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Gärten in Slowenien

Über den Zaun geschaut

Sophia Gottschaller
am
06.10.2016

München - Wie sehen Gärten in Slowenien aus? Mit dieser Frage hat sich Garten-Redakteurin Sophia Gottschaller beschäftigt und vier slowenische Bäuerinnen besucht.

Lebendiger Wandschmuck

Wie sehen Gärten in Slowenien aus? Mit dieser Frage hat sich Garten-Redakteurin Sophia Gottschaller beschäftigt und vier slowenische Bäuerinnen besucht.
Oft sind es, zumindest was andere Länder betrifft, die mehr oder weniger unmittelbaren Nachbarn, über die man am wenigsten weiß. Paradebeispiel ist das Land Slowenien, das gerade mal 200 Kilometer von der südlichen Grenze Bayerns entfernt liegt. Weil man ein Land meistens am besten durch seine Menschen kennenlernt, war es naheliegend einen Blick über vier slowenische Gartenzäune zu werfen und Bäuerinnen und ihre Gärten im nördlichen Teil des Landes zu besuchen.
Im Bezug auf die Pflanzen, die die Bäuerinnen dort in ihren Gärten anbauen, gibt es wenig Unterschiede zu Bayern, da sich die nördliche Region Sloweniens klimatisch nicht nennenswert vom Freistaat unterscheidet. Auffällig sind aber die kleinen Gemüsegärten, die nicht selten gesondert von den Häusern auf der anderen Straßenseite mitten im Rasen liegen, oft ohne Zaun. Diese konnte man nicht nur auf dem Land bei fast jedem Haus, sondern auch in Kleinstädten vor den Wohnblöcken entdecken. Wie weit die deutsche Sprache in andere Länder reicht, machte eine slowenische Landschaftsarchitektin deutlich, als sie erzählte, dass diese kleinen Gärten, zumindest im nördlichen Teil Sloweniens, „Gartlc“ genannt werden.
Interessant war auch zu erfahren, dass die Gärten am Hof hauptsächlich zur Versorgung der Familie mit Gemüse dienen, reine Ziergärten sind eine Seltenheit. Außerdem nutzen viele slowenische Bäuerinnen ihren Garten und ihr Wissen über Pflanzen dazu, um ein Zusatzeinkommen zu verdienen. Zum Beispiel, indem sie Gemüse aus dem Garten verkaufen, ihr Hobby zum Beruf machen oder ihr Wissen über Pflanzen anderweitig anwenden.

Neues probieren, Altes erhalten

Familie

Monika und Gregor Šlibar kombinieren im Garten alt Bewährtes mit neuen Ideen

Bunt leuchtende Blüten von Geranien, Fuchsien und Zinnien, in Kübeln und Trögen ansprechend arrangiert und aufgehellt durch Büschel weißen Schleierkrautes – mit solch einem freundlichen Anblick wird man auf dem Biohof von Monika und Gregor Šlibar in Tržič empfangen. Selbst die Fenster des neuen Bauernhauses zieren Blumen, obwohl das Haus mit seinen Erkern und dem von Säulen umrahmten Eingang schon für sich ein Schmuckstück ist. „Wir haben bei der Planung viele Elemente von meinem alten Elternhaus übernommen, das war uns wichtig“, erklärt der Bauer die Architektur.
Alt Bewährtes will das Paar auch im Garten erhalten, trotzdem probieren sie mit Vorliebe neue Ideen aus. So müssen die alten, maroden Birnbäume zwar neuen Pflanzen weichen, damit die alten Sorten aber nicht verloren gehen, werden sie auf die jungen Bäume veredelt. Für einen ganz neuen Geschmack im Obstgarten sollen dagegen Nashi-Birnen sorgen.  
Auch im Gemüsegarten wird mit neuen Anbaumethoden experimentiert: So zeigt ein erster Versuch mit Beeten aus Strohballen bereits Früchte in Form von kleinen Salatköpfen. Doch die Bäuerin ist mit dem Ergebnis noch nicht ganz zufrieden. „Vielleicht haben wir das Stroh zu wenig gegossen“, mutmaßt sie. Damit die achtköpfige Familie, die sich weitgehend selbst versorgt, trotz der Experimente noch genügend Gemüse ernten kann, stehen im Garten ein Dutzend Hochbeete. Diese sind mit Rundhölzern eingefasst und ein wahrer Blickfang. „Da haben dann auch die Schnecken keine Chance mehr“, schmunzelt Monika Šlibar.
Mit viel Liebe zum Detail sind auch die kleinen Holzhütten im Garten gestaltet, in welchen die Familie Urlaubsgäste auf ihrem Bauernhof empfängt. Ihre eigenen Produkte wie Polenta und Graupen, aber auch selbst gebrautes Bio-Bier sowie Erzeugnisse von anderen Landwirten verkaufen sie im originell eingerichteten Hofladen.SG

Schmuck für Haus und Hof

Monika Mohar im Garten

Monika Mohar schmückt Haus und Hof mit Zierpflanzen in Töpfen und Kübeln.

