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Bauern und das Unternehmer-Gen

Sauenstall Bewegungsbucht
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
08.03.2018

Ob es ein Unternehmer-Gen gibt, das wird kein Wissenschaftler beantworten können, aber viele Landwirte haben und vererben es

Sepp Kellerer

Es gibt eine neue Liste der gefährdeten Nutztierrassen. Zählt man die einheimischen Rassen von Pferden, Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen zusammen, so kommt man auf 77 und 55 davon sind gefährdet. Die Anstrengungen, die von Praktikern, Zuchtorganisationen, Staat und Wissenschaft unternommen werden, um die Rassen zu erhalten sind gerechtfertigt. Es geht um den Genpool, der in diesen Rassen steckt.

Wie sieht es da eigentlich bei den Haltern dieser gefährdeten und natürlich auch der anderen Rassen aus? Wie sieht es bei den Landwirten insgesamt aus? Müsste man nicht eigentlich auch bei denen eine Liste der gefährdeten „Rassen“, in dem Fall wohl besser der gefährdeten Betriebszweige aufmachen? Johann Scharl ist einer der wenigen Landwirte – wenn nicht der einzige – die in Bayern im letzten Jahr in die Zuchtsauenhaltung und Ferkelerzeugung investiert haben (Seite 52). Und auch er hat sich den Schritt genau überlegt, die Alternativen hin und her gewälzt, gerechnet und geprüft. Aber dann hat er die Restzweifel beiseite geschoben, den Mut zusammengenommen, eine Entscheidung getroffen und die umgesetzt.

Dabei war ihm durchaus bewusst, dass heute der Grundsatz gilt: „Nix ist mehr fix.“ Das lässt sich zum einen auf die Haltung der Tiere anwenden, die von der Abferkelbucht bis zum Wartestall Freiraum und Bewegung haben. Das gilt aber auch für die Maßnahme insgesamt. Hat man sich früher nach der Hofübernahme für einen Betriebszweig entschieden und darin investiert, dann hat das – vielleicht ein wenig überzeichnet – bis zur Hofübergabe gereicht. Heute ist das anders, da dreht sich das Rad schneller, da müssen Entscheidungen in kürzeren Abständen fallen. Damit steigt zwar vielleicht die Unsicherheit, aber bange machen lassen wir uns davon nicht.

Denn selbst, wenn es eine Rote Liste für gefährdete Betriebszweige gibt, dann steht dabei nicht die Generhaltung im Vordergrund. Die ist gewährleistet, sagt jedenfalls der Kollege Uwe Steffin von agrarheute: „Ob es ein Unternehmer-Gen gibt, das wird kein Wissenschaftler beantworten können, aber viele Landwirte haben und vererben es.“ Dass diese Aussage richtig ist, dafür könnten wir jetzt Johann Scharl anführen oder die Praktiker, die beim Jungunternehmertag in Herrsching (Seite 62) aufgetreten sind. Wir möchten Ihnen aber stattdessen empfehlen, bei sich selber nachzuschauen, Sie werden das Gen finden.

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