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Garten

Gärtnern - Freude an der Vielfalt

Haferwurz
Anja Kersten
am
07.06.2018

Wenn die Stauden- und Gemüsebeete am Hopser Hof bunt und vielfältig sind, ist Bäuerin Veronika Schleich glücklich. Trotzdem sieht sie ihren Garten pragmatisch: Dort bleiben nur die Pflanzen, die sich bewähren und nicht zu viel Arbeit machen.

Uebersicht-Garten

Lange wird es nicht dauern und die Veronika wird dir den ganzen Hof zupflanzen!“ So „warnte“ der Vater von Veronika Schleich seinen zukünftigen Schwiegersohn Ferdinand scherzhaft vor der Gartenleidenschaft seiner Braut. Er sollte Recht behalten. „Nach 25 Jahren habe ich es geschafft und fast jeden freien Flecken bepflanzt“, meint die Bäuerin schmunzelnd, und zeigt auf ein Foto des Hofes aus den Siebzigerjahren. Damals gab es auf dem Hopser Hof in Hohenpeißenberg (Lks. Weilheim-Schongau) außer einem kleinen Gemüsegarten und einem einfachen Blumenbeet der Oma nichts. Heute umrahmt eine Hecke den Bauernhof, es gibt einen Obstgarten, einen Haus- und Hofgarten mit Blumenbeeteinfassung und zwei halbwilde Blumenstaudenplätze.

Im Garten bleibt das, was sich bewährt

Bach-Wiese
Die ersten Gartenerfahrungen sammelte Schleich schon als Jugendliche, als ihre Mutter jedem der Kinder ein Versuchsbeet zur Verfügung stellte. Später wurde der Gemüsegarten ihrer Mutter zu viel. Die Gartlerin übernahm erst nach den Vorgaben ihrer Mutter, dann eigenständig die Regie über die Gemüsebeete.
Melde-Gemuesegarten

Heute, auf dem Hopser Hof, den die Schleichs gemeinsam nach Bioland-Richtlinien bewirtschaften, gibt es jede Menge Arbeit mit dem Milchvieh, den Legehennen und im Hofladen. „Deshalb muss der Garten schnell und einfach zu bewältigen sein“, sieht es die Bäuerin pragmatisch. Obwohl sie viel Spaß am Ausprobieren von neuen Pflanzen hat, darf nur im Garten bleiben, was sich bewährt. Arbeitsaufwendige und für die Höhenlage ungeeignete Pflänzchen werden nicht mehr angebaut. Ein Beispiel sind die Tomaten: Mit ihnen hat sie auf dem Hof, durch den auch an diesem Tag der Wind durchpfeift, schlechte Erfahrungen gemacht. Bis diese reif werden, ist der Sommer schon fast vorbei. Ein Gewächshaus aber kam für sie wegen des hohen Arbeitsaufwandes nicht infrage. Aus dem gleichen Grund wurde das Frühbeet zu einem Kräuterbeet umgewandelt.

Deko

„Auch die Rosen und ich sind keine Freunde geworden“, erklärt Schleich. Rost, Mehltau, Läuse und notwendiges Schneiden führten schließlich dazu, dass sie die Rosen aus ihrem Beet verschenkt hat. Einjährige Blumen sät sie ebenfalls nicht mehr aus. Das Säen und Pikieren ist viel Arbeit, zudem weiß sie aus Erfahrung, dass die zarten Pflänzchen ein gefundenes Fressen für die Schnecken sind. „Da ärgere ich mich später bloß“, meint sie.

In ihren üppigen Staudenbeeten, von denen eines als Terrassenbeet angelegt ist, setzt die Bäuerin lieber auf mehrjährige ausdauernde Arten, die gut zusammenwachsen und aufkeimenden Unkräutern wenig Chancen lassen. Dort setzen Salbei, roter Phlox und Pfingsrosen oder Akelei, Rittersporn und Ehrenpreis farbige Akzente. Außerdem hat sie von einigen Pflanzen in der Natur Samen gesammelt, diese ausgesät und einfach geschaut, was daraus wird. Zu ihrer Freude gedeihen jetzt auch Teufelsabbiss, Glockenblumen, Blutweiderich, schwarze Königskerzen und Johanniskraut am Hof.

