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Kompost

Die Natur kennt keinen Abfall

Kompost-umsetzen
Ulrike Windsperger
am
02.11.2018

Kompostieren ist genial: Aus organischen Abfällen wie Laub, Biomüll oder Strauchschnitt wird kostenlos neue Erde, die Pflanzen düngt und die Bodenstruktur verbessert. Genug Gründe, einen Kompost anzulegen.

Kuechenabfaelle

Im Frühjahr und Herbst findet auf den Wertstoffhöfen und in den Kompostieranlagen ein riesiges Gedränge statt. Gartenbesitzer entledigen sich ihrer Strauch- und Baumschnitte, herausgerissenen Pflanzen und riesigen Laubberge. Aber genau diese „Abfälle“ sind der wirkliche Schatz eines Gärtners oder einer Gärtnerin. Der Name „Wertstoffhof“ drückt schon aus, wozu diese Gartenabfälle werden – zu Kompost, einem Wertstoff.

Gesteinsmehl

Leider wird allzu viel aus dem Garten entfernt, man entledigt sich der Gartenabfälle, weil sie als unnütz oder lästig erachtet werden. Dabei trifft der Ausspruch „Die Natur kennt keine Abfälle“ auf diese Materialien ganz besonders zu. Denn in allen Pflanzenteilen sind kostbare Stoffe gespeichert, die mit nur wenig Zutun wieder zu wertvollem Dünger werden. Mit eigenem Kompost kann man viel Geld sparen und vermeiden, dass durch gekaufte Erde Fremdstoffe in den Garten kommen und Probleme verursachen. Spätestens jetzt im Herbst ist der Zeitpunkt, wo sich mit den Garten- und anderen biologischen Abfällen ein Kompost aufbauen lässt.

Was wird kompostiert und was besser nicht?

Material
Grundsätzlich dürfen alle biologischen Küchen- und Gartenabfälle, Kaffeesatz, Teeblätter sowie angefaultes Obst oder Gemüse und Eierschalen auf den Kompost. Ratten werden übrigens nicht von diesen pflanzlichen Küchenabfällen angelockt. Auch Eierkartons ohne Glanzpapier, Laub, Holzhäcksel, frische Zweige und Astabschnitte kann man kompostieren. Ebenfalls verwerten kann man Pflanzenabfälle aus dem Garten, auch wenn sie von Mehltau, Rost oder Sternrußtau befallen sind.
Kompost
Nicht auf den Kompost dürfen gekochte Essensreste, Fleisch, Brot und Käse. Diese Lebensmittel locken Ratten an und sind deshalb tabu – außer man hat einen geschlossenen Komposter. Auch Staubsaugerbeutel, Kleintierstreu, Windeln, Buntpapier, Illustrierte, Restmüll oder Straßenkehricht sollten keinesfalls auf den Kompost gegeben werden. Thujen- und Eibenabschnitte gehören ebenfalls nicht auf den Kompost. Sie sind nicht verträglich mit anderen Pflanzen, deshalb werden die Äste wieder als Mulchmaterial unter die Eiben oder Thujen gelegt. Ebenfalls nicht kompostiert werden sollten Pflanzenteile, die von Viruserkrankungen befallen wurden sowie Pflanzenteile mit ansteckenden Krankheiten wie Monilia oder meldepflichtigen Krankheiten wie Feuerbrand. Auch Kohlarten mit Wurzelverdickungen, was auf einen Befall mit Kohlhernie hindeutet, werden in der Biotonne entsorgt.

