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Ressourcenverbrauch

Ausgepresst

Erde ausgepresst
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
02.08.2018

Am 01. August war der globale Erdüberlastungstag 2018 - ein Tag früher als 2017. Rechnerisch bräuchte die Weltbevölkerung 1,7 Planeten. Würden alle so haushalten wie Deutschland, wären drei Erden nötig - darauf weist das Netzwerk Inkota hin.

Der Erdüberlastungstag beschreibt den Zeitpunkt im Jahr, an dem die natürlichen Ressourcen weltweit in so großem Umfang verbraucht sind, dass sie sich bis Ende des Jahres nicht mehr regenerieren können. Er ist dieses Jahr einen Tag früher als 2017.

Die gesamte Weltbevölkerung bräuchte 1,7 Erden, um den globalen Bedarf an natürlichen Rohstoffen wie Ackerland, Wäldern und Fischgründen nachhaltig zu decken. Wäre der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung so groß wie in Deutschland, dann wäre der Erdüberlastungstag schon am 2. Mai gewesen. Um einen solchen Verbrauch nachhaltig zu decken, bräuchten wir drei Erden. Zum Vergleich: Bei einem weltweiten Ressourcenverbrauch wie in den USA bräuchten wir fünf Erden, bei einem wie in China 2,2, wie in Frankreich 2,8 und in Großbritannien 2,9 Erden.

Um auf die Situation aufmerksam zu machen, kamen am Erdüberlastungstag 2018 mehrere Aktivisten vor dem Brandenburger Tor in Berlin zusammen. "Unsere Erde: Ausgepresst!“ stand auf einem großen Banner. Davor quetschten Aktivistinnen und Aktivisten die Erde aus. Sobald nur noch ihre Hülle übrig war, wurde die nächste genommen.

Landwirtschaft am Pranger

Neben Bundesregierung und Unternehmen sehen die Aktivisten auch die Landwirtschaft in der Pflicht. Die "industrielle Landwirtschaft" sei der Hauptverursacher der Erdüberlastung, so Lena Michelsen vom Inkota-Netzwerk. „Seit der Fusion von Bayer und Monsanto haben nun der größte und der viertgrößte Agrarkonzern der Welt ihren Hauptsitz in Deutschland“, führte Michelsen weiter aus. „Unternehmen wie Bayer und BASF, die mit ihrer Wirtschaftsweise unseren Planeten am stärksten belasten, müssen in besonderer Weise in die Pflicht genommen werden.” Die Bundesregierung könne damit zeigen, dass sie Klima- und Landwirtschaftspolitik zusammendenkt.

„Die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr spielen für die Erdüberlastung eine zentrale Rolle", ergänzt Julia Otten von Germanwatch. „Deutschland gehört zum obersten Viertel aller Länder mit einer enorm großen Erdüberlastung. Deutschland muss jetzt nicht nur den mit einem zügigen Kohleausstieg verbundenen Strukturwandel, sondern auch die Verkehrs- und Wärmewende sowie eine Umstrukturierung der Landwirtschaft entschlossen angehen.”

Kristina Utz von FairBindung fügt hinzu: „Unendliches Wirtschaftswachstum lässt sich nicht vom Ressourcenverbrauch entkoppeln. Durch die Auslagerung der Produktion unserer Güter in andere Länder wälzen wir die Kosten unserer ressourcenintensiven Lebensweise auf den globalen Süden ab.”

Hintergrundinfos

Das Global Footprint Network berechnet jedes Jahr den Tag, an dem die Erdüberlastung erreicht ist (Earth Overshoot Day). Dabei werden zwei rechnerische Größen gegenübergestellt: zum einen die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen, zum anderen der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen.

Mit Material von inkota
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