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Reichtum

Mit wenig Mitteln Anderen Gutes tun

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Händeschütteln
© imago/Ikon Images
von , am
12.10.2017

Coburg - Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen … und komm, folge mir nach“ (Lukas-evangelium 10, 21).

Ein reicher junger Mann fragt Jesus, was er tun soll, um das ewige Leben zu erlangen. Jesus verweist ihn auf die 10 Gebote. Er erhält die Antwort: „Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an.“ Darauf erwidert Jesus: „Verkaufe alles, was du hast und folge mir nach.“ Diese schroffe Reaktion führte dazu, dass der junge Mann traurig wegging. Voller Begeisterung war er zu Jesus gekommen. Doch dieser hatte ihn regelrecht vor den Kopf gestoßen. Er kann dessen Aufforderung nicht nachkommen, all seinen Besitz den Armen zu geben. Und ich gebe zu, dass ich nicht weiß, wie ich mich verhalten hätte. Denn manchmal bin ich traurig über meine Unzulänglichkeit und darüber, was ich an Gutem tun möchte, aber nicht kann.

In dieser Geschichte wendet Jesus sich gegen die Reichen. Auch das kann ich nicht nachvollziehen. Denn es stimmt nicht, dass „die“ Reichen unchristlich sind und „die“ Armen treue, fromme Christen. Etliche Reiche spenden hohe Beträge für Notleidende. Es wäre absurd, ihnen das Christsein abzusprechen, weil sie nicht gleich alles weggeben. Es wäre niemandem gedient, all unser Hab und Gut wegzugeben, weil wir dann selbst auf Hilfe angewiesen wären. Wir müssen uns eingestehen, dass wir die hohen Erwartungen, die Jesus hier stellt, nicht erfüllen können. Es gibt nur sehr wenige, denen der Mut und die Kraft geschenkt wurden, all ihren Besitz zu verschenken und arm durch das Land zu ziehen – wie Jesus. Um Notleidenden zu helfen, reicht jedoch „nur“ Geld nicht aus. Ebenso wichtig ist es, auf andere zuzugehen, mit ihnen zu sprechen, ihnen zuzuhören. Für die vielen Fremden in unserem Land ist es entscheidend, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind und wir mit ihnen leben wollen. Oft genügt ein Lächeln, eine freundliche Geste oder ein Wort. Es würde unser aller Leben heller und angenehmer machen. Ich bin sicher: Wenn wir uns Anderer annehmen und mit ihnen teilen, werden wir selbst zufriedenere und glücklichere Menschen.

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