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Wirtschaftliche Situation

Besser – aber nicht gut genug!

Verband der
Landwirtschaftskammern
am
23.01.2017

Berlin - Die Landwirtschaftskammern haben ihre Vorschätzung über die Entwicklung der Wirtschaftsergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2016/17 vorgelegt. Die vorliegende Prognose basiert auf den Buchführungsergebnissen von Haupterwerbsbetrieben des Vorjahres 2015/16, auf Ergebnissen des ersten Halbjahres 2016/17 und auf Trendanalysen.

Die mit Beginn des Wirtschaftsjahres 2016/17 einsetzende Preiserholung auf den Märkten für Vieh, Fleisch und Milch lassen nach zwei Jahren mit deutlichen Einkommensverlusten wieder steigende Unternehmensergebnisse erwarten. Eine europaweit abnehmende Milchanlieferung führt zur Erholung auf dem Milchmarkt, die den Futterbaubetrieben deutlich mehr Einkommen beschert. Erwartete Umsatzeinbußen bei Getreide und Raps werden durch Erlöszuwächse im Hackfrucht- und Feldgemüseanbau kompensiert.

Gute Absatz- und Exportmöglichkeiten für Schweinefleisch führen zu positiven Prognosen bei Ferkel- und Schlachtschweinepreisen. Höhere Ausgaben für Viehzukauf und Energie bremsen die Gewinnentwicklungen in allen Betriebsformen. Im Ergebnis werden steigende Gewinne im Wirtschaftsjahr 2016/17 auf das Niveau des Fünfjahres-Mittels prognostiziert.

Wetterkapriolen im Jahre 2016

Weit überdurchschnittliche Niederschlagssummen im Januar und Februar 2016 beendeten die große Trockenheit, die 2015 vor allem im Süden und in der Mitte Deutschlands geherrscht hatte. Im April brachte ein Kaltlufteinbruch im letzten Drittel Schnee bis ins Flachland. Ende Mai und im Juni entluden sich schwere Gewitter mit extremen Regenfällen, die örtlich zu verheerenden Überflutungen führten. Damit war in der ersten Jahreshälfte 2016 häufig schon mehr Niederschlag gefallen als im ganzen Jahr 2015. Dann stellte sich die Großwetterlage um: Die folgenden Monate blieben teils erheblich zu trocken. Ab Juli rollten mehrere Hitzewellen heran. Aber der Hochsommer präsentierte sich kühl und regnerisch.

Erträge der Feldfrüchte unter dem Vorjahr

Der Getreideertrag im Erntejahr 2016 lag insgesamt um 4,5 Prozent niedriger als im Vorjahr. Er traf etwa den Mittelwert der Jahre 2010 bis 2015. Allerdings fiel die Qualität der Ernte, abhängig vom jeweiligen Witterungsverlauf, regional sehr unterschiedlich aus.

Obwohl die Anbaufläche für Raps im Wirtschaftsjahr 2015/16 ausgedehnt wurde, gab die Erntemenge nach. Gerade hier zeigen sich aber große regionale Unterschiede: Während das Ertragsniveau in Süddeutschland gut war, sind die Erträge im Norden teilweise um mehr als ein Viertel eingebrochen.

Für den Kartoffelanbau waren die Witterungsbedingungen ungünstiger. Im Vorteil waren leichtere Standorte unter Bewässerung. Vor allem die Frühkartoffelsaison befriedigte nicht. Die Frühkartoffeln zeigten eine verzögerte Bestandsentwicklung, die nicht mehr kompensiert werden konnte.

Unter dem Vorjahresniveau waren die Erträge bei den Zuckerrüben, die jedoch durch hohe Zuckergehalte kompensiert werden konnten.

Marktfrüchte: Preisentwicklungen zeichnen sich unterschiedlich ab

Trotz geringerer Erntemengen blieben die Erzeugerpreise für Getreide auf einem geringeren Niveau. Weltweit große Ernten sorgten für einen ausreichend versorgten Markt. Nur die Kurse für Raps bewegten sich über dem Vorjahresniveau, da aufgrund der geringen EU-Ernte hohe Einfuhren notwendig sind.

Nach dem deutlichen Preiszuwachs für Kartoffeln im Jahre 2015 wird bei der Vorschätzung ein weiter positiver Preistrend angenommen, so dass höhere Umsatzerlöse im Betriebszweig Kartoffeln zu erwarten sind. Unter Berücksichtigung von vertragsgebundener Ware für die Stärke-, Pommes frites- und Chipsproduktion ergibt sich ein Mischpreis, der noch einmal bis zu einem Viertel über dem Vorjahr liegt.

Bei Zucker stehen die internationalen Märkte nicht mehr unter dem hohen Druck des Vorjahres. Alles in allem können wieder Preise verzeichnet werden, die die 35-Euro-Grenze je abgelieferter Tonne regional übersteigen werden.

