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Fürsorge

Wer krank ist, gehört ins Bett

Pfarrer Martin Bek-Baier
am
02.02.2017

Rothenburg ob der Tauber - Ich bin krankgeschrieben“, krächzt es mir mit angeschlagener Stimme aus dem Telefonhörer entgegen. „Dabei habe ich die letzten zwölf Jahre nie krank gemacht.“ Mein Schwager hat eine schwere Bronchitis. Er hustet in den Hörer. Es wird deutlich, für ihn und seine Kollegen in der Arbeit ist es besser, dass er sich auskuriert. Und doch haben das „Ich bin krankgeschrieben“ und „Krankmachen“ so einen schalen Beigeschmack.

Schnupfen

Viele in unserer Gesellschaft denken so. Auch so mancher Arbeitgeber macht seinen Angestellten Druck. Oder die Missgunst von Kollegen tritt zutage. Als ob man es sich raussuchen könnte, krank zu werden oder nicht. Als ob es eine Schwäche wäre, bei einer schwereren Erkältung mit Fieber im Bett zu bleiben. „Wer krank ist, gehört ins Bett“, hat meine Mutter immer gesagt. Man hört das aber oft: Wer selten oder nie krankgeschrieben wird, ist ein „Held“ und brüstet sich damit.
Die Kehrseite der Medaille wäre aber, dass Kranke ihr Schicksal selbst verschuldet hätten, dass sie Schwächlinge wären. Der Geruch des Drückebergers hängt ihnen an. „Wer krank ist, gehört ins Bett“, wusste die Mutter. „Und vorher sollte er zum Arzt.“ Früher haben sich unsere Mütter um uns gesorgt. Jeder Erwachsene muss sich in einem Mindestmaß um sich selbst sorgen. Es gibt leider Beispiele, wie es ausgehen kann, wenn man Symptome ignoriert. Ein Bekannter hatte sich kürzlich die Hand an der Herdplatte verbrannt. Er ging nicht zum Arzt. „Wegen sowas doch nicht!“ Die Brandwunde entzündete sich. Nun ist ein Keim in sein Inneres gewandert. Herz und andere Organe sind infiziert. Notoperation. Er liegt immer noch im künstlichen Koma. Gesund werden braucht Aufmerksamkeit, Zeit und Geduld – die von sich selber und die von anderen. Andernfalls kann eine Krankheit noch länger dauern. Dafür muss in unserer Gesellschaft Raum und Verständnis sein. Es kann sich glücklich fühlen, wer Chancen auf Heilung hat. Viele Menschen leiden unter unheilbaren Krankheiten. Da ist es oft schwer genug, dazu zu stehen. Wir sollten Kranke unterstützen, sie nicht brandmarken, sondern ihnen mit Verständnis und Fürsorge begegnen.

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