Login
Fortbildung

So macht Lernen Spaß

on_Gruppenbild-opt
Sophia Gottschaller
am
23.05.2018

Lebensmittel selbst herstellen und vermarkten – das sind die Inhalte des Wahlfachs Direktvermarktung, das die Fachakademie in Triesdorf anbietet. Viele Studierende sind von dem Fach begeistert. Wir stellen es vor.

Käse hab ich noch nie selbst gemacht“, erzählt Sarah Jörg aus Aalen in Baden-Württemberg. Die 22-Jährige schwärmt: „Es ist super, dass wir das in diesem Wahlfach ausprobieren können.“ Auch Cornelia Beede, 23, aus Landshut ist begeistert: „Selbstgemachte Produkte schmecken viel besser als gekaufte und man hat die Möglichkeit, die Grundprodukte selbst zu bestimmen. Das ist toll!“ Die beiden jungen Frauen haben das Wahlfach Direktvermarktung im Rahmen ihrer Fortbildung zur Betriebswirtin für Ernährungs- und Versorgungsmanagement gewählt. Diese absolvieren sie an der Fachakademie für Landwirtschaft, Fachrichtung Ernährungs- und Versorgungsmanagement (FAK) in Triesdorf.

on_Gruppenbild

Bei dieser Fortbildung, die drei Jahre dauert, bereiten sich die Studierenden auf ihre spätere Arbeit in führenden Positionen in hauswirtschaftlichen Großbetrieben wie beispielsweise Seniorenheimen, Krankenhäusern, Tagesstätten oder Betriebskantinen vor. Absolventinnen können sich aber auch selbstständig machen und hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Gästebeherbergung oder Direktvermarktung anbieten.

Vielseitige Fortbildung

on_Garten-Triesdorf

Um Grundlagen für eine solche Selbstständigkeit zu schaffen, können die Studierenden in Triesdorf – was dort bayernweit einzigartig ist – im dritten Jahr das Wahlfach Direktvermarktung belegen, ohne eine Prüfung darin machen zu müssen. „Eine Betriebswirtin muss vielseitig ausgebildet sein“, erklärt die stellvertretende Schulleitern Irmgard Zäh das Angebot und betont: „Wir sind eine landwirtschaftliche Fachakademie und wollen unsere Studierenden dafür sensibilisieren, dass die Direktvermarktung eine gute Einkommensquelle für sie sein kann.“

Die verschiedenen Möglichkeiten der Direktvermarktung zeigt Fachlehrerin Stefanie Rieblinger auf: „Im Unterrichtsteil Milchverabeitung im Haushalt stelle ich zusammen mit den Studierenden Weichkäse, Mozzarella und Ricotta sowie Kefir, Joghurt und Quark her. Wir nutzen dafür pasteurisierte Milch. Das Käsen klappt damit genauso gut wie mit Rohmilch und die fertigen Produkte sind unbedenklich für Schwangere oder ältere, kranke Personen.“ Außerdem erläutert sie im Unterricht fachliche Grundlagen, wichtige Rechtsvorschriften und gibt Einblicke, welcher Ertrag bei den verschiedenen Produkten zu erwarten ist. „Bei Joghurt hat man eine gute Ausbeute, da die Menge der Milch 1:1 umgesetzt wird“, erklärt Rieblinger. „Wenn man dagegen Käse herstellt, bleibt viel Molke übrig“. Doch auch diese ist kein Abfallprodukt, wie die Fachlehrerin deutlich macht, sondern kann zu fruchtigen Molkedrinks (siehe Rezept rechts) weiterverarbeitet werden.

Wertschätzung

In weiteren Unterrichtseinheiten backen die Studierenden außerdem Brot, stellen Wurst her, Besuchen Betriebe mit besonderen Direktvermarktungskonzepten oder schlachten selbst Fische. „Wir haben zwar eine kleine Teichwirtschaft daheim, aber früher habe ich mich nicht an die Schlachtung der Fische herangetraut“, gibt die 20-jährige Theresa Sperr aus Wallersdorf (Lks. Ansbach) freimütig zu. „Durch das Wahlfach habe ich einen Zugang dazu gefunden und war dann total stolz, es gemacht zu haben. Ich könnte mir schon vorstellen, in der Zukunft einen Hofladen zu betreiben.“ Auch Sina Pillwachs, 21, aus Wettringen (Lks. Ansbach) findet die Direktvermarktung toll: „Ich finde es super, Lebensmittel selbst herzustellen und probiere auch privat vieles aus. Wenn man weiß, was hinter der Herstellung steckt, schätzt man die Nahrungsmittel wieder viel mehr.“

Kein reiner Frauenberuf!

