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Bayerische Jungbauernschaft

Landjugend - Erfolg braucht Leidenschaft

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Katrin Fischer
am
06.12.2018

Grainauer Junglandwirte-Tagung beschäftigt sich mit Wirtschaft und Politik

Grainau/Obb. Landwirtschaft ist im Land stark verankert, hält den ländlichen Raum am Leben. Doch wie wird sie in anderen Wirtschaftssektoren eigentlich wahrgenommen? Was macht sie richtig und wo gibt es noch Potenzial? Diesen und weiteren Fragen stellten sich unter der Überschrift „Land.schafft.Wirtschaft“ rund 30 Mitglieder der Bayerischen Jungbauernschaft bei der Grainauer Junglandwirte-Tagung am vergangenen Wochenende.

Sich kennenlernen und ganz ungezwungen diskutieren – das geht am besten bei einem Kamingespräch. Den Impuls fürs Gespräch im Bierstüberl lieferte Thomas Ilg, der vor wenigen Wochen zum Landwirt des Jahres 2018 gewählt wurde. Er hat seinen Betrieb gemäß seinen Vorstellungen und Fähigkeiten umstrukturiert. Statt weiter wie bisher auf dem Acker und im Kuhstall zu arbeiten, betreibt er heute einen Biomassehof mit zahlreichen Betriebszweigen – und ist glücklich damit. „Man muss seine Arbeit mit Leidenschaft machen, nur dann ist man erfolgreich“, erklärt der Österreicher.
„Können wir stolz sein auf unser Wirtschaften?“ Dieser Frage ging Matthias Borst, stellvertretender Generalsekretär und Leiter des Fachbereichs Agrar- und Umweltpolitik im Bayerischen Bauernverband, nach. Er wies darauf hin, dass es auf die Perspektive ankommt: Das Selbstbild kann sich vom Fremdbild unterscheiden. Junglandwirte dürften und müssten neue Wege gehen.
Statt in die Werkstatt geht es dazu in die Ideenschmiede: „Raus aus der Komfortzone, wir müssen die Perspektive wechseln“, rät Georg Mayerhofer (Landwirt des Jahres 2017). So haben dann auch Startups eine Chance, wie Franz Faltermeier am Beispiel von Agrando erklärte.
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Verbände vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.), vbm (Verband der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e.V.) sowie bayme (Bayerischer Unternehmensverband Metall und Elektro e.V.) hatte eine klare Botschaft: Landwirtschaft ist ein fester Bestandteil der bayerischen Wirtschaft. Vernetzung macht stärker, lautete sein Fazit nach einer lebhaften Diskussion. Dazu müsse der Input aus der Basis einer Organisation aber bis an die Spitze kommen.
Die aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft sind groß. Um sich ökonomisch gut aufzustellen, ist die „Preissicherung ein Muss in der zukünftigen Landwirtschaft“, betonte Lars Kuchenbuch, Geschäftsführer der KS-Agrar GmbH. Er erklärte den Junglandwirten dazu die Funktionsweise der Warenterminbörse als Vermarktungsinstrument, aber auch als ein „Spiel mit Angst und Gier“.
Der permanente Druck in bäuerlichen Familienbetrieben könne zu Stress und Burnout führen, warnte Christiane Mayer von der SVLFG. Leben und Arbeiten in Balance sei ein Thema, das noch viel zu wenig Beachtung finde. Stress lasse sich heute zwar nicht mehr vermeiden, jedoch könne man einen Weg finden, richtig damit umzugehen.

Höhepunkt des Treffens am Fuß der Zugspitze war das abschließende politische Couchgespräch von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber mit Alois Penninger (Ring junger Landwirte, Fürstenzell/Niederbayern, und Manager des Jahres 2018). Ganz ungezwungen wurden die Themen Agrarpolitik, Öffentlichkeitsarbeit, Digitalisierung und Tierhaltung diskutiert. Für die Jungbauern enorm wichtig: Über eine Junglandwirtekommission soll künftig ein Austausch auf Arbeitsebene zwischen Ministerium und dem Berufsnachwuchs installiert werden. Ministerin Kaniber setzt damit ein Signal: Das Miteinander ist wichtig, sie will die Zukunft der Landwirtschaft mit den Akteuren diskutieren, die davon betroffen sind. Die Junglandwirte sind jedenfalls gerne dazu bereit, regelmäßig am runden Tisch zu sitzen, um ihre Meinung von der Basis in die Spitze zu tragen.

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