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Zum Sonntag

Zeit zum Entschleunigen

Pfarrer Ludwig Scheiel
am
01.12.2016

Gaißach - Der Winter hat sich angesagt. Für viele Menschen ist dies eine unbequeme Jahreszeit. Die lange Dunkelheit, die Kälte, die Kargheit der Natur gehen auf das Gemüt der Menschen. Alles geht langsamer. Doch das ist gerade das Schöne des Winters.

Winter

Wir Menschen brauchen immer wieder einmal eine Entschleunigung. Immer mit Vollgas fahren, schadet dem Motor. Wir wissen es, wir spüren es. Die Hektik unserer Zeit wird immer größer, die Folgen davon immer spürbarer. Warum tun wir Menschen uns so schwer, ein ruhiges, ausgeglichenes Leben zu führen? Ein Grund ist wohl der Zeitgeist des 21. Jahrhunderts. Alles muss größer und schneller werden. Alles ist in ständiger Veränderung. Die Natur gibt uns jedes Jahr ein Lehrstück der Entschleunigung: die Wintermonate. Ohne Winter kein Sommer, ohne Ruhe kein Leben.

Lassen auch wir Menschen uns auf das Vorbild der Natur ein. Der Winter will nicht depressive Stimmung verbreiten, er will mit seiner Ruhe neue Lebenskräfte sammeln, denn nach jedem Winter kommt der Frühling mit neuer Lebenskraft. Alles Kahle treibt aus zu herrlichem Grün, das Grau verwandelt sich in eine bunte Farbenfülle. Auch der weitverbreitete Brauch der Barbarazweige deutet auf dieses neue Leben hin. In vielen Familien werden am Barbaratag, dem 4. Dezember, kahle Forsythien- oder Kirschzweige in eine Vase gestellt. Um Weihnachten brechen dann die Blüten hervor. So sind sie ein Zeichen für neues Leben.

Christus, das Licht der Welt, der Herr allen Lebens, wird in diese Welt hineingeboren. Er ist der größte Garant für neues Leben. Weit mehr als das Zeichen der Natur, redet die christliche Botschaft von einem neuen Leben, selbst über den Tod hinaus. Um dieses Leben zu erreichen, müssen wir auch durch einen Ort der Dunkelheit und der Ruhe.

Lassen wir der Adventszeit die Ruhe und die Dunkelheit, verfallen wir nicht der Einkaufshektik und schmücken wir nicht vorschnell unsere Häuser und Straßen mit unnötigem Lichtgeglitzer. Halten wir den Advent aus und das Licht und die Wärme des Weihnachtstages werden uns von neuem Leben erzählen.

 

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