Ein schattiger und geschützter Standort

Der Kompostplatz sollte möglichst nah am Haus liegen, damit er schnell und einfach zu erreichen ist. Probleme mit Geruchsbelästigung entstehen übrigens nur, wenn fehlerhaft kompostiert wird. Der Kompost benötigt einen schattigen und windgeschützten Standort auf ebenem Boden. Außerdem sollte die Kompostmiete direkten Bodenkontakt haben, damit Bakterien, Bodenlebewesen und Regenwürmer unmittelbaren Zugang haben. Offene Systeme wie zum Beispiel Gitter- oder Drahtkomposter, schützt man unbedingt vor Wind. Der Kompost trocknet sonst zu leicht aus und die Mikroorganismen stellen damit ihre Arbeit ein, wodurch der Kompostiervorgang unterbrochen wird. Eine Hecke könnte hier einen guten Windschutz bieten.
Passende Kompostplätze sind auch in der Nähe von großen Bäumen, denn ihre Krone spendet Schatten. Ungünstig ist es jedoch, wenn ein Kompost direkt unter einem Baum angelegt wird. Der Wurzelbereich wird in diesem Fall von den Pflanzensäften ständig gedüngt, sodass eine Überdüngung des Baumes die Folge ist.

Aufbau und Pflege
des Komposts

Sobald der passende Platz ausgewählt und vorbereitet ist und man sich für einen Komposter entschieden hat, kann man mit der Schichtung beginnen.
  • Unterlage: Beim Aufbau eines Komposts ist zu beachten, dass die unterste Lage besonders locker ist. Sie besteht entweder aus einer dicken Schicht Holzhäcksel, Stroh oder einer trockenen Heuschicht und kleinen Zweigen. Dazwischen kann genügend Luftaustausch stattfinden, diese unterste Schicht kann Pflanzensäfte aufnehmen und verringert Fäulnis. Sie sollte wenigstens 15 bis 30 cm hoch sein.
  • Für alle weiteren Schichten gilt: Je vielfältiger die Zusammensetzung der Materialien ist, desto besser wird auch das Ergebnis des Komposts. Es gilt, das ideale Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff auszubalancieren. Auf die konkreten Materialien bezogen heißt dies: 80 % des Kompostes sollten feuchter Grasschnitt oder Küchen- oder Gartenabfälle sein und 20 % Holz, Äste oder Grüngut. Gerade wenn man größere Mengen eines Materials auf den Kompost ausbringen möchte, sollte man das passende Mischverhältnis nicht aus den Augen verlieren. Wenn passende Abfälle nicht zur gleichen Zeit anfallen, sollte man dies schon vorbeugend planen und zum Beispiel Strauchschnitt sammeln, der dann mit Rasenschnitt gemischt werden kann.
  • Zusätze: Um eine gute Kompostierung zu erzielen, kann man außerdem Gesteinsmehl oder Betonit, alten Kompost, Erde oder Kompostbeschleuniger zusetzen. Auch hier gilt: Je vielfältiger die Zusammensetzung, desto besser das Ergebnis.
Während seiner Reifezeit sollte der Kompost nie austrocknen und auch nicht Wind und Wetter ausgesetzt, sondern am besten abgedeckt sein. Wer kontinuierlich kompostieren möchte, legt am besten zwei Kompostmieten im Garten an. Während also eine über viele Monate aufgesetzte Kompostmiete ruht und reift, wird eine zweite Miete mit Bioabfall bestückt und entsprechend aufgebaut. Liegen die Mieten direkt nebeneinander und sind zum Beispiel nur mit Lochziegelsteinen oder Brettern voneinander getrennt, können die wichtigen Kompostmitarbeiter wie Laufkäfer, Asseln, Springschwänze in die neue Miete umziehen und dort ihre Arbeit weiterführen.

Wann kann man den Kompost verwenden?

