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Kirchliche Tage

Der Weiße Sonntag

Erwachsenentaufe
Pfarrer Josef Dotzler, Neufahrn
am
05.04.2018

Als der „Weiße Sonntag“ ist der erste Sonntag nach Ostern bekannt. Der Name stammt aus dem christlichen Altertum, als überwiegend Erwachsene getauft wurden, meistens in der Osternacht.

Dabei wurde ihnen ein weißes Kleid überreicht, in dem sie eine Woche lang jeden Tag am Gottesdienst teilnahmen. Der Sonntag nach Ostern war „der Sonntag der abgelegten weißen Kleider“. Im Hintergrund stand der Gedanke: Auch wenn das große Fest zu Ende ist, das Christsein geht im Gewand des Alltags weiter.

Die weiße Farbe des Taufkleides nahm Bezug auf Jesus Christus, den die Jünger auf dem Berg Tabor in seiner himmlischen Herrlichkeit sehen durften: „Er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß.“ (Markusevangelium, Kap. 9, Satz 3).

Später, als die Kindertaufe der Normalfall war und das ganze Jahr über gespendet wurde, verkürzte man den Namen auf den „Weißen Sonntag“.Für viele von den Älteren unter uns verbindet sich der „Weiße Sonntag“ mit der Erinnerung an die Erstkommunion. Jahrhundertelang war es üblich gewesen, dass die Kinder, wenn sie ein gewisses Maß an Verständnis der Hl. Kommunion erreicht hatten, ohne größere Feierlichkeit mit den Eltern zum Empfang des Sakramentes gingen. Im 19. Jahrhundert wurde der Weiße Sonntag der einheitliche Tag des ersten Kommunionempfangs.

Bei meiner Erstkommunion war es noch selbstverständlich, dass die Buben in einem dunklen Anzug antraten und die Mädchen in weißen Kleidern. Inzwischen wurden fast überall die einheitlichen langen weißen Gewänder eingeführt. Das hatte nicht nur den Sinn, dem Wetteifern um die schönsten Kleider einen Riegel vorzuschieben, vor allem war es eine Rückbesinnung auf die alten Taufgewänder: Der Kommunionempfang ist eine Fortführung der Taufe.

Das weiße Kleid setzt sich fort in verschiedenen Funktionen: Ministranten, Lektoren, Kommunionhelfer und auch die Priester drücken dadurch bei den Gottesdiensten aus, dass sie durch Christus in einen besonderen Dienst genommen sind. Das innerliche „weiße Kleid der Seele“ aber ist jedem Christen zu bewahre.

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