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Vorstand

Beruft Landjugend Spitzen ab?

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
08.11.2018

Am Samstag stimmen die Delegierten des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) über eine Abberufung der BDL-Bundesvorsitzenden Nina Sehnke und des Stellvertretenden BDL-Bundesvorsitzenden Christoph Daun ab.

Landjugend

Berlin/München Das geht aus Informationen hervor, die dem Wochenblatt vorliegen. Der BDL hat dazu im Rahmen der von Freitag bis Sonntag geplanten Bundesmitgliederversammlung eine Sonderversammlung für Samstag anberaumt.

Hintergrund des Antrags ist ein Positionspapier des BDLs vom August, in dem dieser den Ausstieg aus der Anbindehaltung fordert. Im Papier, das vom Bundesvorstand des BDL verabschiedet worden war, hatte der Verband die Haltungsform als „nicht zeitgemäß und nicht zukunftsfähig“ bezeichnet. Die Bayerische Jungbauernschaft (BJB) hatte sich daraufhin in einer eigenen Positionierung von den Forderungen des BDL distanziert (wir berichteten).

Mehrere Landesverbände, darunter insbesondere die BJB, werfen Sehnke und Daun nun vor, das Papier eigenmächtig verfasst und nicht durch den Arbeitskreis Agrarpolitik, für den Daun zuständig ist, erarbeitet zu haben. Tina Stünzendörfer, Landesvorsitzende der BJB, sagte dem Wochenblatt: „Der Arbeitskreis Agrarpolitik hat das Thema Anbindehaltung kurz diskutiert. In einer Protokollnotiz stand, dass es ein Papier geben würde, aber nicht wann, oder was dessen Inhalte sein würden.“ Als das Papier zur Abstimmung in den Bundesvorstand gekommen sei, hätte dieser zugestimmt, weil man Sehnke und Daun vertraut habe.

Dieses Vertrauen sieht Stünzendörfer nun irreparabel beschädigt. Insgesamt hätten sieben von 18 Landesverbänden des BDL den Abberufungsantrag unterzeichnet. Weitere Landesverbände hätten ihre Unterstützung signalisiert.

Sollte der Antrag am Samstag eine Mehrheit finden, wären Sehnke und Daun mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern im BDL abberufen. Gegenüber dem Wochenblatt wollten sich beide nicht zum Antrag äußern.

Den Vorwurf, das fragliche Positionspapier eigenmächtig verfasst zu haben, wiesen Sehnke und Daun jedoch entschieden zurück. Das Thema Anbindehaltung sei in drei Sitzungen des Bundesarbeitskreises Agrarpolitik im Dezember 2017 sowie Februar und März 2018 diskutiert worden. Anhand der Diskussionen sei dann durch die BDL-Agrarreferentin eine Rohfassung erstellt und anschließend von Sehnke, Daun sowie der stellvertretenden BDL-Bundesvorsitzenden Kathrin Muus zu einer Beschlussvorlage für den Bundesvorstand ausgearbeitet worden. Dieser habe den Vorschlag nach detaillierter Diskussion einstimmig beschlossen. Eine Positionierung durch den Arbeitskreis sei, wie Daun und Sehnke betonen, grundsätzlich nicht möglich, dies sei allein dem Bundesvorstand vorbehalten. SMB

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