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Heimatschätze als Herzstück

Klingenweiher-Ackerschaetze
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Sophia Gottschaller, Wochenblatt
am
06.06.2019

Die Gartenschau in Wassertrüdingen legt den Fokus auf die Schätze der heimischen Region. Wochenblatt-Redakteurin Sophia Gottschaller hat sie besucht und schildert ihre Eindrücke.

Woernitzpark_Kuebel
Vom Glück einen Schatz zu finden. Unter diesem vielversprechenden Motto lädt die diesjährige Gartenschau in Wassertrüdingen Besucher ein, auf gut 13 ha Ausstellungsfläche „Heimatschätze“ der Region kennenzulernen. Ich bin gespannt, wie dieses Thema mit der Gartenschau verflochten wird. Nach dem kurzen Weg vom Bahnhof in die Altstadt erwartet Besucher dort sogleich die erste Station der Gartenschau – die Blumenschau. Die „Indoor“-Ausstellung präsentiert sich in einem ehemaligen Schreibwarengeschäft, der Außenbereich kommt eher urban daher: In einer Baulücke findet man mit Graffiti verzierte Container und üppige Rosenstöcke, die in Kübeln wachsen und blühen. Durchaus interessant, diese Kombination!
Woernitzpark1

Nach einem kurzen Abstecher in die hübsche Altstadt Wassertrüdingens geht es weiter zum ersten großen Teil der Gartenschau: dem Wörnitzpark, Eingang Entengraben. Dieser landschaftlich neu gestaltete Teil ist eingefasst durch den Fluss Wörnitz. Besucher können sich dort über Tiere und Pflanzen, die im Fluss leben, über archäologische Funde und Maßnahmen zum Hochwasserschutz informieren. Auch für Kinder gibt es auf der „Schatzinsel“ einiges zu erleben. Der Weg wird zwar gesäumt von einem Band aus Blumen, aber bisher fehlen mir auf dieser Gartenschau noch interessante gärtnerische Anregungen und die opulente Blütenpracht. Mag sein, dass ich noch ein bisschen zu früh dran bin, die Pflanzen sind noch relativ klein und viele Staudenbeete dadurch eher licht. Nach einem Rundumblick von der Aussichtsplattform mit integrierter Ausstellung über die Fischwirtschaft in Mittelfranken, geht es weiter in den gärtnerischen Ausstellungsbereich. Hier bekommt mein Gärtnerherz endlich, was es verlangt: Rabatten mit vielen Blüten und Ausstellungsbeiträge von Gärtnern aus der Region. Gezeigt werden zum Beispiel Balkonbepflanzungen für Bienen oder die faszinierende Vielfalt von Fächer- Ahornen und Japanischen Ahornen. Das filigrane Laub der Bäume fesselt meinen Blick.

Woernitzpark-Bienenblumen

Da ich nun ganz im Süden der Gartenschau angelangt bin, nutze ich den kostenlosen Shuttlebus und fahre in den nördlichen Teil – in den Klingenweiherpark. In diesem Bereich fühle ich mich von Beginn an wohl: Der alte, etwas verwilderte Baumbestand des Parks spendet Schatten und die Streuobstwiese sowie die Rabatten mit bunter Bepflanzung laden zum Flanieren ein. Durch den Park zieht sich als roter Faden der leicht erhöhte und mit goldenem Metall gesäumte Weihersteig, der von der nördlichen Deponie bis zum südlichen Weiher reicht. Hier finden sich liebevoll gestaltete Ausstellungsbeiträge, beispielsweise der Obst- und Gartenbauvereine, der Waldbauernvereinigung oder des Bund Naturschutz. Besonders angetan bin ich von dem Beitrag „Ackerschätze“: Engagierte Bäuerinnen und Bauern aus der Hesselbergregion präsentieren hier auf einem Acker eine Vielzahl von heimischen Feldfrüchten und laden die Besucher in der schmucken Scheune dazu ein, Köstlichkeiten zu probieren. So spannen sie den Bogen vom Acker zum Esstisch und schaffen es, Verbraucher über die Landwirtschaft zu informieren, Vorurteile abzubauen und zu begeistern. Auch die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf sind auf der Gartenschau vertreten. Die Schüler und „Landwirte von morgen“ machen sichtlich motiviert Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft. Ein gelungener Auftritt!

