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Wohltat

Dost - für Körper und Seele

Origanum vulgare Kissen (5)
Karin Greiner
am
05.07.2018

Der Wilde Dost zieht Schmetterlinge an und dient als Pizzagewürz. Fast vergessen ist, dass er auch verschiedene Heilwirkungen hat.

Origanum vulgare 1

Wenn der Dost, oft besser bekannt als Wilder Majoran oder Oregano, in voller Blüte steht, summt und brummt, schwirrt und flirrt es rund um ihn. Von zahllosen Insekten wird das ursprünglich mediterrane Kraut als ergiebige Nektarquelle innig geliebt. Heiß begehrt wird Dost auch als Gewürz für Pizza und Pasta, kaum eine südländische Speise kommt ohne sein typisches Aroma aus. In der Heilkunde dagegen fristet der sonnenhungrige Dost noch ein Schattendasein. Höchste Zeit, ihn ins Licht zu holen, denn in ihm schlummern erstaunliche Kräfte.

Wider alle Teufel

Origanum vulgare Bad (3)

Dost stand den Menschen zu allen Zeiten schützend zur Seite, wenn es darum ging, böse Mächte fernzuhalten. „Hättest Du nicht Dorant und Dosten tät es Dich das Leben kosten!“ soll der Teufel zu einem Mädchen gesagt haben, das sich zwischen die duftenden Pflanzen geflüchtet hatte. Der „unsichtbare“ Geruch soll den unsichtbaren Geist vertreiben, so beschreibt Max Höfler 1893 in der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, warum die Menschen stark riechende Kräuter gegen alle möglichen Bedrohungen eingesetzt haben.

Ein Kraut für viele Fälle

Origanum vulgare Tee (6)

Origanum vulgare (so lautet der wissenschaftliche Name des Dosts, was übersetzt so viel wie Schmuck der Berge heißt) wurde der Braut bei der Hochzeit in den Schuh gelegt und in den Brautstrauß gebunden, als Amulett wurde das Kraut um den Hals getragen, als Sträußchen ans Schlafkammerfenster genagelt und als Büschel an die Wiege gehängt. Bereits im antiken Griechenland mischte man Dost unters Stroh des Bettlagers, um Schlangen und Skorpione abzuwehren. Im Mittelalter gehörte Dost zu den Kräutern des Liebfrauenbettstrohs, das man Gebärenden unterlegte. Zusammen mit Johanniskraut, Labkraut und Quendel sollte Dost dafür sorgen, dass die Geburt gut verlief sowie Mutter und Kind vor Krankheiten wie Kindbettfieber bewahrt wurden. Tatsächlich wirken die ätherischen Öle dieser Kräuter sehr gut gegen infektiöse Keime.

Meister guter Laune

Origanum vulgare Teemischung zum Gurgeln (1)

Zudem sorgt Dost mit seinem würzigen, pfeffrig-orangenartigen Duft für gute Laune. Er wird deshalb auch Wohlgemut genannt. Den Mähern und Schnittern mischte man ihn unters Essen, damit sie ihr Tagwerk frohen Mutes und voller Elan erledigen konnten.

Zoodles mit Dostpesto

Ein Volkslied erzählt, wozu Dost noch diente: „Ein Blümlein auf der Heiden mit Namen Wohlgemut, lass uns der lieb’ Gott wachsen, das ist für Trauern gut.“ Oregano-Öl wirkt beruhigend und ausgleichend auf die Psyche. Es lässt Schwermut schwinden, richtet seelisch auf und macht fröhlich.

Vielseitig verwendbar

Als antidämonisches Kraut hatte der Dost vor allem in früheren Zeiten den Ruf eines Allheilmittels. „Nimm Dosten und Johannesblut, die sind für alle Krankheit gut!“, diese alte Volksweisheit beschreibt das sehr eindrucksvoll. Husten und Heiserkeit, Leber- und Lungenleiden, Magengrimmen und Darmbeschwerden, Juckreiz und Hautprobleme – das sind auch heute noch typische Anwendungsgebiete für Dost als Heilpflanze.

Entkrampfend

Kräftig aromatisch und leicht bitter, sein Geschmack macht die verdauungsfördernde Wirkung vom Dost aus. Besonders wertvoll machen den Dost aber seine ätherischen Öle. Sie sorgen nicht nur für Entkrampfung, sondern auch dafür, dass Schleim leichter aus den Atemwegen transportiert und Entzündungen eingedämmt werden. Dost wird daher bei Menstruationsbeschwerden wie bei Husten empfohlen.
In den Mittelpunkt der aktuellen Forschung rückt Dost genau wegen der besonderen Eigenschaften seiner ätherischen Öle. Sie haben sich – zumindest im Labor – als wirksame Waffe gegen schwierig zu behandelnde Bakterien und andere Keime erwiesen, insbesondere auch gegen multiresistente Staphylokokken, den gefürchteten Magenkeim Helicobacter pylori und gegen Candida-Pilze.

