Login
Vorgestellt

Bäuerin und Imkerin

180511 Christine Medick (1)
Stephan Herbert Fuchs
am
22.06.2018

Christine Medick hat die Imkerei als Hobby entdeckt

180511 Christine Medick (4)

Imkern wird jünger und weiblicher, da ist sich Christine Medick sicher. Die langjährige Kreisbäuerin aus Kothigenbibersbach bei Thiersheim im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel hat vor fünf Jahren die Welt der Bienen für sich entdeckt und sie ist noch immer schwer begeistert davon. „Wenn du bei den Bienen bist, dann vergisst du alles“, sagt die vielbschäftigte Bäuerin.

180511 Christine Medick (3)

Dabei hätte die Bäuerin wirklich genug um die Ohren. Zusammen mit ihrem Mann Roland und Sohn Fabian bewirtschaftet sie einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 250 Zuchtsauen mit 60 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche plus 5 ha Teiche und 5 ha Wald. Seit dem Jahr 1997 ist sie im Bayerischen Bauernverband aktiv, davon 15 Jahre als Kreisbäuerin, davor fünf Jahre als Stellvertreterin und aktuell wieder als Stellvertreterin, nachdem sie bei den zurückliegenden Wahlen freiwillig in die zweite Reihe zurückgetreten ist.

Dazu kommt noch das politische Engagement: Seit 2002 ist die gelernte Bürokauffrau im Kreistag von Wunsiedel und seit dem gleichen Jahr auch im Marktgemeinderat von Thiersheim aktiv. 1987 hat die heute 48-Jährige in die Landwirtschaft eingeheiratet, 1995 übernahm ihr Mann den Betrieb, damals noch mit Schwerpunkt Bullenmast, von seinem Vater.

Auslöser war eine Bauernbeschimpfung

„Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen“, heißt ein Sprichwort, und wer sich von Christine Medick die Welt der Bienen erklären lässt, der weiß, dass an diesem Sprichwort etwas dran ist. „Es ist so faszinierend, wie das alles funktioniert“, sagt sie und erzählt von sehr arbeitsintensiven Tagen in den Monaten Mai bis Juli, wenn tägliche Schwarmkontrollen, Milbenkontrolle und schließlich auch der Beginn der Honigernte auf dem Programm stehen.
Dabei hat alles gar nicht so erfreulich begonnen. Von einem Mitglied eines Imkervereins erhielt sie eines Tages eine böse E-Mail, in der sinngemäß stand, dass die Landwirtschaft wieder einmal an allem schuld sei, auch am Bienensterben. „Wir waren entsetzt“, erinnert sich Christine Medick, begann im Internet zu recherchieren und kam mit dem Vorsitzenden des Arzberger Imkervereins Gerhard Armbruster, ihrem heutigen Imkerpaten, ins Gespräch.
Weil schon der Großvater ihres Mannes Imker war und eine Honigschleuder und alte Kästen auf dem Hof noch vorhanden waren, entschloss sich die Bäuerin, es selbst einmal zu versuchen. Die Ausstattung war zwar nicht mehr zu gebrauchen, doch das Interesse war geweckt und sie besuchte erste Veranstaltungen bis hin zum Anfängerkurs in Theorie und Praxis. Dann besorgte sie sich die entsprechende Schutzkleidung, also Imkerhut mit Schleier und Handschuhe, die entsprechenden Geräte wie „Smoker“ und Stockmeißel. Das erste Volk kam vom Verein und los ging es mit der Imkerei.

Bei den Bienen abschalten vom Alltag

Aktuell schwirren zwei Völker um das hölzerne Bienenhaus herum. Dabei sind die Völker noch im Aufbau, 30 000 bis 40 000 Bienen sind es pro Volk am Ende. Im Schnitt kann Christine Medick um die 40 kg Honig ernten, wobei sie im ersten Jahr mit 60 kg gleich den besten Ertrag hatte. Natürlich wird der Honig auch verkauft, über einen Landhändler in Thiersheim und am eigenen Hof. Die Imkerei ist trotzdem nur ein Hobby, auch wenn ein eigener Kurs notwendig war, um den Gewährverschluss mit aufgedruckter Kontrollnummer des Deutschen Imkerbundes als geschütztes Warenzeichen zu bekommen.
„Man muss immer etwas haben, worauf man sich besonders freuen kann“, sagt die Imkerin und schwärmt für ihr Hobby, das sie die Sorgen vergessen lässt. Sie genießt die Bienen in jeder Hinsicht: „Ich verwende Honig bei allen Gerichten, die etwas Süße zum Abrunden brauchen, zum Beispiel auch für Sauerbraten, Wildbraten sowie Tomatensalat oder Sauerkraut.
Seit dem vergangenen Jahr ist bei der engagierten Frau allerdings noch ein zweites Hobby dazugekommen. Sie hat 2017 den Motorradführerschein gemacht. Seitdem unternimmt sie gerne auch mal Touren durch die Fränkische Schweiz, durch die Oberpfalz oder das benachbarte Tschechien.
Auch interessant