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Zweierlei Maß? Nur Spekulation

Schwalben
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
19.07.2018

Wie gefährlich ist Kerosin und wie gefährlich ist Glyphosat?

Sepp Kellerer

Am Dienstag dieser Woche war ich im Auto unterwegs und konnte so die Berichterstattung im Radio verfolgen. Ein Thema war das Ablassen von Kerosin durch Flugzeuge, wenn diese relativ kurz nach dem Start umkehren müssen und mit vollen Tanks zu schwer zum Landen sind. Anlass war ein konkreter Fall über Thannhausen im Landkreis Günzburg, wo mehrere Tonnen des Flugzeugtreibstoffs in die Luft gelangten.

Dass so etwas in Deutschland im Jahr etwa 20 Mal passiert und dass das bei gut drei Millionen Flugbewegungen ein verschwindend geringer Anteil sei, wurde erläutert. Und eine Studie aus dem Jahr 1997 sage aus, dass davon nichts auf den Boden komme und die Verdünnung so hoch sei, dass keine Reizungen durch das Kerosin entstünden. Später am Tag hieß es dann, dass maximal acht Prozent des Kerosins in Thannhausen auf den Boden gelangt seien und dass eine Studie im Laufen sei, die die Vorgänge beim Ablassen endgültig klären soll. In den vergangenen fünf Jahren wurden etwa 600 Tonnen Kerosin über Bayern versprüht. Insgesamt eine ziemlich sachliche an gesicherten Fakten orientierte Berichterstattung ohne marktschreierische Schlagzeilen.

Ich habe mir einmal die Gefahrstoffsymbole angesehen, mit denen das Flugbenzin gekennzeichnet ist: gesundheitsgefährdend, gesundheitsschädlich, umweltgefährdend, entzündlich. Ja ich weiß, man darf keine Äpfel mit Birnen vergleichen, aber Glyphosat hat nur zwei von diesen Symbolen. Und weil die Vergleichbarkeit nicht gegeben ist, will ich mir jetzt auch nicht ausmalen, wie die Berichterstattung ausgesehen hätte, wenn einem Landwirt bei der Queckenbekämpfung an der Feldspritze ein Schlauch geplatzt wäre und dabei, sagen wir mal, zwei Liter Spritzbrühe in die Luft geblasen worden wären.

Eine andere kleine Begebenheit aus dem Zug: Da hat eine Dame ihrer Bekannten oder Freundin erzählt, dass beim Frühstück auf der überdachten Terrasse plötzlich ein paar Schwalben über den Kopf gesaust seien, und dass sie das bisher nicht erlebt habe. Dass der eigene Garten so naturnah in Schuss ist, dass er vom allgemeinen Insektensterben verschont blieb und die Schwalben deshalb hier jagen, ist ein durchaus interessanter Erklärungsansatz. Es könnte aber auch sein, dass in einem Bauernhof in der Nähe junge Schwalben abgeflogen sind und den Garten als zusätzliches Jagdrevier entdeckt haben.

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