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Hobby

Vorgestellt - Bauer und Puzzler

Reuter Puzzle
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Sophia Gottschaller, Wochenblatt
am
18.01.2018

Jürgen Reuter aus dem mittelfränkischen Merkendorf ist Krautbauer und puzzelt leidenschaftlich gerne. Ihn reizen dabei besonders Puzzles im Großformat.

Manche Leute gehen am Abend in die Wirtschaft, stricken oder schauen Fernsehen. Ich puzzle halt gerne in meiner Freizeit.“ Das sagt Jürgen Reuter ganz lässig, während er unter seinem Riesen-Puzzle steht. Dieses hängt in der Maschinenhalle, weil an keinem anderen Ort auf dem Hof im mittelfränkischen Merkendorf (Lks. Ansbach) Platz für das knapp 2 auf 7 m große Puzzle ist. Es ist eines der größten Exemplare, die kommerziell am Markt erhältlich sind: Stolze 40 320 Teile formen das Gesamtbild, bei dem zehn Motive miteinander verbunden sind. „Ich war einer von den ersten drei Personen, die dieses Puzzle selbstständig zusammengebaut haben“, meint Reuter und lächelt. Die Freude darüber hört man aus seiner Stimme heraus.

Das Motiv ist egal, Hauptsache viele Teile

Reuter mit Kraut

Die auf dem Puzzle abgebildeten Figuren kennt fast jedes Kind: Schneewittchen und die sieben Zwerge, Mogli aus dem Dschungelbuch, die Schöne und das Biest, Arielle die Meerjungfrau oder das Rehkitz Bambi. Das sind alles Märchenfiguren, die der amerikanische Trickfilmzeichner und Filmproduzent Walt Disney fürs Kino zum Leben erweckt hat. Eine komische Motivwahl für den gestandenen Krautbauern? Reuter sieht das pragmatisch: „Das Motiv ist mir eigentlich egal“, betont er. „Wichtig ist nur, dass das Puzzle viele Teile hat. Je mehr, desto besser!“

Denn für den Bauern ist dieses Hobby nicht nur eine Zerstreuung für den Feierabend. Es ist zu einer Leidenschaft geworden, die er mit Ehrgeiz verfolgt: Als er vor etwa zehn Jahren zu puzzeln angefangen hat, begann er erst mal klein. Er nahm die gängigen Puzzles für Erwachsene mit 1000 oder 2000 Teilen in Angriff. Doch schon bald langweilten ihn diese „kleinen“ Formate, denn er hatte sie bereits nach zwei oder drei Tagen fertig zusammengesetzt. „Ich habe dann gleich einen recht großen Sprung gemacht und mir ein Puzzle mit 32 000 Teilen geholt“, erzählt er begeistert. „Das war vor ein paar Jahren das größte, das es auf dem Markt gab, und ich hatte endlich eine richtige Herausforderung.“

Puzzeln, findet Reuter, ist eine sinnvolle Beschäftigung für die langen Abende im Herbst und Winter. Es erfordert Geduld, Konzentration und vor allem Durchhaltevermögen. „Ich finde es schön, am Abend eine Abwechslung zur Arbeit am Tag zu haben“, betont der Bauer. Er baut auf seinem Hof unter anderem Weißkraut, Blaukraut und Wirsing an, stellt Sauerkraut her und vermarktet seine Produkte direkt. Manchmal vergisst er bei der Suche nach dem passenden Teil schon mal die Zeit. „Aber es gibt auch Tage, an denen kann ich mich gar nicht darauf konzentrieren“, räumt er ein. „Wenn ich merke, dass nichts mehr geht, höre ich auf und mache am nächsten Abend weiter.“

Aber wo fängt man überhaupt an, wenn man solche gigantischen Puzzles beginnt? Welches Teil setzt man als erstes? Ein Vorteil ist, dass die großen Exemplare oft schon etwas vorsortiert sind: Das Puzzle mit den Märchenfiguren wurde beispielsweise in zehn Päckchen mit je etwa 4000 Teilen geliefert. Doch auch 4000 Teile müssen erst mal an den richtigen Platz gebracht werden. Und das immerhin zehnmal. Reuter hat sie im Laufe von etwa vier Monaten in seinem Wohnzimmer separat zusammengebaut und zum Schluss zu einem Riesenpuzzle zusammengefügt.

Die Teile nach Form und Farbe sortieren

Der Profi-Puzzler hat dafür natürlich ein paar Tricks parat: „Wenn man die Teile gründlich nach Farben und Formen sortiert, bevor man anfängt, erleichtert dies einiges“, erklärt Reuter. Dann hat man zum Beispiel schon mal die meisten Teile für eine farbige Fläche beisammen und muss nicht ewig danach suchen. „Je besser man vorher sortiert, desto schneller ist man später“, bringt er es auf den Punkt. Außerdem hat der Bauer eine interessante Beobachtung gemacht: Ab einer gewissen Puzzle-Größe wiederholt sich die Form der Teile in einer Reihe immer wieder. „Wenn man weiß, welche Form man braucht, fällt das Suchen deutlich leichter“.

Für den kommenden Herbst und Winter ist Reuter schon wieder auf der Suche nach der nächstgrößeren Puzzle-Herausforderung. Wo dieses Exemplar dann hängen soll? Dazu meint der Bauer nur schmunzelnd: „Da wird sich dann sicher ein passendes Plätzchen auf dem Hof finden, wenn es so weit ist.“

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