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Umweltschutz

Bayerische Jungbauernschaft wendet sich gegen Palmöl

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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
03.07.2018

Schaden für Umwelt und Gesundheit - die Jungbauern fordern Grenzwerte in Lebensmitteln und die Verarbeitung regional produzierter Fette.

Palmöl

Die aktuell großen Proteste der französischen Bauern gegen die Mineralölindustrie, die eine Beimischung vom nachwachsenden Rohstoff Palmöl zum Kraftstoff wieder vermehrt einsetzen möchten, veranlassen die Bayerische Jungbauernschaft dazu, über den Einsatz von Palmöl verstärkt nachzudenken.

Die EU ist nach Indien größter Verbraucher mit rund 14 Prozent der Weltproduktion. Palmöl kann nicht in der EU erzeugt werden, sondern muss aus den Anbaugebieten, vor allem aus Indonesien und Malaysia, importiert werden.

Warum wird Palmöl im Mineralölbereich, in der Lebensmittelindustrie und auch im Futtermittelbereich z.B. bei Milchaustauschern gerne eingesetzt? Die ehrlichste und einfachste Antwort: es ist billig! Ein weiterer Grund ist, dass es nicht gehärtet werden muss, da es im Gegensatz zu anderen Ölen schon bei Zimmertemperatur fest ist und somit industriell sehr gut für die sofortige Weiterverarbeitung geeignet ist. Durch seine erhöhte Stabilität auch unter widrigen Bedingungen ist es außerdem länger haltbar als andere Öle.

Gesundheitsrisiko für Menschen

Das Palmöl wird, wie andere Pflanzenöle auch, bis auf 240 Grad erhitzt und die dabei entstehenden Stoffe – Glycidyl-Fettsäureester sowie 3-MCPD-Fettsäureester und 2-MCPD-Fettsäureester – erreichen im Palmöl eine besonders hohe Konzentration. Tierversuche haben ergeben, dass deren Abbauprodukt Gycidol, welches bei der Verdauung entsteht, Krebs verursacht. Daher ist es als höchst bedenklich einzustufen, dass Palmöl in vielen Produkten des täglichen Lebens enthalten ist.

In Italien haben diese Gesundheitswarnungen große Diskussionen ausgelöst. Die dort größte Supermarkt-Kette Coop hat daher inzwischen alle palmölhaltigen Lebensmittel aus seinen Eigenmarken verbannt.

Wenig nachhaltig

Auch die Nachhaltigkeit des Anbaus ist schwer in Frage zu stellen, da in der Regel Tropenwälder für die Palmölplantagen abgeholzt werden. Tropenwälder sind jedoch dort entstanden, wo sich Torfböden gebildet haben, die im Laufe der Jahrtausende große Mengen an CO2 gespeichert haben. Mit der Abholzung dieser Wälder wird damit auch das CO2 freigesetzt – und das bei einer Nutzungsdauer von lediglich 21 Jahren.

Außerdem wird der Anbau zu 80 Prozent von Großbetrieben kontrolliert, die eine durchschnittliche Größe von 3400 – 3900 Hektar haben. Kleinbauern werden dabei oft vertrieben.

Lokal kaufen

Die Frage, die wir uns als Bayerische Jungbauernschaft dabei stellen, ist: warum müssen wir ein solches Produkt, das nachweislich Krebs erregt und unter problematischen Bedingungen für Mensch, Tier und Umwelt produziert wird, importieren?

Unsere Landwirte vor Ort haben dadurch gleichzeitig Absatz-Schwierigkeiten für Milchfett und andere Pflanzenfette (z.B. Rapsöl). "Buy-local“ ist ein aktueller Trend. Warum setzen wir dies also nicht konsequent um und verlangen dies auch in den Tanks unserer Autos? Ferner sollten wir darauf bestehen, dass auch bei verarbeiteten Produkten auf unserem Teller, wie z.B. Schokolade und Margarine kein Palmöl enthalten ist.

Deshalb fordern die Jungbauern:

  • eine Bevorzugung von regional (Bayern, Deutschland, EU) erzeugten Fetten (Pflanzenfett und Milchfett) in verarbeiteten Produkten der Lebensmittelwirtschaft, aber auch in den Futtermitteln und auch bei der Kraftstoffbeimischung. Denn nur hier können wir kontrollieren, wie diese Öle/Fette produziert werden.
  • vom Verbraucher, dass er auch bewusst einkauft und darauf achtet, dass kein Palmöl in den Lebensmitteln verwendet wird. Außerdem, um den Ölverbrauch
  • insgesamt niedriger zu halten, auch mal das Auto stehen zu lassen, und stattdessen auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel zurück zu greifen.
  • gesetzliche Grenzwerte in Lebensmitteln, die sicherstellen, dass wir mit dem Verzehr kein zu hohes Krebsrisiko eingehen. Dieser Grenzwert sollte für die Lebensmittelindustrie bindend sein! Nur ein veränderter Konsum wird dafür sorgen, dass einiges an Palmöl aus unseren Lebensmitteln verschwindet.
  • dass das EU-Parlament beschließt, Palmöl als Rohstoff für die Biosprit-Produktion nicht weiter zu fördern. Dadurch kann für Raps von unseren Landwirten auch wieder ein besserer Preis erzielt werden. Ansonsten geht der Rapsanbau stark zurück, was gleichzeitig eine reduzierte Futtergrundlage zahlreicher Bienenvölker bedeuten kann. Änderungen erst bis 2030 könnten schon zu spät sein.
  • die Europäische Union bei den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit Indonesien auf, unsere lokale Landwirtschaft nicht zu vergessen, und das Thema Palmöl zur Sicherung der lokalen Landwirtschaft aus diesem Blickwinkel zu betrachten.
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