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Reflexion

Vom Zweifel zur Gewissheit des Glaubens

Zweifel
Pfarrer Anton Klein, Coburg
am
25.07.2019

Wenn jemand zweifelt, wird ihm das oft als Schwäche oder Unentschlossenheit ausgelegt. Doch so ist es nicht.

Der Jünger Thomas sagt: „Wenn ich nicht meinen Finger in seine Nägelmale lege, kann ich’s nicht glauben“ (Johannesevangelium 20, 25). Was hatte Thomas nicht alles mit Jesus erlebt. Die schönste Zeit war die, als er mit ihm durchs Land zog, Kranke heilte, Wunder vollbrachte und den Menschen von Gott erzählte. Doch vor einigen Wochen hatte Jesus begonnen, von seinem Leiden und Sterben zu sprechen. Dass er sie verlassen würde.

Das konnte Thomas nicht nachvollziehen. Schließlich wurde Jesus festgenommen, ans Kreuz genagelt und ins Grab gelegt. Er war tot. Da verstand Thomas die Welt nicht mehr. Dazu kam seine Angst, selbst verhaftet zu werden, weil er mit Jesus zusammen gewesen war.

Dann, drei Tage später, kehrten einige Frauen aufgeregt vom Grab Jesu zurück und berichteten das Grab sei leer. Am gleichen Abend erkannten ihn zwei Jünger, als er in ihrem Haus das Brot brach. Auch den anderen Jüngern war er erschienen. Als sie Thomas berichteten: „Wir haben den Herrn gesehen“, wusste dieser nicht mehr was er glauben sollte. Er erwiderte: Ich möchte ja glauben, aber ich kann nicht, es sei denn … Als Jesus später unter die Jünger trat, sagt er zu Thomas: Leg deinen Finger in meine Wunden. Doch dazu kam es nicht. Thomas sah Jesus und rief: „Mein Herr und mein Gott!“ Thomas – der Zweifler. So nennen wir ihn.

Wenn jemand zweifelt, wird ihm das oft als Schwäche oder Unentschlossenheit ausgelegt. Doch so ist es nicht. Wer zweifelt, will Gewissheit haben. Täglich strömen Anfragen auf uns ein. Wir müssen Entscheidungen treffen. Wäre es da nicht gut erst über eine Sache nachzudenken, bevor wir uns entscheiden, anstatt gleich mitzuschreien?

Hierin kann uns der Jünger Thomas ein Vorbild sein. Er glaubte nicht blindlings. Er wollte sich sicher sein. Erst dann konnte er bekennen: Ja, es stimmt. Jesus ist auferstanden. Er ist unter uns. Er lebt. Jetzt konnte er in die Freude der Jünger mit einstimmen. Und zwar mit ganzen Herzen.

Ich wünsche uns allen, dass wir vom Zweifel zur Gewissheit des Glaubens kommen.

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