehen: als er plötzlich diesen Mut und dieses Vertrauen hatte, Jesus anzurufen. Und als der wirklich stehen blieb, extra für ihn, das war schon das Wunder.

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