Mildes Küchengewürz

Eine derart breite Wirkungsspanne gepaart mit einem aromatischen Wohlgeschmack macht den Dost zu einem idealen Küchenkraut, das schon beim Essen für „Wohlgemut“ und Wohlergehen sorgt. Was gibt es Besseres, als bei genussvollen Essen gleich etwas Gutes für die Gesundheit zu tun?
Während der Dost, anders als der mit ihm eng verwandte Majoran (Origanum majorana) in der deutschen Küche eine eher untergeordnete Rolle spielt, kommt er in der mediterranen Kochkunst ausgiebig zu Ehren. Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien – alle Mittelmeerländer verehren den Origano, Rigani, Origan, Orégano, nicht nur zu Pizza und Pasta. Dost passt ebenso in Salate, Saucen und Suppen, in Brot und herzhaftes Kleingebäck, zu Gemüse wie zu Eierspeisen und Lamm.

Dost im Garten

Einmal Dost im Garten, immer Dost im Garten. Das Kraut versamt sich gut, es wird niemals mehr verschwinden, wenn man dem Dost nur warme, sonnige Stellen mit durchlässigem, kalkhaltigem Boden gönnt, die schnell abtrocknen.
Je heißer die Sonne auf ihn brennt, desto mehr Aroma entfaltet er, desto heilkräftiger gilt er dann auch. Dost verträgt sich gut mit Lavendel und Rosmarin, mit Schafgarbe und Nelken (Kartäuser-, Pfingst-, Federnelke). Selbst neben Rosen macht er eine gute Figur.

Spezielle Züchtungen

Neben dem Wilden Dost halten Gärtner noch weitere Oregano-Formen bereit. Eine kleinwüchsige, würzkräftige Auslese ist der Kissendost (Sorte ‚Compactum‘), die sich auch gut für Kräuterkästen und Kübel eignet. Mit der wohl stärksten Würzkraft ausgestattet sind der Pizzadost (Origanum vulgare ssp. hirtum) sowie die Sorte ‚Hot & Spicy‘, beide wintergrün mit stark behaarten Blättern, aber nicht zuverlässig winterhart. Wer auf besonders schöne, üppige Blüten Wert legt, der greift zur Sorte ‚Rosenkuppel‘, da ist der Name Programm. Etwas Besonderes ist der Diptam-Dost (Origanum dictamnus) mit weißfilzigen Blättern und an Hopfendolden erinnernden, grün-rosa Blütenständen. Er wird auch als Kretischer Bergtee bezeichnet. Karin Greiner

Heilpflanzen-Steckbrief Dost

So sieht er aus: ausdauernde, buschige, bis hüfthohe Pflanze mit gabelig verzweigten, drahtigen Stängeln; gegenständige, eiförmige, spitz zulaufende, etwa daumennagelgroße Blätter, oft fein behaart und unterseits punktiert; rosafarbene bis weiße Blütchen mit dunkelrosa bis purpurnen Kelchen in dicht gedrängten, rispenartigen Blütenständen an Stängelenden wie Seitenzweigen; Blütezeit Juli bis September.

Da wächst er: sonnige, warme Stellen auf trockenem, kalkhaltigem Boden; in Magerwiesen, an Böschungen, Hecken, Waldrändern, in Gärten.

Das sammelt man: knospige und blühende Triebspitzen samt den oberen Blättern.

So wird’s verwendet: Dost wirkt entzündungshemmend, antibiotisch, antiviral, antioxidativ, krampf- und schleimlösend, verdauungsfördernd und appetitregulierend; für Tee bei Bronchitis, Erkältungen, Nervosität, Kopfschmerz, Kreislaufbeschwerden und Krämpfen, für Spülungen, Kompressen und Heilbäder bei juckenden Hautausschlägen und Ekzemen, ätherisches Oregano-Öl als natürliches Antibiotikum; in der Küche frisch oder getrocknet als Gewürz für Salate, Butter, Quark, Smoothies, für Gemüse, Eierspeisen, Suppen, Saucen, Eintöpfe, Bratlinge, Nudelgerichte, Pizza, Backwaren, getrocknet für Würzöl und -essig.