Sie schätzt dabei Pflanzen, die Struktur geben – am besten auch im Winter.
Wie kann man mit wenig Aufwand und durch geschmackvolle Arrangements aus Pflanzen Haus und Hof verschönern? Diese Frage beantwortet Monika Mohar als Journalistin in einer slowenischen Landwirtschaftszeitung. Selbstverständlich setzt die quirlige Bäuerin ihre Ideen auch selbst auf ihrem Hof in Medvode um, den sie zusammen mit ihrem Mann und den Schwiegereltern bewirtschaftet.
Gerne kombiniert sie Pflanzen, die gerade im Trend liegen, mit bewährten Arten und Sorten. So schmücken die strukturgebenden Blätter der Süßkartoffel neben nostalgischen Fuchsien und orangefarbenen Gewürztagetes die Balkonkästen in den Fenstern des Carports. Doch auch die silbrigen Blätter des Silber-Greiskrauts oder die Blätter der Purpurglöckchen, die wie von Adern durchzogen wirken, haben es ihr angetan. „Überhaupt mag ich Pflanzen, die meinem Garten Struktur geben und die am besten auch noch im Winter gut aussehen“, erzählt Monika Mohar. Deshalb setzt sie in ihrem Schattenbeet neben Funkien und Steinbrech auf Gräser wie das Zwerg-Lampenputzergras mit flauschigen Wedeln oder das rot leuchtende Blutgras. Auch eine Korkenzieherhasel mit ihren verdrehten Zweigen passt gut in das Konzept.  
Neben ihrer Tätigkeit als Journalistin verdient sich die Bäuerin ein Zusatzeinkommen mit dem Verkauf von Jungpflanzen. Diese erwirbt sie als Stecklinge und zieht sie im Garten im professionellen Gewächshaus groß. Außerdem hat sie ihre Leidenschaft für den Garten als Gartenarchitektin zum Beruf gemacht. Allerdings mit einem kleinen Unterschied zu vielen Planungsbüros: Wo dort die Umsetzung meist Gärtnereien übernehmen, bietet die Bäuerin ihren Kunden an, in deren Gärten gemeinsam die Ideen umzusetzen. „Ich genieße den Kontakt mit der Erde und begeistere meine Kunden für die Gartenarbeit“, freut sich Monika Mohar.

Die Welt der Kräuter

Tatjana Ladinek im Garten

Tatjana Ladinek gibt Kindern in einem öffentlichen Schaugarten ihr Wissen über Kräuter weiter

Durch meine Arbeit im Kräutergarten fühle ich mich selbstständig und lebendig“, erzählt Tatjana Ladinek begeistert von ihrer Tätigkeit. Die engagierte Bäuerin betreut in Prevalje seit etwa drei Jahren ehrenamtlich einen öffentlichen Schau- und Lehrgarten, der mit Mitteln der Europäischen Union finanziert wurde. Dort bepflanzt und pflegt sie die 22 kleinen Beete, in denen etwa 60 verschiedene Kräuter und Heilpflanzen wie Lavendel, Salbei und Basilikum oder Bohnenkraut, Minze und Schnittknoblauch wachsen. Der Schaugarten liegt auf einem kleinen Grundstück des örtlichen Imkereivereins. Deshalb leben dort in bunt bemalten Bienenstöcken einige Bienenvölker, die eifrig Pollen und Nektar der blühenden Pflanzen sammeln.
Ihr Wissen über Kräuter hat sich Tatjana Ladinek selbst angeeignet, zudem bekam sie Unterstützung von einer alten Frau, die sich schon lange mit Kräutern und deren Heilwirkung beschäftigt. Ein Lieblingskraut hat die Bäuerin zwar nicht, aber sie lobt die Vorzüge der Fetthenne: „Sie hilft gut gegen Insektenstiche. Man nimmt einfach ein dickes Blatt, bricht es auseinander und streicht das Gel auf den Stich. Das hilft sehr gut!“ Dieses Wissen gibt sie an Schulklassen und Kindergartengruppen weiter, die sie regelmäßig in dem Schaugarten besuchen. „Kinder lernen am liebsten, wenn sie an den Pflanzen riechen oder diese probieren dürfen“, erklärt Tatjana Ladinek ihr pädagogisches Konzept. Auch visuelle Anreize sind wichtig, deshalb ist jedes Kraut mit einem kleinen Schild versehen, auf welchem Name, Blütezeit und Blütenfarbe sowie die Eignung als Trachtpflanze für Bienen vermerkt sind. Neben den pädagogischen Tätigkeiten gehört auch die Pflege und Bepflanzung der Beete zu den Aufgaben. Die Jungpflanzen stammen von einem Institut für Kräuter aus Österreich, gedüngt wird spärlich mit Kompost.  
Mit den Kräutern hat sich die Bäuerin aber auch einen Zuerwerb geschaffen: Einen Teil der Pflanzen aus dem Schaugarten darf sie ernten und verwerten. Kombiniert mit Rohstoffen aus dem eigenen Garten und vom Hof, stellt sie daraus Seifen, Cremes und Tee, aber auch Tinkturen, Kräutersalz und Duftkissen her. Die Kissen näht die studierte Textildesignerin selbst, eine Eigenkreation ist auch ihr „Anti-Stress-Ball“, der mit Hafer und getrocknetem Lavendel gefüllt ist und beruhigend wirken soll. „Ich verkaufe meine Produkte auf Messen, in ausgewählten Läden und im Internet“, erzählt Tatjana Ladinek und freut sich, dass sie bei den Kunden gut ankommen.

