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Verwachsungen

Vertraute Fremde im Garten

Isolde Keil-Vierheilig / Bayerische Gartenakademie
am
12.08.2016

München - Wie verdickte Blütenstände oder flach gedrückte Triebe an Pflanzen entstehen.

Wer aufmerksam durch den eigenen Garten geht, kann manchmal an Pflanzen ganz seltsame Verwachsungen feststellen: Eigenartig verdickte Blüten und Blütenstängel des Löwenzahns, bandartige Triebe bei Gurken, verkrümmte und flachbreite Zweige der Forsythie oder verbreiterte Blütenstände des Kandelaber-Ehrenpreises sind nur einige Auffälligkeiten bei unseren Kulturpflanzen, die ganz plötzlich auftreten und uns stutzen lassen.  
Bei einem solchen Phänomen handelt es sich um eine sogenannte Verbänderung, auch Fasziation genannt. Dieser Fachbegriff stammt vom lateinischen Wort „fascis“, zu deutsch Bündel. Es ist eine Wuchsanomalie bei Pflanzen, die man an allen Pflanzenteilen, also bei Blüten und Blütenständen, Wurzeln, Sprossachsen, Blättern und auch Früchten auffinden kann; sie treten bei krautigen und holzigen Pflanzen auf. Betroffene Pflanzenteile und Pflanzen werden häufig als Kammformen oder Cristaten bezeichnet. Das Wort „cristata“ im botanischen Namen der Pflanzen weist auf eine Verbänderung hin.
Für diese Verbänderungen gibt es verschiedene Auslöser: Es können Schädigungen durch Viren oder Bakterien sein, durch Pilzinfektionen, Milben oder Chemikalien. Auch spontane Mutationen durch Gendefekte treten auf, die durch extreme Hitze oder/und Trockenheit möglicherweise gefördert werden. Wer die Verbänderungen an den Pflanzen als störend empfindet, schneidet diese einfach weg.
Manche Pflanzen mit einem solchen „Makel“ sehen für uns normal aus, weil man sich die Verbänderung schon recht früh zu Nutze gemacht und als „neue“ Pflanze kultiviert hat. Durch vegetative Vermehrung (Stecklinge, Steckhölzer) konnten größere Mengen gezogen werden. Bekannt sind Kammformen bei sukkulenten Pflanzen wie Kakteen, zum Beispiel beim Felsenkaktus (Cereus peruvianus cristata) und Warzenkaktus (Mammillaria elongata cristata). Bei den Zierpflanzen findet man den Silber-Brandschopf (Celosia argenata). Bei der Kulturform var. cristata sind die knallfarbigen rot-, gelb-, pinkfarbenen Blüten wie ein Hahnenkamm verbändert. Bei den Gehölzen kennt man die Drachenweide (Salix sachalinensis) ‘Sekka’. Die breiten und flachen Triebe sind besonders im laublosen Zustand eine Augenweide und werden gerne von Floristen verwendet.

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