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Gemeinschaft

Willkommen in der Kirche

Gemeinschaft
Pfarrer Erich Eyßelein, Prichsenstadt
am
07.06.2018

Einander annehmen, in eine frohgesinnte Gruppe mitnehmen, trösten und ermuntern. Ist so etwas heute überhaupt noch möglich?

Wo ist denn die „offene Gemeinde“, die einlädt, ohne sofort wieder zu verpflichten, die Gemeinde, die auf andere zugeht und nicht ausgrenzt?

Folgende Geschichte bringt mich zum Nachdenken: Schon lange sehnten sich die beiden Eheleute nach Zweisamkeit, nach Zeit füreinander. Jetzt im Ruhestand hatten sie sich einiges vorgenommen: Reisen, Ausruhen, den schönen Garten genießen, einfach füreinander da sein, sich alte Wünsche erfüllen, die das anspruchsvolle Arbeitsleben verhindert hatte.

Seit gut einem Jahr genießen sie ausgiebig den Ruhestand. Dann wird die Frau plötzlich krank und stirbt. Dieser unerwartete Schicksalsschlag verändert zusehends alles im Zusammenleben. Die Ehe blieb kinderlos. Der Mann sucht zunächst das Weite. Einsam und allein fühlt er sich auf den tagelangen Spaziergängen. Dann erinnert er sich an alte Bekannte und freundet sich tatsächlich erneut an.

Eines Tages nehmen sie ihn mit in den Sonntagsgottesdienst. Eigentlich will er nicht! Er schämt sich und fühlt sich unsicher. Seit vielen Jahren hat er keinen Gottesdienst mehr erlebt. Als Kind ging er gern in die Kinderstunde, weil biblische Geschichten ihn bewegten. Kirche kam dann in seinem Karrieredenken nicht mehr vor. Trotzdem ließ ihn die Frage nach Gott, nach einem liebenden und gerechten Vater im Himmel nie ganz los.

Jetzt sitzt er im stillen Raum, im Kreis wiedergewonnener Freunde. Mit ihnen vertraut, aber die Atmosphäre wirkt befremdend. Sein Nachbar spürt seine Gefühle, seine Unsicherheit und erzählt ihm Interessantes aus dieser Kirchengemeinde und von regelmäßigen Angeboten. Ob er was versäumt hat in all den Jahren, in denen Beruf und gesellschaftlicher Aufstieg das Wichtigste zu sein schienen?

Viele Gedanken gehen ihm durch den Kopf: Er hat alles versucht und nun ist er allein auf der Suche nach Anerkennung, Geborgenheit und Wertschätzung ganz anderer Art. Ob es seinen Freunden gelingt, in ihrem Umfeld, in ihrer Kirche Heimat und Freude am „Mitmachen“ zu vermitteln?

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