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Sammelleidenschaft

Im Reich der Fuchsien

Sophia Gottschaller
am
08.09.2016

Haidlfing - Schon als kleines Mädchen bewunderte Stilla Radspieler die Blüten von Fuchsien. Heute pflegt die Austragsbäuerin eine etwa 350 Sorten starke Sammlung, die
sie auf dem Hof im niederbayerischen Haidlfing liebevoll in Szene gesetzt hat.

Stilla Radspieler vor ihren Fuchsien

Im Garten von Stilla Radspieler blühen Fuchsien, über die man ins Staunen, ja ins Schwärmen gerät: Sorten mit orangeroten Blüten, lang und schmal wie Trompeten geformt, oder Fuchsien mit dunkelvioletten, gefüllten Blüten, die mit pinken Flammen durchzogen sind. Ebenso präsentieren sich dort rot­violette Blüten mit keck zurückgebogenen Kelchblättern in zart­rosa, aber auch Fuchsien, wie man sie kennt, einfach blühend und rosa-violett gefärbt.
Etwa 350 Sorten, manche auch in mehrfacher Ausführung, gedeihen momentan auf dem Hof im niederbayerischen Haidlfing (Lks. Dingol-fing-Landau), gezählt hat die Austragsbäuerin ihre Pflanzen aber schon länger nicht mehr. Und sie wachsen nicht nur aus Blumenampeln hängend, sondern auch als Hochstamm oder als Busch, sogar als kleine Pyramide. Auf die Frage, welche Sorte ihr nun die Liebste ist, antwortet Stilla Radspieler mit einem Schmunzeln: „Mir gefallen sie eigentlich alle.“ Eine typische Aussage von Sammlern.

Verein weckte die Sammelleidenschaft
Diese Begeisterung für Fuchsien kommt bei der Gartenbäuerin nicht von ungefähr: Schon ihre Mutter schmückte den Garten mit den Blühpflanzen und als kleines Mädchen bewunderte sie die Blüten. Die Leidenschaft zum Sammeln erwachte aber erst vor knapp 20 Jahren, als sie Mitglied im Verein der Fuchsienfreunde Niederbayern wurde. „Mit dem Verein kommt man herum, besucht Gärtnereien und andere Sammler. Da sieht man immer wieder neue Sorten und denkt sich ‚Die ist schön, die möchte ich auch haben‘ und irgendwann entsteht dann eine Sammlung“, beschreibt Radspieler.  
Doch die Austragsbäuerin hat nicht einfach eine Sammlung zusammengetragen, sie hat sich auch so einiges einfallen lassen, um ihre Prachtstücke gekonnt in Szene zu setzen. Das zeigt sich schon an der Einfahrt: Rechter Hand erwartet den Besucher ein farbenfrohes Blütenband aus Fuchsien, das in der Form beinahe einer niedrigen Hecke gleicht. Hier hat die Expertin an den sonnigen Standort angepasste Sorten ausgewählt. „Es stimmt nämlich nicht, dass es keine Fuchsien für die volle Sonne gibt“, erklärt sie. „Aber man muss halt aufpassen, dass man die richtigen aussucht.“ Grundsätzlich eignen sich für die volle Sonne viele der Triphylla-Hybriden mit den ungewöhnlich länglichen Blüten. „Passende Sorten sind zum
Beispiel ­‘Insulinde’, ­‘Traudchen Bon-stedt’ oder ‘Herps Bazuin’“, zählt Radspieler beim Rundgang auswendig auf. Aber auch Sorten mit einfachen Blütenformen wie ‘Tangerine’ oder ‘Jens Weißflog’ gedeihen gut in der Sonne.

Fuchsien stehen im Garten Spalier
Eine weitere originelle Formation findet sich, hinter einer Hecke und einigen Obstbäumen verborgen, links neben der Einfahrt. Dort erstreckt sich im Wechselspiel von Sonne und Halbschatten ein gepflasterter Halbkreis mit strahlenförmigen Beeten und Wegen dazwischen. Die halbhohen Fuchsien wachsen dort wie an einem frei stehenden Spalier, gestützt durch Draht und Pfosten. Bei dieser Formation, die Pflegearbeiten wie das Ausbrechen welker Blüten und Blätter erleichtert, ging der Austragsbäuerin ihr Mann Anton tatkräftig zur Hand. Selbstverständlich sind auch hier die Sorten auf den Standort abgestimmt: Es gedeihen viele einfache, halbgefüllte und gefüllte Sorten wie ‘Pink Galore’, ‘New Fascination’ und ‘John Marsh’ sowie ‘Edeltraud Gloßner’, ‘Schloss Hexenagger’ oder ‘Ad van Heyst’.
Doch den richtigen Standort für die Fuchsien zu finden, gestaltet sich gar nicht so leicht, wie Stilla Radspieler schildert: „Jede Sorte ist anders und hat ganz spezielle Ansprüche. Und jedes Jahr ist die Witterung wieder anders. Man muss die Pflanzen ganz genau beobachten und dann den passenden Platz für sie finden!“  Trotzdem hat man das Gedeihen der Fuchsien nicht immer in der Hand. Manchmal, wie im letzten Jahr, ist der Sommer zu heiß und einige Exemplare überleben nicht. Manchmal reißt der Wind ganze Äste von groß gewachsenen Pflanzen ab. Deshalb nimmt die Sammlerin zum Ende des Winters immer wieder Stecklinge von den besonderen Sorten und zieht sie hinter dem Haus zu neuen Hochstämmchen und Büschen.

Gärtnern mit Staffelei und Betonmischer
Besonders auffällig ist, dass die Pflanzen nicht direkt im Boden wachsen, sondern samt ihrem Topf eingesenkt sind. Nur der Rand schaut noch heraus. „So kann ich die Töpfe im Herbst ausgraben und einwintern. Außerdem wachsen die Wurzeln durch die Abzugslöcher in die Erde und versorgen die Pflanze mit Nährstoffen“, erklärt die Gartenbäuerin das System. Ungewöhnlich ist auch, dass alle abgesenkten Fuchsien automatisch bewässert werden. „Wenn man so viele Pflanzen hat, kann man das kaum mehr anders regeln“, meint die Gartenbäuerin. „Jeder Sammler hat sich da über die Jahre seine Methoden angeeignet.“
Und deshalb gehören nebst gängigen Gartengeräten auch noch eine Staffelei zum Entspitzen der Triebe von Hochstämmchen, ein Gabelstapler zum Einwintern der schweren Töpfe und ein Ventilator im Gewächshaus zu ihrem Standard-Repertoire. Zum Vermengen der Erde für die Töpfe darf außerdem ein Betonmischer nicht fehlen.  
So kreativ Stilla Radspieler bei der Wahl ihrer Garten- und Pflegegeräte ist, so flexibel denkt sie auch in die Zukunft: „Freilich ist mir klar, dass ich diese große Sammlung nicht ewig behalten kann“. Aber dafür hat sie schon eine Lösung parat: winterharte Fuchsien. Diese Sorten können über den Winter im Freien bleiben und man erspart sich dadurch das aufwendige Einwintern. „Mit winterharten Fuchsien habe ich noch nicht so viel Erfahrung, aber es juckt mich, immer wieder einmal was Neues auszuprobieren“, meint die Austragsbäuerin vergnügt.

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