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Unser Dorf hat Zukunft

Jedes Dorf wird gewinnen

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Frank Angermüller, LWG Veitshöchheim
am
09.05.2018

Landeskommission „Unser Dorf hat Zukunft“ ist in Bayern unterwegs.

Vom 11. bis 22. Juni bereist die von der bayerischen Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber berufene Kommission die 15 zukunftsträchtigsten Dörfer in Bayern. Diese haben sich in den letzten beiden Jahren über den Kreis- und Bezirksentscheid für den Landesentscheid qualifiziert. Die Kommission unter dem Vorsitz von Ministerialrat Günter Knüppel setzt sich aus Fachleuten für die fünf Bewertungsbereiche zusammen. Aufgrund der Richtlinien des Wettbewerbes können nur drei der Dörfer Gold und dadurch die Teilnahme am Bundesentscheid 2019 erhalten.
Nach all der Mühe im Kreis- und Bezirksentscheid ist es aber auch verständlich, dass Silber und Bronze nicht immer ganz den Erwartungen der Teilnehmer entsprechen. Schließlich heißt der Slogan des Wettbewerbes: „Mitmachen. Dabei sein. Gewinnen!“
Aber bedeutet in diesem Falle „Gewinnen!“ nur bei Gold? Wenn die Teilnehmerorte erkennen, dass durch den Wettbewerb Aktionen gefördert und Bleibendes geschaffen wurde, hat man auf jeden Fall gewonnen.

Begegnung von Menschen

Der Wettbewerb fördert vor allem die Begegnungen mit Menschen. Viele Dörfer kämpfen heute mit gleichen Problemen: Die jungen Menschen ziehen zur Ausbildung oder zur Arbeit fort, die ältere Generation bleibt im Dorf zurück. Diese Problematik beobachten Forscher schon seit vielen Jahren. Manche davon rechnen in Deutschland bis zum Jahr 2050 mit einem Bevölkerungsrückgang von bis zu zwölf Millionen Menschen – eine Entwicklung, die vor allem die abgelegenen, ländlichen Regionen treffen wird.

Aber Forscher des Frankfurter Zukunftsinstitutes haben in ihrer Studie auch festgestellt, dass es durchaus Hoffnung gibt. Es gibt eine „progressive Provinz“, die ihre Zukunft selbstbewusst in die Hand nimmt. Dabei ist vor Ort wichtig, dass nichts von oben befohlen wird, sondern von den Menschen selbst organisiert wird.
Moderne Konzepte können Dörfer auch für die junge Generation wieder attraktiver gestalten. So kann z. B. eine Gemeinde junge Hauskäufer beim Kauf älterer Häuser nach dem Konzept „Jung kauft Alt“ finanziell unterstützen. Bei der Streichung von Busverbindungen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) kann ein Dorf z. B. einen Bürgerbusverein gründen. Solche zukunftsweisenden Ideen in Dörfern zeigen, dass es für fast jedes Problem eine Lösung gibt.
Dabei hilft die Teilnahme am Wettbewerb, denn in diesem Rahmen können Ideen, Anregungen und Visionen ausgetauscht werden. Dabei müssen in der heutigen Zeit Ideen auf verschiedenen Ebenen vernetzt werden. So kann eine ehemalige Gaststätte in ein multifunktionales Veranstaltungszentrum umgewandelt werden, zum Beispiel als Gaststätte mit Dorfladen, Handwerksbetrieb, Museum … Ähnliches gilt für leerstehende landwirtschaftliche Gebäude, zum Beispiel in Verbindung mit einer Ladestation für E-Bikes von Tagestouristen, gespeist von der Solaranlage auf dem Dach der ehemaligen Scheune. Gerade in Bayern mit seiner vielfältigen Landschaft bietet sich eine Verknüpfung von Natur mit sanftem Tourismus mit vielen Möglichkeiten an.

Auch wenn nicht alle Dörfer, die sich am Wettbewerb beteiligen, mit Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet werden können – Verlierer gibt es in keinem Fall. Ganz im Gegenteil, überall, wo sich die Bewohner mit der Entwicklung ihres Dorfs und ihrer Heimat auseinandersetzen, gewinnt die Gemeinschaft. Der Landesentscheid in Bayern 2018 – ein Meilenstein.

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