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Schilddrüse

Klein aber oho!

Barbara Welsch
am
17.08.2017

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine häufige Hormonstörung bei älteren Hunden. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und das Wesen verändert sich.

Die Schilddrüse ist ein paariges Organ, das im Hals dicht am Kehlkopf anliegt. Eine gesunde Schilddrüse wiegt beim Hund im Schnitt nur eineinhalb Gramm und ist in der Regel weder sicht- noch tastbar. Trotz ihrer Winzigkeit reguliert sie über die Produktion der Schilddrüsenhormone den gesamten Organismus. Die Schilddrüsenhormone, insbesondere das Thyroxin (T4),

  • bringen den Stoffwechsel in Schwung,
  • steuern das Wachstum sowie die Erneuerung aller Körperzellen
  • haben auf fast alle Körperfunktionen von der Muskeltätigkeit bis hin zur Fortpflanzung großen Einfluss.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse oder einer Hypothyreose wird vor allem zu wenig Thyroxin gebildet. Der Thyroxinmangel hat weitreichende Folgen für den gesamten Organismus.
Die Hypothyreose ist eine häufige Hormonstörung bei Hunden. Die Krankheit tritt meist bei Tieren ab einem Alter von acht bis zehn Jahren in Erscheinung. Grundsätzlich können Hunde aller Rassen und Mischlinge an einer Hypothyreose leiden. Besonders häufig sind jedoch Tiere der Rassen  Airedale Terrier, Beagle, Bobtail, Border Collie, Boxer, Cocker Spaniel, Dackel, Dalmatiner, Deutscher Schäferhund, Dobermann, Golden Re­triever, Husky, Irish Setter, Labrador, Samojeden und deren Mischlinge betroffen.  Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kommt es zu einer Verlangsamung des gesamten Stoffwechsels und zu psychischen Veränderungen. Eine Kropfbildung bei Hypothyreose kommt beim Hund in der Regel nicht vor.

 

Vielfältige Ursachen

Die Ursachen für eine Unterfunktion der Schilddrüse sind vielfältig. In seltenen Fällen ist die Hypothyreose angeboren. Betroffene Welpen sind häufig nicht lebensfähig und sterben vor der Geburt. Andere bleiben in der Entwicklung weit hinter ihren Wurfgeschwistern zurück. Beim ausgewachsenen Hund können Tumoren der Schilddrüse sowie Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse eine Hypothyreose hervorrufen. Bestimmte Medikamente oder auch schwere Erkrankungen führen gelegentlich zu einer Unterfunktion der eigentlich gesunden Schilddrüse. Man nennt dieses Phänomen  beim Hund „Euthyroid-Sick-Syndrom“.
Meistens ist die Unterfunktion der Schilddrüse beim Hund jedoch die Folge einer schleichenden, autoimmunen Entzündung des Drüsengewebes. Dabei greifen die körpereigenen Abwehrzellen scheinbar grundlos die Drüsenzellen an und zerstören sie. Wenn dabei drei Viertel des Drüsengewebes zerstört wird, kann nicht mehr genügend Thyroxin gebildet werden.
 

Weitreichende Folgen

Erkrankte Hunde sind häufig müde, lustlos, leistungsschwach und wärmebedürftig. Sie neigen zu Gewichtszunahme. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion lagern die Gewebe vermehrt Flüssigkeit ein und quellen auf, man nennt dies auch Ödematisierung der Gewebe. Dadurch wirkt die Haut betroffener Hunde häufig dick, teigig und fühlt sich kühl an. Im Gesicht kann das aufgequollene Gewebe den Eindruck eines „traurigen“ Gesichtsausdrucks hervorrufen.

 

Besonders auffällig sind jedoch die Veränderungen des Haarkleids. Das Fell wirkt stumpf und glanzlos. Häufig kommt es zu Haarausfall, insbesondere am Schwanz, ein kahler Rattenschwanz kann die Folge sein. Die Hunde sind für Haut- und Ohrinfektionen besonders anfällig und leiden häufiger darunter als Tiere mit normaler Schilddrüsenfunktion. Infolge des gedrosselten Stoffwechsels verlangsamt sich auch der Herzschlag und es kann zu Verdauungsstörungen kommen.  Bei Rüden können die Hoden schrumpfen und bei Hündinnen die Läufigkeit ausbleiben.

