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Hobby

Filzen am Küchenherd

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Filz Hobby
Barbara Hierl nimmt sich abends öfter mal Zeit für ihr Hobby, das Filzen. Dafür genügt ihr ein Plätzchen in der Küche, in Reichweite zum eingeschürten Holzherd. © Maria Burkhar
von , am
04.12.2017

Wolle nass machen, verfilzen und durchwalken, das klingt nach Anstrengung. Doch für Barbara Hierl aus Gindels im Oberallgäu ist es ein wunderbares Hobby.

Die Liebe zu Handgemachtem hat mir meine Mutter vererbt“, erzählt Barbara Hierl. Aufgewachsen auf einem Hof in Bühl am Alpsee habe sie von klein auf erlebt, wieviel Freude es macht, kreativ zu sein, „aus nix ebbas macha“, wie es im Allgäu so schön heißt.

Treibholz aus dem See war ihr erstes Bastelmaterial. Filzen kam viel später dazu, erst als ihre fünf Kinder groß waren. „Ich kann dabei herrlich entspannen“, sagt die 58-Jährige. Deshalb holt sie, wenn der Holzherd in der Küche eingeschürt ist, abends gern ihre Luftpolsterfolie hervor und beginnt kardierte Schafwolle in schöne Dinge zu verwandeln. Für Deko aller Art, Sitzkissen bis hin zu Stulpen und Stola verwendet sie überwiegend die Wolle von Bergschafen.

Einiges davon bietet sie ihren Urlaubsgästen als Mitbringsel zum Kauf an. Das meiste findet aber in ihrer großen Familie Abnehmer.

Anleitung in acht Schritten

Filzglas
© Maria Burkhardt

Um auch andere dafür zu begeistern, erklärt sie hier, wie sie es macht: Die Schablonen schneidet sie aus Resten von rutschfesten Einlagen, die sie in ihren Küchenschubladen liegen hat. Der Zuschnitt muss seitlich und in der Länge 10 bis 15 % größer bemessen werden, weil der Filz beim Walken schrumpft.

Bei den Stulpen umhüllt sie die Schablone erst mit Seide oder einer Lage Merinowolle, damit später beim Tragen nichts kratzt.

  1. Zuerst greift sie mit trockenen Händen zur fertig kardierten Schafwolle und packt die Schablonen auf beiden Seiten mit zwei Lagen Schafwollvlies ein. Je mehr Lagen, umso dicker wird der Filz,
  2. Dann sprengt sie die Wolle mit dem etwa 60 °C heißen Seifenwasser ein. „Olivenölseife eignet sich besonders gut, weil sie rückfettend wirkt und die Haut der Hände schont“, erklärt sie.
  3. Das Seifenwasser massiert sie anfangs sanft ein, damit sich die Wolle schön gleichmäßig um die Kanten legt und glatt anschmiegt. Danach reibt sie fester, damit sich die Wolle gleichmäßig verfilzt. Zwischendurch sprenkelt sie immer wieder etwas heißes Seifenwasser aus der Brause darüber und bearbeitet die Wolle in kleinen kreisenden Bewegungen bis es schäumt. Überschüssiges Wasser saugt sie mit einem Lappen auf.
  4. Auch über die Ränder streift sie sorgsam. Wenn die Wolle schön gleichmäßig verfilzt ist, bringt sie mit dünnen Wollbüscheln in anderer Farbe ein Muster auf. Zur Zeit ist Edelweiß ihr Lieblingsmotiv. Die sechs Blütenblätter legt sie nass auf und reibt vorsichtig, aber kräftig, damit sie mit dem Untergrund verfilzen.
  5. Sobald das Motiv sitzt, greift sie zur Schere. Für ein umfilztes Glas schneidet sie den Rohling an den Längsseiten auf, für die Stulpen an den Querseiten.
  6. Ist die Schablone entfernt, kann sie mit Walken beginnen. Dazu wickelt sie den Filz in die Folie ein.
  7. Dann rollt sie das Ganze auf der Küchenarbeitsfläche hin und her. Mit Hilfe des Lappens klappt das ganz leicht.
  8. Die weißen Wollkügelchen filzt sie ganz zum Schluss mit einer Filznadel trocken auf.
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