Login
Garten

Kleine Blaue ganz groß im Geschmack

Heidelbeeren
Claudia Beyrle
am
04.05.2017

München - Heidelbeeren schmecken großartig. Trotzdem ist das Naschobst noch in recht wenig Gärten vertreten, da es nur in sauren Böden wächst. Wir erklären, wie die Kultur im Garten auch ohne Bodenaustausch klappt.

Heidelbeeren im eigenen Garten anzubauen, liefert nur Vorteile und erfreut auf vielerlei Arten: Der wichtigste Grund sind natürlich die süßen Beeren, die, frisch von der Pflanze gepflückt, einfach unvergleichlich schmecken. Zudem sind die Sträucher mit ihren weißen Glockenblüten und der attraktiven Herbstfärbung der Blätter ein Blickfang. Nicht vergessen sollte man auch, dass die Heidelbeere ein echtes und sogar heimisches „Superfood“ ist, das weit besser schmeckt als andere Gesundheitsbeeren wie Goji oder Aronia. Es gibt nur einen Wermutstropfen: Heidelbeeren sind Moorbeetpflanzen und damit auf sauren Boden angewiesen. Wer jedoch einige Anbautipps beachtet, kann ohne viel zutun reichlich schmackhafte Früchte aus dem eigenen Garten ernten.

Kultur im Kübel

Kübel

Die beste Pflanzzeit für die Sträucher ist zwischen März und Mai, sobald der Boden frostfrei ist und keine starken Spätfröste mehr zu befürchten sind. Damit Heidelbeeren im Garten gut gedeihen und reichlich Früchte tragen, braucht es den richtigen Boden. Die Moorbeetpflanzen gedeihen nur auf humosen, sauren Böden mit einem pH-Wert (ungefähr 5). Wo ein solch niedriger pH-Wert im Garten nicht natürlich vorkommt, empfiehlt es sich, die Pflanzen im Kübel anzubauen. Beerenexpertin Roswitha Schemm aus Diespeck rät, pro Pflanze einen Kübel mit einem Fassungsvermögen von 40 bis 60 l einzuplanen, je nach Sorte (siehe Kasten unten). Preiswert sind beispielsweise große, runde Mörtelwannen. Ein großes Loch im Boden, das mit einem Stein oder einer Tonscherbe bedeckt wird, oder mehrere kleine Löcher sorgen für den notwendigen Wasserabzug. Eine dünne Schicht aus Steinen am Boden des Topfes bewirkt zudem eine gute Drainage, sie verhindern Staunässe und begünstigen die Durchlüftung der Erde. Hierbei sollte man spezielle Moorbeet- oder Rhododendronerde verwenden. Nach dem Einpflanzen erhält jeder Topf noch eine dünne Schicht Sägespäne von Nadelbäumen. Diese Schicht fördert das Bodenleben und wirkt sich positiv auf das Wachstum der Pflanzen und den Fruchtbehang aus. Zudem verhindert diese Mulchschicht schnelles Austrocknen der Erde, was dem Flachwurzler zugute kommt. Wer möchte, kann die Kübel auch im Beet versenken.  
Von einem Bodenaustausch im Beet rät Schemm ab. Abgesehen davon, dass er teuer ist, funktioniere er ihrer Erfahrung nach durch den ständigen Eintrag von kalkhaltigem Gießwasser sowieso nicht dauerhaft oder nur mit viel Aufwand.

Partner pflanzen

Die aufrecht wachsende Heidelbeere kann man im Kübel gut mit anderem Beerenobst ergänzen. Die Unterpflanzung eignet sich besser bei Kulturheidelbeeren, da diese höher wachsen als die Naturform. So kann man beispielsweise niedrig wachsende Sorten der Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) als immergrüne Bodendecker in den Topf pflanzen. Die Beerenexpertin schlägt hier die niedrige Sorte ‘Red Pearl’ vor, die gut verarbeitet werden kann.
Noch niedriger bleiben amerikanische Cranberrys (Vaccinium macrocarpon), die auch Großfrüchtige Moosbeere genannt werden. Auch mit ihnen kann man die Heidelbeersträucher unterpflanzen. Die Früchte der Cranberry sind milder als Preiselbeeren, aber doch etwas sauer, auch wenn sie reif sind. Auch mit kleinfruchtigen Erdbeeren kann man die Heidelbeeren im Kübel gut kombinieren.

Viel Sonne, viel Frucht

Die Kübel sollten im Garten im besten Fall einen sonnigen und windgeschützten Standort bekommen. Sie gedeihen auch an einem Plätzchen im Halbschatten, doch Roswitha Schemm bringt es auf den Punkt: „Viel Sonne, viel Frucht. Viel Schatten, viel Blatt“. Heidelbeeren sind zwar selbstfruchtbar, mehrere Pflanzen unterschiedlicher Sorten verbessern trotzdem den Ertrag.  
Während der Blüte und in der Erntezeit ist es wichtig, dass die Pflanzen ausreichend Feuchtigkeit bekommen. Regnet es zu wenig, sollte man gießen. Hierbei aber unbedingt darauf achten, dass man kein kalkhaltiges Leitungswasser, sondern gesammeltes Regenwasser verwendet. Gießt man mit kalkhaltigem Leitungswasser, führt das laut der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) langfristig an den Pflanzen zu Blattvergilbungen (Chlorosen). Auch im Winter brauchen Heidelbeeren immer wieder etwas Wasser. Deshalb sollten die Kübel auch in der kalten Jahreszeit im Freien stehen dürfen. Die oberirdischen Teile der Pflanzen sind frosthart, nur die Wurzel sollte geschützt werden. Sind die Kübel nicht im Boden versenkt, schützt man den Wurzelbereich mit Schilfmatten.