Woernitzpark-Bienen

Zum Abschluss besuche ich noch die Musterbepflanzungen für Gräber und bin anfangs etwas perplex: Besucher finden sie nicht wie gewohnt im Schaubereich, sondern auf dem sehenswerten Friedhof von Wassertrüdingen, der angrenzend zum Klingenweiherpark liegt. Warum eigentlich nicht? So wird die Bepflanzung der Gräber in jedem Fall nachhaltig genutzt.

Pflanztopf

Fazit: Auf der Gartenschau in Wassertrüdingen lernt man viel über die Besonderheiten der Region, insofern wurde das Konzept „Heimatschätze“ meiner Ansicht nach gut umgesetzt. Da sich die beiden großen Ausstellungsbereiche sehr unterschiedlich präsentieren, ist sicherlich für jeden Geschmack etwas mit dabei. Der kostenlose Shuttleservice nimmt einiges an Fußweg ab, deshalb kann man dort einen entspannten und kurzweiligen Tag verbringen.

Öffnungszeiten & Eintrittspreise

Die Gartenschau in Wassertrüdingen ist bis zum 8. September täglich ab 9 Uhr geöffnet. Die Kassen schließen um 17 Uhr, bei Abendveranstaltungen gelten längere Öffnungszeiten. Der Eintritt für Erwachsene kostet 13,50 €, für Kinder von 6 bis 17 Jahren 3 €, jüngere Kinder dürfen die Gartenschau kostenlos besuchen. Der Preis für eine ermäßigte Tageskarte liegt bei 8,50 €.

Ein Parkplatz steht am Eingang Wörnitzpark zur Verfügung, auch die Anreise mit der Bahn ist möglich. Vom Bahnhof Wassertrüdingen fahren regelmäßig Busse zu allen Eingängen, außerdem verkehrt ein kostenloser Shuttleservice zwischen den Ausstellungsbereichen und der Altstadt. Weitere Informationen zur Gartenschau und einen Überblick über die Veranstaltungen findet man im Internet unter www.wassertruedingen2019.de.

Auf der Gartenschau entdeckt: Ideen zum Nachmachen

Die Gartenschau in Wassertrüdingen lädt nicht nur zum Flanieren ein. Sie bietet den Besuchern auch Ideen, die man gut im eigenen Garten nachmachen kann. Wir stellen einige vor:

  • Gabione mit Bewuchs: Als triste Steinkörbe in Verruf geraten, zeigen sich Gabionen auf der Gartenschau in neuem Antlitz. Anstatt der grauen Mauerfläche findet man dort eine Version, die zwischen den Steinen Substrat und damit Nährboden für Pflanzen bietet. So entsteht eine Art Trockensteinmauer mit Gerüst. Optimal für die Bepflanzung sind Blumen und Kräuter, die Trockenheit vertragen und nur wenige Nährstoffe benötigen.
  • Holzbrett als Rankhilfe: Als Hingucker und Kletterhilfe für einjährige Rankpflanzen dient ein altes Massivholzbrett. Dafür das Brett gut im Boden verankern oder an einer Mauer anlehnen. Die Kletterpflanzen finden Halt an Schnüren, die mit Tackerklammern am Brett befestigt wurden. Alternativ eignen sich auch Nägel.
  • Spannende Pflanzen: Auffallend in der Bepflanzung Anfang Juni waren die Blüten des Fingerhuts (Digitalis x Isolplexis-Hybride) ‘Illumination Flame’. Sie präsentierten sich in pink und apricot.
  • Tippi für Igel: Naturnah und trotzdem halbwegs aufgeräumt sieht der Vorschlag für ein Winternest für Igel aus. Für das Winterquartier wird am Boden aus dickeren Ästen ein lockeres Viereck mit Schlupflöchern für die Tiere geformt. In die Mitte kommt als Nisthilfe ein Haufen trockenes Laub. Damit es nicht vom Wind davongeweht wird, legt man auch über das Laub einige dicke Äste. SG
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