Im Einklang mit der Natur

Silva Potonik im Garten

Silva Potocnik pflegt ihren Garten nach dem biologisch-dynamischen Ansatz

In den Beeten von Silva Potočnik wächst der Krautkopf in der Blumenrabatte, in guter Gesellschaft von Mangold, Minze und einem Apfelbaum. Auch Paprikastauden gedeihen zwischen Liebstöckel, Salat und Herbstanemonen. Diese wilden Mischungen im Garten sind kein Zufall, sondern gewollt. Denn der kleine Hof, den sie zusammen mit ihrem Mann Peter in Brezje bewirtschaftet, war der erste biologisch-dynamisch zertifizierte Betrieb in Slowenien. Nach dieser Überzeugung pflegt die Bäuerin auch ihren Garten. „Ich mag dieses naturbelassene Prinzip“, erzählt sie. „Es ist sehr gesund für Menschen und Tiere.“
Besonderen Wert legt Silva Potočnik darauf, ihr Saatgut selbst zu sammeln. Etwa 90 Prozent der Samen, die sie fürs nächste Jahr braucht, stammen von Pflanzen aus dem Garten. „Vieles sät sich bei mir auch einfach selbst aus und ich lasse es wachsen“, freut sich die Gärtnerin, die sich und ihre Familie weitgehend selbst mit Gemüse versorgt; was übrig bleibt, wird verkauft. Am Herzen liegen der Bäuerin neben dem Gemüse auch ihre Kräuter – etwa 80 verschiedene Arten wachsen im Garten. Im Sommer trocknet sie die Kräuter und andere Pflanzen in dem hölzernen Pavillon in der Hofmitte, den sie ihre Sommerküche nennt. „Viele Pflanzen sind gut für die Gesundheit“, betont Silva Potočnik und stellt deshalb aus ihnen Tees und Tinkturen her. Beispielsweise ein Tee aus den Blättern von Buchweizen soll die Durchblutung fördern.
Doch nicht nur für den Menschen, sondern auch für das Bodenleben sind Kräuter förderlich, ist sich die Bäuerin sicher. Deshalb setzt sie zur Düngung einen ganz speziellen Kompost aus einer Mischung von Kuhmist, Kamille, Brennnesseln, Löwenzahn, Schafgarbe und Eichenrinde an, den sie mit dem Saft von Baldrian spritzt.
Als Ersatz für chemische Spritzmittel verwendet die Gärtnerin ein natürliches Fungizid. Dieses stellt sie aus den getrockneten Blättern der Indianerbanane (Asimina triloba) her, die in der Rabatte neben der Hauswand wächst. Die getrockneten Blätter werden mit heißem Wasser übergossen, der Tee zieht 20 Minuten, und wird, wenn er vollständig abgekühlt ist, gespritzt. Mit diesem Mittel behandelt Silva Potočnik auch das Saatgut ihrer 100 Jahre alten, heimischen Maissorten ‘Bohinjka’ und ‘Trdinka’, die auf einem Acker etwa 500 m entfernt vom Grundstück wachsen.  
Ihre Leidenschaft für den Garten verbindet die tatkräftige Bäuerin gerne damit, Kindern die Vorgänge in der Natur anschaulich zu erklären. Seit 15 Jahren empfängt sie Schulklassen auf ihrem Hof, zeigt ihnen die Pflanzen im Garten und bäckt zusammen mit ihnen Brot.

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