Wie lange es dauert, bis der Kompost reif ist, hängt stark von seiner Zusammensetzung ab. Der Reifeprozess ist außerdem von System zu System unterschiedlich. Bei offenen Systemen benötigt das Material mehr als zwei Jahre, bis es vollständig zersetzt ist.
Reifen Kompost erkennt man daran, dass er dunkel und leicht krümelig ist. Alle groben Bestandteile sind aufgelöst. Wer den Reifegrad prüfen will, kann den Kressetest machen: Dafür füllt man den Kompost in eine flache Schale und feuchtet ihn mit Wasser an. Anschließend sät man Kressesamen darauf aus und stellt die Schale an einen hellen Platz ohne direkte Sonne. Nach drei bis vier Tagen haben die meisten Samen gekeimt. Sind die Blättchen saftig-grün, ist der Kompost reif und pflanzenverträglich. Verfärben sie sich jedoch gelb oder braun, dann ist der Kompost noch nicht fertig und sollte nicht ausgebracht werden. Wird unreifer, nicht fertig durchkompostierter Kompost in die Beete ausgebracht, lockt der Geruch selbst noch die Nacktschnecken der Nachbarn an.
Erfahrungsgemäß entsteht in den äußeren Bereichen und in den Ecken des Komposts keine besonders große Wärme, so dass die Materialien hier langsamer zersetzt werden. Wenn man den Haufen nicht regelmäßig umsetzt, bleiben in diesen Bereichen vor allem dicke und holzige Anteile wie Zweige oder Aststücke bestehen. Häufig machen sich Gärtner deshalb die Arbeit, den Kompost nach der Ernte durchzusieben. Dies ist jedoch nicht unbedingt nötig. Wird der reife Kompost geerntet und damit die bestehende Kompostmiete umgeschichtet, kann man die holzigen, nicht zersetzten Teile einfach grob aussortieren und zurück auf den Haufen geben.

Die häufigsten Probleme beim Kompostieren

Die meisten Probleme entstehen im Kompost, wenn die nötige Wärme für die Zersetzung des Materials fehlt. Dies kann viele verschiedene Gründe haben. Außerdem sollte man bedenken, dass alle tierischen Helfer sowie die Mikroorganismen für die Zersetzung der Materialien auf dem Kompost, aber auch für den eigenen Stoffwechsel Feuchtigkeit, Sauerstoff, Stickstoff und andere Nährstoffe benötigen.

  • Kompost ist zu nass
  • Einen zu feuchten Kompost erkennt man meist schnell an seinem Geruch. Riecht er unangenehm muffig, fehlt den Organismen Sauerstoff und Fäulnis entsteht. Jeder Kompost muss „atmen“ können. Wenn man den Kompost in die Hand nimmt und zusammendrückt, soll er nicht tropfen, sondern sich wie ein feuchter Schwamm anfühlen. Ist er zu feucht, kann man zwischen die nassen Schichten Heu, Stroh oder Holzhäcksel mischen. Dazu gibt man Hornspäne oder Hornmehl, das ist für die Mikroorganismen und deren Arbeit von Vorteil. Gesteinsmehl mindert unangenehmen Geruch ab.

  • Kompost ist zu trocken
  • Ist der Kompost zu trocken, kann keine Zersetzung des Materials erfolgen. Das bemerkt man, wenn man den Prozess der Zersetzung regelmäßig prüft. Auch in diesem Fall fehlt die nötige Wärme. Vor allem bei offenen Komposthaufen, die an zu sonnigen oder windigen Standorten stehen, trifft dies häufig zu. Ein Signal kann auch sein, wenn auf der Oberfläche ein grauer Belag auftritt. Dieser ist aber unproblematisch und verschwindet wieder, wenn sich der Kompost erholt hat. Am besten wässert man das trockene Material dann mit einer Kräuterjauche, zum Beispiel aus Brennnesseln, oder übergießt es mit normalem Wasser. Man kann auch selbst einen Temperaturbeschleuniger herstellen: 300 g Zucker und 1 Würfel Hefe in 10 l Wasser bei etwa 35 °C lösen. Dieses gleichmäßig über den Komposthaufen gießen. Die Menge reicht für etwa 0,5 bis 1 m³.