Lauritz Kreuzer

Hauswirtschaft ist reine Frauensache? Das stimmt natürlich nicht! Bestes Beispiel dafür, dass sich das ehemals stark weiblich besetzte Berufsfeld öffnet, ist Lauritz Kreuzer aus Neustadt a. d. Waldnaab. Der 20-Jährige Hauswirtschafter macht an der FAK Triesdorf die Fortbildung zum Betriebswirt für Ernährungs- und Versorgungsmanagement. „Mir gefällt an der Hauswirtschaft, dass sie so vielfältig ist. Es geht hier nicht nur ums Kochen, sondern man lernt auch etwas über Themenfelder wie Stoffkunde oder Reinigung“, ist Kreuzer begeistert. Als künftige Berufsfelder könnte er sich eine leitende Position in einer Reha-Einrichtung, in der Altenpflege oder einem Hotel vorstellen.

Er sieht es positiv, dass immer mehr Männer in klassische Frauenberufe wie die Hauswirtschaft oder die Pflege gehen und auch umgekehrt Frauen mehr „Männerberufe“ ergreifen: „Natürlich sind wir Männer in der Ausbildung und auch jetzt in der Fortbildung noch deutlich in der Unterzahl. Aber ich denke gerade wenn mehr Männer in klassischen Frauenberufen arbeiten, würde das Lohnniveau dieser Berufe ansteigen.“

Weitere Infos zur Fortbildung

Die Fortbildung zur Betriebswirtin für Ernährungs- und Versorgungsmanagement bereitet auf hauswirtschaftliche Fach- und Führungsaufgaben vor.

Dauer: 3 Jahre Vollzeit mit 6-monatigem Berufspraktikum,

Voraussetzungen: Voraussetzung für den Schulbesuch ist ein erfolgreicher Berufsabschluss zur Hauswirtschafterin oder zum Hauswirtschafter oder einen anderen einschlägigen Berufsabschluss, sowie der mittlere Bildungsabschluss.

Das lernt man:Ernährungs- und Haushaltsmanagement (z. B. Ernährung und Gesundheit, Marketing, Garten und Lebensmittelproduktion, Textilien und Wäscheversorgung), Betriebswirtschaft und Führung (z. B. Betriebslehre, Existenzgründung und Diversifizierung, Projektmanagement), Wahlfächer (z. B. Direktvermarktung, Rehabilitationspädagogik, Garten), allgemeinbildende Grundlagen (z. B. Englisch, Sozialkunde, EDV-Anwendungen).

Spätere Arbeitsbereiche: führende Positionen in hauswirtschaftlichen Bereichen von Großbetrieben, hauswirtschaftlichen und landwirtschaftlich-hauswirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmen oder in beratender Funktion für Fachverbände, Organisationen, Industrie und Wirtschaft.

Abschluss: Staatlich geprüfte Betriebswirtin für Ernährungs- und Versorgungsmanagement.

Standorte: Die Inhalte dieser Artikel beziehen sich auf die Fachakademie für Landwirtschaft, Fachrichtung Ernährungs- und Versorgungsmanagement Triesdorf. Die Fortbildung kann man in Bayern mit etwas verändertem Angebot der Wahlfächer in Würzburg (Ufr.), Ahornberg (Ofr.), Nürnberg (Mfr.), Regensburg (Opf.), Augsburg (Schw.), München (Obb.), Miesbach (Obb.) und Vilshofen an der Donau (Ndb.) absolvieren.

Termine: Anmeldestichtag 1. April, nächster Start 11. September, bei freien Plätzen ist auch noch eine spätere Anmeldung möglich.

weitere Infos:  www.fachakademie-triesdorf.bayern.de

Auch interessant