Bunte Mischung in den Gemüsebeeten

Garten Schleich

Auch in ihren Gemüsebeeten setzt Schleich auf bunte Vielfalt: Neben herkömmlichen Gemüsen baut sie dort auch weniger bekannte Arten wie Hirse, Leindotter oder Linsen an. Quinoa oder Amaranth findet man dort ebenfalls, genauso wie Erdbeerspinat, bei dem man nicht nur die Blätter, sondern auch die Beeren essen kann. Auch Pastinaken kultiviert sie gerne – sie sind problemlos im Anbau und wachsen gut. Einige der Pflanzen pflanzt sie weniger, weil sie eine reiche Ernte versprechen, sondern mehr als optische Zierde im Gemüsebeet wie beispielsweise Amaranth oder Tellerlinsen. Die Bäuerin wollte sie einfach mal als Pflanze sehen, die Ernte wäre ihr aber zu arbeitsintensiv. Auch ein Rettich darf stehen bleiben und blühen. Durch diese Experimente bringt sie Farbe und Abwechslung ins Gemüsebeet und schafft damit einen Platz, der sie mit frischem Obst und Gemüse versorgt, aber bei ihr auch für viel Freude sorgt.

Für eine bunte Mischung aus Farben und Formen hat sich das Paar auch bei der Auswahl der Steine für das Pflaster und der Trittsteine im Garten entschieden: „Die Steine haben wir bei der Auflösung eines Garten- und Landschaftsbaubetriebes günstig bekommen“, erzählt die Bäuerin. Niemand anders hatte Interesse an so vielen unterschiedlichen Steinen. Doch die Schleichs verlegten in ihrem Innenhof Stein um Stein, was noch etwas arbeitsaufwendiger wurde, weil die Formate und Höhen der Pflastersteine sehr unterschiedlich waren. Auf diese Weise entstand aber ein ansprechendes und individuelles Muster im Innenhof. Die Gartlerin ist sich sicher: „Das passt viel besser zu unserem Hof als es je eine einzelne Sorte getan hätte.“ Mit dem Pflaster im Innenhof harmonieren auch die Trittsteine, die in geschwungenen Pfaden durch die Beete führen.

Lebensraum für Insekten schaffen

Der Bäuerin ist es auch wichtig, im Garten einen Lebensraum für Amphibien und Insekten zu schaffen. Wenn sich Gelegenheiten ergeben, nutzt sie diese, um Bienentrachtpflanzen auszusäen. „Wir haben zum Beispiel die Böschung des Baches nach Überschwemmungen wieder hergerichtet“, beschreibt sie. Auf dem neuen Boden säte sie kurzerhand Bienenweide aus. Inzwischen hat die Natur die Fläche zwar wieder zurückerobert, aber laut der Gartlerin ergeben sich dafür auch wieder neue, passende Orte.
Weil ihr Mann Ferdinand die Gartenleidenschaft seiner Frau kennt, hat er ihr ein besonderes Geschenk gemacht, einen „Dauerblumenstrauß“ wie es Schleich nennt. Nicht weit vom Hof am Waldrand wurde eine Naturwiese geschaffen, die nur einmal im Jahr gemäht wird. Die Bäuerin ist jedes Mal aufs Neue überrascht, was dort im Laufe der Zeit an Pflanzen gewachsen ist und wächst, wie Kuckuckslichtnelke, Knabenkraut, Johanniskraut, Zittergras oder Trollblume und Wiesenknopf, um nur einige zu nennen. „Jedes Jahr sieht die Wiese ein bisschen anders aus und jedes Jahr kommen neue Pflanzen hinzu“, freut sie sich über die Vielfalt.
Für Veronika Schleich ist der Garten ein Platz, an dem sie ihre Kreativität ausleben und sich dadurch erholen kann. Und so ist der Spruch „Wenn ich einmal grantig bin, schickt’s mich in den Garten hin“ ein geflügeltes Wort auf dem Hopser Hof geworden. Anja Kersten
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