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Hofhund

Für Haus und Hof geeignet?

Kind mit Hund
Andrea Hammerl
am
25.09.2017

Eine Möglichkeit, an einen Hund zu kommen ist das nächste Tierheim. Doch nicht immer sind Landwirte als Abnehmer gern gesehen. Warum ist das so?

Kind mit Hund

Pauschalurteile sind selten gerechtfertigt. Trotzdem soll es Tierheime geben, die grundsätzlich keine Hunde an Landwirte vermitteln. Für die dem Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime erklärt Anna-Laura Knorpp, dass generell eine Vermittlung mit Familienanschluss angestrebt werde, daher würden Hunde in der Regel nicht in dauerhafte Zwinger- oder Kettenhaltung abgegeben. Es komme jedoch auf den Hund an. „Für Hunde, die aufgrund ihres bisherigen Lebens oder ihrer Fellqualität lieber einen Hof bewachen und draußen leben, begrüßen wir es, wenn sich ein Landwirt findet, der das Tier als Hofhund aufnimmt“, sagt Knorpp. Auch Hütehunde würden bevorzugt an Schäfer oder andere Landwirte mit größerer Nutztierzahl vermittelt, „so dass das Tier seinen Bedürfnissen gerecht gehalten wird“.

Es kommt auf Rasse und Charakter an

 Gerd Schmidt, Leiter des Tierschutzvereins und Tierheims des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen hält ebenfalls nichts von Pauschalregelungen. „Ein Bauernhof kann der ideale Platz für einen Hund sein“, sagt er, „denn der Hof bietet viel Platz, frische Luft und engen Kontakt zum Menschen“. Allerdings müsse es sich um einen dafür geeigneten Hund handeln. Was im Klartext heißt, dass der Hund weder einen ausgeprägten Jagdtrieb noch einen übertriebenen Schutztrieb haben dürfe, weshalb die meisten Gebrauchshunderassen von vornherein ausscheiden.
Der ideale Hofhund sei der Spitz, der früher in der Landwirtschaft weit verbreitet war. „Der Spitz jagt in der Regel nicht, ist ortsgebunden, sehr wachsam und völlig unbestechlich“, lobt Schmidt die mitunter als Kläffer verschriene Rasse, die auf der Liste gefährdeter Nutztierrassen steht. Wobei er einschränkt, er mache die Eignung grundsätzlich nicht von der Hunderasse abhängig, denn es gebe in jeder Rasse Problemhunde und unkomplizierte Tiere. Das sei mehr von den Zuchtlinien innerhalb der Rassen abhängig. Doch darüber sachkundige und faire Auskunft von den Züchtern zu bekommen, hält Schmidt für schwierig. Generell rät er vom Welpenkauf ab. Der Charakter eines Hundes zeige sich erst nach der Geschlechtsreife und ließe sich in einer Gruppe wie im Tierheim am besten beobachten.
Zunächst sollte sich der Landwirt über seinen Bedarf klar werden, rät Tierärztin Frauke Petra Dreyssig aus Kreut im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Soll der Hofhund primär als Familienhund oder als Wachhund im Objektschutz eingesetzt werden oder wird er als Hütehund gebraucht? Vor der Anschaffung sollte zudem geklärt werden, wer als Bezugsperson für die Ausbildung zuständig sein soll und ob ein reiner Hofhund gewünscht ist oder das Tier Zugang ins Haus erhalten soll. Darauf stellt sich die Frage, ob das – vor allem bei langhaarigen Rassen – mit den Hygiene- und Reinigungsvorstellungen der Hausfrau letztlich auch zusammenpasst.

Eine Entscheidung für eine lange Zeit

Wie jeder zukünftige Hundebesitzer muss sich auch der Hofbesitzer vor der Anschaffung Gedanken machen“, sagt Dreyssig, „für Hunde sind Fehlentscheidungen lebenslänglich“. Kurzhaarige Hunde beispielsweise seien ungeeignet für ständige Draußenhaltung, da es ihnen im Winter draußen zu kalt wird. Im Bindungs- und Kontaktbedarf bestünden große Unterschiede zwischen den verschiedenen Hunderassen, was mitberücksichtigt werden müsse. „Der Hund ist ein Rudeltier und sollte Kontakt zu seinen Menschen haben“, betont die Tierärztin.