Milchpreis stabilisiert sich

Nach einem drastischen Rückgang des Milchpreises in den zurückliegenden zwei Wirtschaftsjahren stabilisiert sich der Markt nun zunehmend. Seit langem wurde im Herbst 2016 wieder die Marke von 30 Cent je kg erreicht bzw. überschritten. Auch für die künftigen Monate bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2016/17 gehen die Landwirtschaftskammern von einer positiven Entwicklung aus.

Im Südwesten, speziell in Rheinland-Pfalz, kommt dieser Trend jedoch nur abgeschwächt bzw. verzögert an. Für das gesamte Wirtschaftsjahr wurde die Vorschätzung dort mit einem Milchpreis von 30 Cent je Liter gerechnet.

Nach Norden werden erfreulichere Auszahlungspreise notiert. Die Landwirtschaftskammern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein legen für ihre Prognose über 30 Cent zu Grunde.

Preise für Rindfleisch tendieren um Vorjahreswert

Vor allem der Importstopp Russlands hält den Rindfleischmarkt weiterhin unter Druck. Die Preise für Jungbullen lagen im ersten Halbjahr 2016/17 geringfügig unter dem Vorjahresniveau. Und die Notierungen für Altkühe haben sich auf niedrigem Niveau eingependelt. Seit der Jahreswende 2016/17 ziehen die Preise für Rinder aber wieder an.

Über das gesamte Wirtschaftsjahr 2016/17 hinweg gesehen prognostizieren die Landwirtschaftskammern leicht sinkende bis hin zu leicht steigende Rindfleischerlöse.

Nervosität am Schweinemarkt

Bereits seit 2014 mussten die Erzeuger mit unbefriedigenden Schweinepreisen zurechtkommen. Diese Entwicklung hat sich im Herbst 2016 gedreht und die Preise steigen wieder. Besonders die asiatischen Märkte (vornehmlich China) zeigen eine rege Nachfrage nach Schweinefleisch aus der EU. Dies führt zu positiven Impulsen am Markt. Ab Jahresbeginn 2017 zeigt sich jedoch auch ein zunehmender Wettbewerb auf den internationalen Märkten. Dennoch gehen die Landwirtschaftskammern von einer insgesamt positiven, weiteren Entwicklung aus. Über das gesamte Wirtschaftsjahr 2016/17 hinweg gesehen wird ein Preisanstieg für die Schlachtschweine von 10 bis 20 Prozent erwartet.

Ferkel stabilisieren sich

Nach schwierigen Jahren der Ferkelproduzenten stabilisieren sich im Sog des Schweinefleischmarktes auch die Ferkelpreise. Gestiegene Anforderungen an die Tierhaltung sorgen für einen weiteren Rückgang des Ferkelangebotes. Die Versorgung kann oftmals nur durch gestiegene Importe gedeckt werden. Für Ferkel deutscher Herkunft werden Preisaufschläge gezahlt. Seit Beginn des Wirtschaftsjahres wurden wieder kostendeckende Ferkelpreise erzielt. Ausgehend von einem weiteren knappen Ferkelangebot und guter Absatzmöglichkeiten wird für die Vorschätzung mit einem Plus von 13 bis 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kalkuliert.

Spezialkosten steigen überwiegend

Überwiegend Kostenreduzierungen lassen sich im laufenden Wirtschaftsjahr bei Düngemitteln realisieren (-15 Prozent bis +4 Prozent).

Die voraussichtlichen Aufwendungen für Treib- und Schmierstoffe ziehen dagegen an. Dies gilt auch für Strom, Heizstoffe und Wasser. Die Landwirtschaftskammern gehen von Kostensteigerungen bis hin zu 10 Prozent aus.

Unterschiedlich wird die Ausgabensituation für Futtermittel bewertet. Im ersten Halbjahr herrschten Mischfutterpreise vor, die unter der Vorjahreslinie lagen. Ab Beginn des laufenden Kalenderjahres zeigen sich anziehende Preisentwicklungen. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen prognostiziert daher Mehrausgaben von bis zu 13 Prozent. Alle anderen Landwirtschaftskammern legen bei ihren Berechnungen Kostenreduzierungen bis zu 6 Prozent zu Grunde. Ausschlaggebend sind dafür regionale Extremwetterlagen, die unter anderem für deutliche Ertragseinbußen beim Grundfutter gesorgt haben.

Einig sind sich die Landwirtschaftskammern, dass für Tierzukäufe tiefer in die Tasche gegriffen werden muss. Hier ist die Spanne zwischen 8 und 22 Prozent zu benennen.