    Wer zu viel trockenes oder verholztes Material eingebaut und zu wenig Garten- oder Küchenabfälle zugegeben hat, sollte den Komposthaufen besser nochmal neu aufsetzen. Dabei ist immer das Verhältnis von Grünabfällen (80 %) zu Holzanteilen (20 %) zu bedenken. Es ist wichtig, viele verschiedene Materialien in vielen Schichtungen einzufügen. Man kann auch tierischen Dung von Schafen oder Pferden in den Kompost einarbeiten. Dieser sorgt dafür, dass sich wieder höhere Temperaturen entwickeln.

    Vor- und Nachteile von verschiedenen Kompostern

    Es gibt sehr viele verschiedene Ansätze zu kompostieren. Manche Gärtner möchten nur einen Teil ihrer Gartenabfälle selbst verwerten und auf kleiner Fläche wenig Kompost produzieren. Andere versuchen, jegliches Material aus dem Garten auf großen Komposthaufen selbst zu verwerten. Für alle Gegebenheiten und Bedürfnisse gibt es Konzepte und auf dem Markt verschiedene Angebote.

  • Thermokomposter
  • Am häufigsten werden sogenannte Thermokomposter angeboten, die aus Kunststoff bestehen. Es handelt sich dabei um ein kübelähnliches, geschlossenes Modell mit Deckel, wodurch die Wärmeentwicklung begünstigt wird. Am Vorderteil des Bodens haben sie eine Klappe, aus der fertiger Kompost entnommen werden kann. Wenn man diese Systeme richtig befüllt, liefern sie oft schon nach wenigen Monaten fertigen Kompost. Sie sind platzsparend und verstecken das unordentliche und oftmals nicht ästhetische Pflanzenmaterial in ihrem Inneren. Thermokomposter sind aufgrund ihrer Größe eher für kleinere Mengen an Gemüse- und Gartenabfällen geeignet. Je nach gewünschter Größe sind sie nicht ganz billig. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Kompost zu wenig Feuchtigkeit und zu wenig Luftzufuhr hat.

  • Metallkomposter
  • Komposter aus Metallgitter oder Maschendraht eignen sich eher für Laub und grobe Abfälle wie Äste und Holz. Sie können auch als Zwischenlager für große Laubmengen genutzt werden. Aufgrund des großen Gitterquerschnitts entsteht im Inneren des Kompostes zu wenig Wärme, so dass die Rotte nicht gut beziehungsweise nur sehr langsam funktioniert. Offene Kompostsysteme müssen deshalb abgedeckt werden, sei es mit Folie, Vlies, altem Teppich, einer Decke oder Kartons. Die Abdeckung sorgt für einen guten Wärmehaushalt und dafür, dass Vögel die Kompostwürmer nicht schon zu ihrem Frühstück verzehren. Es ist außerdem günstig, wenn dieser Kompost unter einem Dach steht, damit bei Dauerregen nicht alle Nährstoffe ausgeschwemmt werden oder der Kompost zu feucht wird.

  • Komposter Marke Eigenbau
  • Für größere Mengen an Biomüll und Gartenabfällen eignen sich selbstgebaute Komposter am besten. Diese werden entweder mit Brettern aus beständigem Holz wie Lärchenholz oder mit Lochziegelsteinen errichtet, damit die Luftzufuhr gewährleistet ist. Praktisch ist es, wenn die vordere Brettseite abnehmbar ist, so dass der fertige Kompost problemlos entnommen werden kann. Eine günstige Größe ist 1 m Länge x 1 m Breite x 1 m Höhe. Wenn viele Gartenabfälle anfallen, werden entweder mehrere Kompostplätze oder auch Komposter mit größeren Maßen wie zum Beispiel 1,2 m Länge x 1,5 m Breite angelegt.

    Grundsätzlich kann man Garten- und Küchenabfälle an einem geeigneten Platz natürlich auch ohne jede Umrandung oder Einfassung in den Umwandlungsprozess bringen.

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