Der Hofhund braucht Familienanschluss

Genau aus dem Grund klärt Tierheimleiter Schmidt im Vorfeld, ob der Hofhund nachts ins Haus darf. Für Bauernhöfe eignet sich aus seiner Sicht vorrangig ein Hund mit starker Bindung an den Menschen, ein Hund, der nicht jagt, die Hühner in Ruhe lässt, Besucher meldet, die auf den Hof kommen, sie aber nicht angreift, kurz ein Hund, auf den sich der Besitzer verlassen kann, da er ihn nicht ständig beaufsichtigen kann. Ein solcher Hund habe aber das Bedürfnis und das Recht, nachts bei seinem Rudel zu schlafen – was seinem Schutzbedürfnis entspräche. Einzelgänger könnten zwar darauf verzichten, seien aber wiederum als Hofhunde meist nicht geeignet. „Hier geht es um eine Grundhaltung dem Tier gegenüber“, erklärt Schmidt, „Hunde sind keine Nutztiere, sondern Partner“.
Als Schutz- und Meldehunde, die draußen gehalten werden können, seien große Rassen mit langem Haar und nur geringem Jagdtrieb geeignet, sagt Dreyssig und nennt Neufundländer, Leonberger, Berner Sennenhunde und Appenzeller. Allerdings müssen solche Hunde gut erzogen werden. Welpenerziehung bedeute „drei Monate Non-stop-Beschäftigung mit dem Hund“. Und selbstverständlich sind große Tiere auch eine Kostenfrage. Ob Futter oder Arzneimittel – sie brauchen von allem mehr als kleine.

Hütehunde wollen gefordert werden

Gute Hütehunde sind Border Collie, Australian Shepherd, Cattle Dog oder Australian Kelpie. Allerdings sind sie Hochleistungstiere und wollen gefordert werden – nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Dass viele Besitzer mit diesen schwer zu handhabenden Hunden überfordert sind, haben sowohl Dreyssig als auch Schmidt schon öfter erlebt, von Herdenschutzhunden wie Kangals ganz zu schweigen.

Bestimmte Rassen eignen sich nicht

Labrador im Wasser

Jagd- und Apportierhunde scheiden von vorneherein aus, da Bauernhöfe in der Regel nicht eingezäunt sind, Schoßhunde wie Malteser sind pflegeintensiv und nicht robust genug. Der Labrador, der als Familienhund momentan hoch im Kurs steht, neigt zum Fettwerden, was auf einem Hof mit entsprechendem Futterangebot nicht ganz unproblematisch ist. Schäferhunde, Rottweiler, Dobermänner haben einen hohen Schutztrieb, daher rät Dreyssig von ihnen ab, es sei denn, der Besitzer hat die entsprechende Erfahrung als Ausbilder und es gelingt ihm, den Schutztrieb durch sachkundige und konsequente Ausbildung in geordnete Bahnen zu lenken.
Vor Mischlingswelpen warnt sie ebenfalls, da sie „Überraschungseier“ seien und sowohl im Charakter als auch was ererbte Krankheiten angeht, so manches mitbringen können, worauf der Besitzer nicht vorbereitet ist. Ein zwei bis drei Jahre alter Mischling aus dem Tierheim könne dagegen eine Option sein, da seine Eigenschaften erkennbar seien. Im Zweifelsfall lohne es sich, einen Hundekenner mitzunehmen, da nicht alle Tierheime kompetent und fair beraten. Wenn es ein Welpe sein soll, dann empfiehlt sie Tiere aus VDH-Zuchten (VDH = Verband für das deutsche Hundewesen), die mit geprüften Elterntieren arbeiten.
Schmidt verlässt sich bei der Beratung auf seine langjährige Erfahrung und Gefühl. Wichtig ist ihm, dass Hund und Herrchen zusammenpassen – schon aus Eigeninteresse, denn wenn es nicht klappt, muss der Hund laut Vertrag zurück ins Tierheim gebracht werden.

Haltungstipps

Was zu beachten ist, wenn ein Welpe auf den Hof kommt:

  • Hof welpensicher machen (offene Güllegrube, landwirtschaftliche Geräte),
  • Kastration nach Erreichen der Geschlechtsreife senkt das Risiko des Streunens bei Rüden und bei läufigen Hündinnen das des Besuchs fremder Rüden,
  • Für artgerechte Haltung nach Tierschutzgesetz sorgen,
  • Verkehrssicherungspflicht beachten (Risiko Straßenverkehr, Hund darf weder Katzen, noch Radler oder Postboten jagen).
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