Gemeinkosten entwickeln sich uneinheitlich

Die Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen wird weiterhin auf Sparflamme erfolgen, da mit dem Rückblick auf zwei schlechte Jahre erhebliche Finanzlöcher auszugleichen sind. Nur vereinzelt werden Betriebe investieren und auf Wachstum setzen. Demzufolge ist mit moderat steigenden Aufwendungen für Abschreibungen zu rechnen. Pacht und Mietaufwendungen werden dagegen erneut um 4 bis 8 Prozent steigen.

Unternehmensergebnisse der Futterbaubetriebe erholen sich

Nachdem viele Milchviehalter in den zurückliegenden Jahren aufgeben mussten ist der Markt mittlerweile spürbar entlastet. Bei steigenden Milchpreisen bringt das Wirtschaftsjahr 2016/17 die Trendwende. Die Unternehmensergebnisse steigen wieder und erreichen Größenordnungen zwischen 57.000 EUR (Nordrhein-Westfalen) und 77.000 EUR (Niedersachsen). Daraus resultieren Werte für die Nettorentabilität zwischen 81 und 105 Prozent, die nur regional eine volle Faktorentlohnung ermöglichen.

In Rheinland-Pfalz stellt sich die Milchpreisentwicklung differenzierter dar. Hohe Milchauszahlungspreise aus dem Vorjahr reduzieren die erwarteten Umsatzzuwächse im laufenden Wirtschaftsjahr. Bei tendenziell steigenden Ausgaben geben die Gewinne in Rheinland-Pfalz von 39.000 EUR im Vorjahr auf 33.000 EUR im laufenden Wirtschaftsjahr nach. Die Nettorentabilität sinkt von 59 auf 49 Prozent ab.

Schweinehaltung fängt sich allmählich

Nach einem Durchschnittsergebnis von 30.000 bis 34.000 EUR in den beiden Vorjahren werden sich die Unternehmensergebnisse der spezialisierten Schweinehalter auf Werte zwischen 63.000 und 66.000 EUR erhöhen. Somit können die Veredlungsbetriebe wesentlich zuversichtlicher auf das laufende Jahr blicken. Obwohl sie damit den Schnitt der vergangenen fünf Jahre deutlich übertreffen, ist die Erzielung eines Unternehmergewinns noch in weiter Ferne. Die erwartete Nettorentabilität dieser Betriebsform liegt zwischen 87 und 89 Prozent.

Ackerbau mit Nord-Süd-Gefälle

Im Südwesten können die Unternehmensergebnisse des Vorjahres in etwa gehalten werden. Zu rechnen ist mit Gewinnen zwischen 51.000 und 71.000 EUR. Dabei werden Werte der Nettorentabilität zwischen 73 und 87 Prozent erreicht.

Je weiter man gen Norden schaut, desto stärker werden die Einbrüche. In Niedersachsen könnten die Gewinne um 4 Prozent sinken. In Schleswig-Holstein ist ein drastischer Einkommenseinbruch von bis zu 60 Prozent zu erwarten, da dort die reduzierten Umsatzerlöse für Getreide und Raps nicht durch die stabilisierenden Faktoren aus dem Kartoffel-, Zuckerrüben- oder Feldgemüseanbau ausgeglichen werden können.

Im Weinbau wird erneut Rückgang der Unternehmensergebnisse erwartet

Der 2016-er Jahrgang wird qualitativ wieder ein sehr guter werden. Allerdings liegt die Erntemenge circa 3 Prozent unter der des Vorjahres.

Geringere Ernte, erneut gestiegene Kosten und kaum bessere Preise als im Vorjahr führen in der Summe dazu, dass Weinbaubetriebe 2016/2017 um über 10 Prozent schlechtere Unternehmensergebnisse verzeichnen werden. Daran werden wohl auch aufgrund guter Qualitäten zu erwartende höhere Preise für Flaschenwein nicht viel ändern können.

Exakte Voraussagen sind im Weinbau wegen der großen Bedeutung der Lagerbestände aus Vorjahren nicht möglich.

Gewinne wachsen wieder: Situation bleibt aber angespannt

Im Durchschnitt aller Betriebe und aller Regionen erhöhen sich die Gewinne um 42 bis 58 Prozent. Diese beachtlichen Steigerungen kommen nur durch das niedrige Vorjahresniveau zustande. Erreicht werden absolute Größenordnungen zwischen 47.000 und 68.000 EUR. Das entspricht in etwa dem Durchschnitt der zurückliegenden fünf Wirtschaftsjahre. Aber: Dieser Mittelwert ist durch die verheerenden Ergebnisse der zurückliegenden zwei Jahre deutlich abgesunken. Das heißt, dass die prognostizierten Gewinne noch immer nicht ausreichen, um die eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital voll zu entlohnen. Ein Unternehmergewinn liegt auch im laufenden Wirtschaftsjahr in weiter Ferne.

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