Vorsicht: Das ätherische Öl darf nur in einem Trägeröl gemischt auf die Haut aufgebracht werden; nicht für Schwangere und Kinder unter 6 Jahren geeignet. Vor innerlicher Einnahme den Arzt konsultieren, Oregano-Öl verstärkt die Wirkung blutverdünnender Medikamente. Vorsicht bei bestehender Allergie gegen Beifuß, es kann eine Kreuzallergie auftreten. KG

Zoodles mit Dostpesto

Ein heißer Aufguss aus dem frischen oder getrockneten Kraut hilft bei verschiedenen Beschwerden. Die Grundzubereitung besteht aus einem gehäuften Esslöffel frischem bzw. einem gehäuften Teelöffel getrocknetem, jeweils zerkleinertem Kraut, das mit 250 ml heißem Wasser übergossen wird. Zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Pro Tag ein bis drei Tassen in kleinen Schlucken trinken, bis die Beschwerden nachlassen.

Pur hilft der Tee bei Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall und krampfartigen Schmerzen während der Menstruation. Er dient ebenso zum Gurgeln Spülen bei Hals- und Zahnfleischentzündungen. Gesüßt mit Honig trinkt man den Tee zur Linderung von Husten.

Tipp: Kamille, Minze, Salbei eignen sich zum Mischen.

Den Stress des Tages einfach in einem Bad auflösen, die Muskeln entspannen und die Seele streicheln – das ist schon mehr als Wellness. Kräuterweise des Mittelalter bezeichneten den Dost nicht von ungefähr als „Freund der Nerven“. Aber ein Bad in Dost gilt auch als tonisierend und entgiftend, erleichtert bei Erkältungen.

Dafür 2 – 3 Handvoll frisches bzw. 100 g getrocknetes Dostkraut mit einem Liter heißem Wasser übergießen, 1 – 2 Stunden zugedeckt ziehen lassen, absieben und dem Badewasser hinzufügen. Nach dem Bad noch 30-60 Minuten ruhen!

Ein Kissen aus Naturstoff (Baumwolle, Leinen) wird mit getrocknetem Dostkraut gefüllt. Es hilft ähnlich wie ein Lavendelkissen beim Einschlafen, kann aber auch bei Magenschmerzen dienlich sein. Besonders wirkungsvoll wird so ein Kissen, wenn man es erwärmt, z. B. auf dem Kachelofen oder im Herd.

Wird Dostkraut mit heißem Wasser überbrüht und gut ausgedrückt, bzw. über heißem Wasserdampf erhitzt, und dann in ein Baumwolltuch eingeschlagen, erhält man eine schmerzlindernde Kompresse – zum Auflegen auf Nacken, Brust, Bauch oder Unterleib.

Fördert die Durchblutung und lindert dabei Schmerzen, hilfreich bei Rheuma, Gelenk- und Bauchschmerzen. Dafür ein Esslöffel Mandelöl mit 5 Tropfen ätherischem Oregano-Öl mischen. Einige Minuten sanft mit kreisenden Bewegungen an den betroffenen Stellen einmassieren.

Flüssigen Blütenhonig mit reichlich klein geschnittenem Dostkraut mischen und in ein Schraubglas füllen. Nach Wunsch den Dost mit Thymian, Spitzwegerich und/oder fein gehackte Fichtennadeln mischen. Dunkel und kühl (5 – 10 °C) mindestens vier Wochen, besser rund drei Monate ziehen lassen.

Danach filtern,. Der Sirup kann aber auch samt den Pflanzenteilen eingenommen werden – dreimal täglich ein Teelöffel.

10 – 15 Stiele blühenden Dost bündeln und zusammenbinden. Nach Wunsch den Dost mit Schafgarbe, Thymian, Minze, Labkraut, Mädesüß und/oder Goldrute mischen. Das Kräuterbüschel zwischen den Handflächen etwas walken, dann in einen großen Krug hängen und mit Apfelsaft übergießen. Eine Zitrone in Scheiben schneiden und dazu geben, alles 1 – 2 Stunden ziehen lassen. Dann mit Mineralwasser (still oder spritzig) aufgießen.

Zoodles sind Gemüsenudeln aus Zucchini. Statt der Zucchini kann man auch Möhren, Kohlrabi, Kürbis oder Sommerrettiche verwenden. Dazu Zucchini mit einem Spiralschneider zu Spaghetti formen oder der Länge nach mit einem Sparschäler zu dünnen Bandnudeln schneiden.

10 getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten mit 1 – 2 Zehen Knoblauch, einer kleinen Handvoll Dost und 2 – 3 EL Sonnenblumenkernen zu einem Pesto mixen, dabei so viel Öl der Tomaten verwenden, dass eine cremige Paste entsteht. Mit Salz und Pfeffer sowie etwas Zitronenabrieb würzen, nach Wunsch auch mit Chili.

Gemüsenudeln entweder in Butter oder Pflanzenöl bei milder Hitze in der Pfanne garen oder in kochendem Salzwasser blanchieren. Mit dem Pesto servieren und mit Dostblüten garnieren.

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