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BLW-Stammtisch

Bewusstsein schaffen!

BLW-Stammtisch auf dem ZLF
Anna Knon
am
21.09.2016

München - Wie gefährlich sind resistente Keime? Ist die Landwirtschaft schuld an der Zunahme von Resistenzen? Kann man sich mit Fleisch die „bösen“ Keime in die Küche holen? Am Wochenblatt-Stammtisch beim ZLF gab es die Antworten.

Es ist ein Alptraum: Jemand ist schwer krank und kein Antibiotikum hilft, weil die Krankheitserreger dagegen resistent sind. Wie Resistenzen entstehen und wie wir uns dagegen schützen können, beantworteten Prof. Ulrike Machold von der Hochschule Triesdorf, Ernährungsfachfrau Jutta Löbert und Dr. Andreas Randt vom TGD Bayern. Simon Michel-Berger, stellvertretender Wochenblatt-Chefredakteur moderierte die Podiumsdiskussion.
Die gute Botschaft gleich vorweg: Für gesunde Erwachsene stellen resistente Keime keine Gefahr dar. Zum Problem können sie aber für immungeschwächte Menschen werden, zum Beispiel für alte Menschen, Kleinkinder oder Schwangere. Dass man sich aber als Verbraucher gut vor dieser Gefahr schützen kann, erklärte Jutta Löbert. Das beginne bereits beim Einkauf einwandfreier Ware und dem Einhalten der Kühlkette beim Transport nach Hause sowie Sorgfalt bei der Lagerung im Kühlschrank. Bei der Verarbeitung gehe es dann darum, Keimvermehrung zu verhindern durch Sauberkeit beim Arbeiten, ausreichendem Erhitzen von Fleisch sowie regelmäßiges Händewaschen und Wechseln der Lappen und Geschirrtücher.
Beim Thema Fleisch hakte Dr. Andreas Randt ein: „Das Fleisch an sich ist nicht das Problem, es enthält wenig Keime; diese kommen erst beim Zerlege- und Verpackungsvorgang beziehungsweise dann in der Verarbeitung dazu. Das Problem ist also der Faktor Mensch!“ Randt erklärte aber auch, was Landwirte und Tiermediziner tun, um das Auftreten resistenter Keime zu verhindern: mehr Tierkomfort, um den Krankheitsdruck zu verringern sowie ganz gezielten Einsatz von Antibiotika. Randt: „In der Vergangenheit war der Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft viel höher, er wurde in den letzten Jahren um rund 40 Prozent heruntergefahren.“ Allerdings verwies er auf die Humanmedizin, wo seiner Meinung nach (zu) schnell Antibiotika verschrieben bzw. vom Patienten gefordert werden, weil man sich nicht mehr Zeit nehmen kann oder will fürs Kranksein. Speziell die so genannten Reserve-Antibiotika mit einem breiten Wirkungsspektrum können zur Bildung von Resistenzen beitragen, vor allem, wenn sie nicht vorschriftsgemäß eingenommen, sondern bereits nach dem Abklingen von Krankheitssymptomen abgesetzt werden.
Das bestätigte auch Prof. Ulrike Machold, die beim Antibiotika-Einsatz in der Humanmedizin noch viel Aufklärungsbedarf sieht. Sie zeigte andererseits auf, wie streng die Kontrollen in der Veterinärmedizin sind und entkräftete damit den Vorwurf, Tierärzte würden am Antibiotika-Verkauf verdienen (wollen).

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