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Chancen der Hauswirtschaft

Sophia Gottschaller, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
15.12.2016

München - Hauswirtschaftliche Leistungen sind gefragt, auch durch die neue Pflegegesetzgebung werden Hauswirtschafterinnen neue Einkommensmöglichkeiten eröffnet.

Häusliche Pflege

Der Beruf der Hauswirtschafterin ist sehr vielseitig, denn er kann in vielen verschiedenen Tätigkeitsfeldern ausgeübt werden. Zudem sind hauswirtschaftliche Dienstleistungen aufgrund gesellschaftlicher und demografischer Entwicklungen sowie der neuen Pflegegesetzgebung, die zu Beginn des Jahres 2017 in Kraft tritt, stark nachgefragt, Tendenz steigend.
Um neueste Entwicklungen, aktuelles Wissen und Erfahrungen aus dieser Berufsgruppe zu transportieren, fand kürzlich in Triesdorf im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lebenslanges Lernen in der beruflichen Bildung“ eine Tagung zum Thema „Chancen und Herausforderungen der Hauswirtschaft“ statt. Diese wurde vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten organisiert.

Änderungen in der Pflegegesetzgebung

Ab dem 1. Januar 2017 gibt es bei der gesetzlichen Pflegeversicherung gravierende Änderungen. Diese Änderungen sowie die Frage, welche Rolle hauswirtschaftliche Leistungen in der neuen Pflegegesetzgebung spielen können, stellte Ministerialdirigent Dr. Bernhard Opolony vom Gesundheitsministerium vor. Die Pflegestufe von pflegebedürftigen Menschen soll ab dem nächsten Jahr genauer unterteilt werden, sie nennt sich dann Pflegegrad, zudem wird es ein neues Begutachtungsverfahren geben. Durch dieses neue Verfahren sollen die Bedürfnisse von Menschen mit demenziellen, geistigen oder psychischen Erkrankungen ebenso berücksichtigt werden wie bei Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Entscheidend bei der Einstufung ist dann, wie selbstständig ein Mensch noch ist, und die Frage, wo der Pflegebedürftige bei Aufgaben im Alltag Unterstützung braucht.  
Hier kann die Hauswirtschafterin ihre Leistungen anbieten, wie Dr. Opolony ausführte. Sie könne Pflegebedürftigen Angebote zur Unterstützung und Entlastung im Alltag geben, denn Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von 125 € monatlich. Diese Angebote sollen dazu dienen, die Pflegebedürftigen bei der Bewältigung der Anforderungen des Alltags oder im Haushalt, insbesondere bei der Haushaltsführung, oder bei der eigenverantwortlichen Organisation individuell benötigter Hilfeleistungen zu unterstützen.
Zudem können folgende hauswirtschaftliche Berufe nach einer mindestens einjährigen hauptberuflichen Tätigkeit in einer Einrichtung des Sozial- oder Gesundheitswesens eine Weiterbildung zur Einrichtungsleitung absolvieren:

  • Meisterinnen und Meister der Hauswirtschaft,
  • Staatlich geprüfte Dorfhelferinnen und Dorfhelfer,
  • Staatlich geprüfte Technikerinnen und Techniker für Ernährungs- und Versorgungsmanagement,
  • Staatlich geprüfte Betriebswirtinnen und Betriebswirte für Ernährungs- und Versorgungsmanagement.

Dr. Opolony betonte abschließend, dass „hauswirtschaftliche Leistungen in der Pflege an Gewicht gewinnen werden“, aber es sei alles ein Prozess und man müsse noch ausloten, wie Hauswirtschaft und Pflege sich verzahnen können.
 

Konsequenzen für die Berufsbildung

Auch Ministerialrätin Gisela Mie­thaner vom Landwirtschaftsministerium sieht in diesen Entwicklungen Chancen für die Hauswirtschaft, aber auch Konsequenzen für die hauswirtschaftliche Berufsbildung. Grundsätzlich würde die Nachfrage an hauswirtschaftlichen Dienstleistungen in Senioreneinrichtungen und Krankenhäusern, in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen, aber auch in Senioren- und Familienhaushalten steigen. Trotz der steigenden Nachfrage an solchen Dienstleistungen sinken aber die Zahlen der Auszubildenden in der Hauswirtschaft.
„Als Konsequenz müssen wir die Bildungsinhalte der hauswirtschaftlichen Ausbildung an diese neuen Anforderungen anpassen und junge Auszubildende für hauswirtschaftliche Berufe gewinnen“, betonte Mie­thaner. Deshalb wird die bisher bestehende Ausbildungsverordnung aus dem Jahr 1999 derzeit überarbeitet. In der neuen Ausbildungsverordnung soll die Betreuung stärker berücksichtigt werden. Zudem müsse man aktiv für den Beruf werben.

Schülerpraktikum als Berufswerbung

Eine Möglichkeit, für den Beruf der Hauswirtschafterin zu werben und Auszubildende zu finden, kann das Schülerpraktikum sein. Dieses einwöchige Praktikum leisten Schüler der Mittel- und Realschulen ab. Erfahrungsberichte mit Schülerpraktikanten in hauswirtschaftlichen Betrieben schilderten Hauswirtschaftsleiterin und Ausbilderin Renate Feld vom Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung Schwarzenau und Lisa Göricke-Göbel, Ausbilderin in der Jugendherberge Rothenburg ob der Tauber.
Beide betonten, dass es elementar sei, dass ein Praktikant im Betrieb einen festen Ansprechpartner hat und schnell in das Team integriert wird. Wichtig sei auch, dass der Praktikant selbstständig kleinere Arbeiten übernehmen darf und in dieser Zeit Erfolgserlebnisse hat. Zudem stärke es die Beziehung der jungen Menschen zum Betrieb, wenn sie Kostproben von der Arbeit mit nach Hause nehmen dürfen und zum Ende des Praktikums ein kleines Geschenk bekommen.

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