Auch Verhaltensänderungen wie allgemeine Ängstlichkeit, Geräusch- oder Trennungsangst sowie Aggressivität können von einer Unterfunktion der Schilddrüse ausgelöst werden.

Meist treten nicht alle Symptome zusammen und schon gar nicht gleichzeitig auf. Viele Veränderungen sind anfangs kaum merklich und schreiten schleichend fort. Wichtig ist, Verhaltensänderungen wie mangelnde Bewegungsfreude oder Antriebslosigkeit nicht automatisch dem Alterungsprozess des Hundes zuzuschreiben, sondern immer auch an mögliche Erkrankungen wie die Hypothyreose aber beispielsweise auch schmerzhafte Arthrosen, Nierenleiden oder Herzschwäche zu denken und den Hund bei nächster Gelegenheit tierärztlich untersuchen zu lassen.

Diagnose und Therapie

Hunde mit Schilddrüsenunterfunktion sind häufig müde.

Bei dem beschriebenen Krankheitsbild tippen die meisten Tierärzte sehr rasch auf eine Hormonstörung. Doch eine sichere Diagnose lässt sich nur nach verschiedenen gezielten Bluttests stellen. Es reicht beispielsweise nicht aus, nur den Thyroxin-Gehalt im Blut zu messen, weil Hormonwerte natürlichen Schwankungen unterliegen. Wissenschaftler haben darüber hinaus festgestellt, dass es sogar Rasseunterschiede bei den Thyroxin-Normal-Werten gibt. So liegen die Thyroxin-Werte beim Saluki im Vergleich zu anderen Rassen im Blut weit niedriger, ohne dass die Windhunde an einer Unterfunktion der Schilddrüse leiden. Erst in der Kombination mit anderen Tests wie beispielsweise der Messung des TSH-Werts (TSH=Thyreoidea-stimulierendes Hormon) bekommen die Ergebnisse der Thyroxin-Tests daher Aussagekraft.
So schwierig die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion manchmal sein mag, so einfach ist glücklicherweise die Therapie. Da zerstörtes Schilddrüsengewebe nicht nachwächst, benötigt der Hund lebenslang Thyroxin in Tablettenform oder als Saft. In der Regel werden die Medikamente sehr gut vertragen. Es kann allerdings etwas dauern, bis der Tierarzt die individuell richtige Dosis herausfindet. Ist die richtige Dosis gefunden, gewinnt der Vierbeiner innerhalb weniger Tage seine alte Lebensfreude zurück.
Hat die Unterfunktion schon etwas länger bestanden und körperliche Veränderungen hervorgerufen, können begleitende Therapiemaßnahmen nötig werden, damit das Tier wieder zur alten Form zurückfindet. Infektionen, Kreislaufprobleme oder Verdauungsbeschwerden gehören dabei in tierärztliche Behandlung.
Dem natürlichen Haarzyklus entsprechend brauchen kahle Stellen im Fell mindestens sechs Wochen bis sie wieder von Haaren bedeckt werden. Je nach individuellen Felleigenschaften können bis zu sechs Monate vergehen, bis die Stellen nicht mehr vom restlichen Haarkleid zu unterscheiden sind. Unter Umständen können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel vom Tierarzt das Nachwachsen eines gesunden und kräftigen Haarkleides unterstützen – beschleunigen können sie es nicht.

Um Jahre verjüngt

Wenn der Hund in der Zeit des Thyroxinmangels stark zugenommen hat, sollte er eine Diät machen. Von Radikaldiäten ist hierbei jedoch gerade bei einem Hund, der wegen einer Schilddrüsenunterfunktion in Behandlung ist, dringend abzuraten. Am besten bespricht man den Diätplan mit dem Tierarzt und lässt den Diätfortschritt regelmäßig tierärztlich kontrollieren. Damit der Hund nicht zu viel Muskelmasse während der Diät verliert, sollte man die Muskulatur in dieser Zeit durch ein gezieltes Training fördern und aufbauen. Dabei darf der Hund – auch aufgrund des erhöhten Verletzungsrisikos durch den mangelhaften Trainingszustand – nicht überfordert werden. Bei regelmäßiger Tablettengabe, konsequenter Diät und ausgewogenem Training ist der Vierbeiner rasch wieder fit und wirkt um Jahre verjüngt.

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