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Bundesumweltamt

Nitratbelastung - Trinkwasser könnte teurer werden

Trinkwasser
pd
am
12.06.2017

Berlin - Trinkwasser könnte in etlichen Regionen Deutschlands spürbar teurer werden. Als Grund führt das Bundesumweltamt die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat an.

Über 27 Prozent der Grundwasserkörper überschreiten nach Angabe des Umweltbundesamtes derzeit den Grenzwert von 50 mg/l. Wenn die Nitrateinträge dort nicht bald sinken sollten, müssten betroffene Wasserversorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen, um das Rohwasser von Nitrat zu reinigen. Einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge kann dies die Trinkwasserkosten um 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter erhöhen. Das entspricht einer Preissteigerung von 32 bis 45 Prozent. Eine vierköpfige Familie müsste dann bis zu 134 € im Jahr mehr bezahlen.

Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA sieht in der Neuregelungen der Düngeverordnung einen lange überfälligen Schritte eingeleitet, der hoffentlich die Belastungen so weit senke, dass den Trinkwasserkunden die teure Aufbereitung erspart bleibe. Wichtig sei jetzt eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen in den betroffenen Regionen. Falls sich diese Belastungen nicht verringern würde, müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen.

Gerade in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen ist laut UBA das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet. Grund seien die auf den Feldern aufgebrachten Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung oder Mineraldünger für beispielsweise Obst- und Gemüseanbau. Wasserversorger würden bereits heute versuchen, das Wasser mit unterschiedlichen Maßnahmen zu schützen, indem sie die darüber liegenden Flächen selbst pachten, Brunnen verlagern oder belastetes mit unbelastetem Wasser mischen. Auch diese Kosten fließen bereits heute in den Trinkwasserpreis mit ein.

Doch derartige Maßnahmen werden laut UBA, in Zukunft in hochbelasteten Regionen nicht mehr ausreichen, um den Nitratwert im Trinkwasser niedrig zu halten. Die UBA-Studie hat dies mit Daten von und in Kooperation mit drei großen Wasserversorgern untersucht: OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband), Rheinenergie und RWW (Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft). Ergebnis: In einigen Gebieten könnte bald der Fall eintreten, dass das Wasser zusätzlich gereinigt werden muss. Dazu gibt es unterschiedliche Verfahren: Elektrodialyse, Umkehrosmose, biologische Denitrifikation oder das Carix-Verfahren. Welches Verfahren zur Anwendung kommen könne, werde durch lokale Faktoren wie der Wasserhärte oder der notwendigen Vor- oder Nachbehandlung des Wassers bestimmt. Die Gesamtkosten für die Reinigung würden neben der Art des Verfahrens auch noch von der konkreten Belastungssituation vor Ort, dem zu erreichenden Nitratwert, bis zu dem die Verunreinigungen gemindert werden sollen (Zielwert), und der Menge des aufzubereitenden Wassers abhängen. In jedem Falle bedeuteten die Verfahren mögliche berechnete Mehrkosten von bis zu 76 Cent pro Kubikmeter für die Wasserkunden: "Diese müssen also für die Überdüngung in ihrer Region bezahlen", so das UBA.

Die Studie rechnet zudem aus, wieviel die Reinigung von mit Nitrat belastetem Grundwasser in Deutschland insgesamt kosten kann: zwischen 580 und 767 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Maßnahmen der novellierten Düngeverordnung kosten laut Bundeslandwirtschaftsministerium die Landwirtschaft bis zu 111,7 Millionen Euro pro Jahr, also nur einen Bruchteil dessen, den die betroffenen Trinkwasserkunden zu bezahlen hätten. Dies zeige erneut: Vorsorge sei billiger als Reparatur. Diese Maßnahmen würden nicht nur helfen, Nitrateinträge zu reduzieren und die Kosten für die Aufbereitung zu senken. Daneben hätten sie sogar noch viele weitere positive Auswirkungen auf die Umwelt, wie den Erhalt der Artenvielfalt.

Zur novellierten Düngegesetzgebung gehört neben dem Düngegesetz und der Einführung einer Stoffstrombilanzverordnung auch die Düngeverordnung, die nach einem langjährigen Prozess umfangreich überarbeitet und im Frühjahr 2017 verabschiedet wurde.

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