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Glaube

Weißer Sonntag

Apostel Thomas
Externer Autor
am
25.04.2019

Weißer Sonntag – so lautet die Bezeichnung für den Sonntag nach Ostern im Festkalender der katholischen Kirche.

Papst Johannes Paul II. nannte ihn den „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“. Nun werden Sie sich vielleicht die Frage stellen: Was ist „weiß“ am weißen Sonntag? Die Antwort ist ganz einfach: Es sind die weißen Gewänder. Solche Gewänder trugen die Taufbewerber, die am weißen Sonntag zur Erstkommunion gegangen sind. Sie hatten ursprünglich nichts mit Reinheit zu tun. Sie standen dafür, dass alle Getauften von Gott her eine gemeinsame, unverlierbare Würde empfangen haben. Sie sind Söhne beziehungsweise Töchter Gottes. Für sie alle tritt Gott mit seiner ganzen Kraft und Liebe ein.

Diese Würde gilt auch dann, wenn wir zweifeln und wenn wir Dinge in Frage stellen. Solche Zweifel kommen auf, wenn wir die Ereignisse der letzten Jahre in den Kirchen und Religionen näher betrachten: „Der hohe moralische Anspruch ist ihnen auf die Füße gefallen“, denken sich viele Menschen. Zweifel sind überall dort angebracht, wo Menschen handeln. Zweifeln gehört zum Menschsein. Mir macht niemand mehr Angst, als die Menschen, die die scheinbar unverbrüchlichen Lösungen haben, die wissen, wie Sicherheit garantiert werden kann und die für alle Herausforderungen eine Antwort parat haben.

Mir gefällt der Apostel Thomas, auch als „der Zweifelnde“ bekannt, denn er verweist mich zurück auf Gott. Er zeigt mir meine eigene Abhängigkeit, meine begrenzten Möglichkeiten und er entspricht zugleich exakt meinem Bedürfnis, immer wieder Fragen zu stellen. Die Thomas-Messen begegnen diesem Zweifel mit großem Respekt. Sie schenken ihm Raum und lassen Entwicklungen zu. Freuen wir uns an den Menschen, die uns hinterfragen, die billige Antworten zurückweisen und die sich lebenslang als Suchende und Lernende zeigen. Diese Menschen sind diejenigen, denen der auferweckte Christus gerne seine Zeit schenkt. Ihre Bedürftigkeit hat bei ihm Raum in seiner unendlichen Barmherzigkeit.

Berühren wir mit Thomas die Wunden der Bedürftigen unserer Tage – denn dort beginnt die göttliche Antwort auf alles menschliche Suchen, Fragen und Zweifeln.

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