Düngung und Pflege

Schadbild Heidelbeere

Auch bei der Versorgung mit Nährstoffen werden nur sauer wirkende Dünger wie Rhododendren- oder Zitrusdünger verwendet. Weil Mist und Kompost meist zu viel Kalk enthalten, sollte man darauf komplett verzichten. In den ersten Jahren braucht man die langsam wachsende Heidelbeere nicht zu schneiden. Nur kranke, schwache oder beschädigte Triebe werden durch Ausbrechen entfernt. Nach vier bis fünf Jahren können alte Triebe ohne deutlichen Zuwachs über dem Boden abgeschnitten werden, dadurch wird die Pflanze verjüngt.
So hat man lange Freude an den Pflanzen, denn gesunde Heidelbeersträucher können laut der LWG bis zu 30 Jahre lang Früchte hervorbringen.

Sortenempfehlungen für Heidelbeer-Liebhaber

Kulturheidelbeere_Duke

Bei Heidelbeeren unterscheidet man zwischen Kulturheidelbeeren und Naturheidelbeeren. Von beiden Arten sind im Gartenfachhandel eine Auswahl von Sorten für den Hausgarten erhältlich.

  1. Naturheidelbeeren (Vaccinium myrrtilus) sind die in unseren Wäldern natürlich vorkommende Form der Heidelbeere. Sie wachsen strauchig, werden maximal 60 cm hoch und brauchen deshalb nur einen Kübel mit 40 l Fassungsvermögen. Ihre Früchte sind relativ klein, nur etwa so groß wie Erbsen. Sie können blaue Verfärbungen an den Fingern und im Mund hinterlassen, weil ihre Farbstoffe nicht fest ins Gewebe eingebunden sind. Daher kommt auch der Name Blaubeeren. Beliebt sind Naturheidelbeeren wegen ihres intensiven Geschmacks. Empfohlen werden die Sorten ‘Putte’ und ‘Emil’, die ab Juli reifen. Der Ertrag von Naturheidelbeeren ist geringer als der von Kulturheidelbeeren.
  2. Kulturheidelbeeren (Vaccinium corymbosum) sind in Nordamerika beheimatet. Sie sind großfruchtig, bilden also etwa doppelt so große Beeren wie die Naturform. Sorten der Kulturheidelbeere werden bei guter Nährstoffversorgung bis zu 1,6 m hoch und brauchen deshalb pro Pflanze einen Kübel mit einem Fassungsvermögen von 60 l. Frische Beeren haben helles Fruchtfleisch und färben nicht, da die Farbstoffe in der Schale eingeschlossen sind. Durch geschickte Sortenwahl kann man von Juli bis zum Frost Heidelbeeren ernten. Dafür reichen drei Sorten: ‘Duke’ als frühe Sorte, ‘Bluecrop’ als mittelfrühe Sorte und ‘Elisabeth’ als späte Sorte. Weitere empfehlenswerte Sorten sind ‘Patriot’ als besonders frostfeste Sorte (Reife früh bis mittel) und ‘Darrow’ als späte Sorte. An kühlen Standorten und in Höhenlagen kann es aber passieren, dass die Beeren der späten Sorten nicht mehr ausreifen. Übrigens reifen die Beeren nacheinander, so dass mehrere Erntegänge notwendig sind. Reif sind nur die Früchte, die sich leicht vom Stock lösen.
  3. Sibirische Blaubeeren (Lonicera kamtschatica), auch Maibeeren genannt, sind eine Alternative zu Heidelbeeren. Sie sind aber nicht mit ihr verwandt, sondern gehören zu der Gattung der Heckenkirschen. Ihr Anbau gelingt auch auf normalen und kalkhaltigen Gartenböden. Die bis 1,5 m hohen Sträucher sind robust und winterhart, ihre Blüte ist dekorativ. Geschmacklich ähneln sie der Heidelbeere, schmecken aber säuerlicher. Ihre Frucht hat auch eine ähnliche Farbe, sie ist aber nicht rund, sondern walzenförmig und größer. Die Früchte erscheinen ab Ende Mai und hängen an kurzen Stielen einzeln oder in kleinen Gruppen am Ast, was die Ernte etwas erschwert. Da auch Vögel Geschmack an den Beeren finden, kann man die Sträucher mit einem Netz schützen. Maibeeren sind zwar selbstfruchtend, doch der Anbau verschiedener Sorten erhöht den Ertrag.
Auch interessant