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Grüß Gott, liebe Leser

Haben Giraffen den Überblick?

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
03.05.2018

Kommunizieren Sie eigentlich wie ein Wolf oder vielleicht doch eher wie eine Giraffe?

Sepp Kellerer

Wenn Sie jetzt denken, was soll die blöde Frage, was unterstellt mir dieser Griffelspitzer jetzt schon wieder, dann sind Sie eher der Wolf. Wenn Sie jetzt denken, interessante Frage, hat das Wochenblatt vielleicht ein paar Tipps für mich, wie ich mit meinen Mitmenschen besser zurechtkomme, dann sind Sie eher die Giraffe.

Wolf und Giraffe sind natürlich nur symbolisch gemeint. Die beiden Tierarten stehen für unterschiedliche Verhaltensweisen in der sogenannten „gewaltfreien Kommunikation“. Worum es dabei geht, das stellen wir Ihnen diese Woche vor. Und wir meinen, dass die Ansätze durchaus hilfreich sein können, vor allem in der Familie und im näheren Umfeld.

Manchmal muss man in der Kommunikation aber auch den Wolf herausholen, zum Beispiel, wenn Kommunen immer mehr dazu übergehen, sich mit fragwürdigen Methoden Bauland zu sichern, wenn der Schutz von Raubtieren unverhältnismäßig über den Schutz von Nutztieren und deren Haltern gestellt wird oder wenn der Pflanzenschutz ganz pauschal und in Bausch und Bogen verurteilt wird.

Die Giraffe ist in der gewaltfreien Kommunikation auch wegen ihres langen Halses gewählt worden. Damit soll sie den Überblick bewahren können. Ich würde die Giraffe gerne auf eine Tour durch die Supermärkte schicken, speziell zu den Fleischtheken. Ich fürchte, sie käme mit einem Knoten im Hals zurück, wenn sie versuchen würde, den Überblick zu bewahren bei all den Labels, die da inzwischen kursieren und konkurrieren – zum Teil auf der gleichen Verpackung.

Da könnte man fast schon wieder zum Wolf werden, vor allem dann, wenn man erfährt, dass das Label, das immer noch am meisten zieht, der Preisaufkleber ist. Wenn da die richtigen Zahlen draufstehen, dann läuft der Absatz reißend.

Was soll also das ganze Gerede von der Qualität? Nun ja, das ist kein Widerspruch, denn hierzulande haben auch die Sonderangebote eine hohe Qualität. Was neben dem Preis noch wirklich zieht, das ist die Regionalität. Bestes Beispiel dafür ist die Geprüfte Qualität Bayern. 78 Prozent der bayerischen Verbraucher können mit diesem Siegel etwas anfangen und es ist praktisch in allen Lebensmittelhandelsketten zu finden. Verzichten könnte man darauf nur, wenn es noch regionaler geht: direkt vom Hof oder vom Metzger im Dorf.

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