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Preisentwicklung

Bodenpreise staatlich lenken?

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Bodenpreise
© imago/Rainer Weisflog
von , am
12.10.2017

München - Der starke Anstieg der Preise für Acker- und Grünland ist vor allem eine Folge der politischen Rahmenbedingungen.

Ein Kommentar von Hans Dreier, Wochenblatt- Redakteur, Hans.Dreier@dlv.de

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt wie ein riesiges Förderprogramm für Investitionen in Boden – sowohl für Landwirte als auch für Kapitalanleger. Gleichzeitig wird durch die Nullzinsen der Bodenverbrauch für Bauland und neue Straßen angeheizt. Jeder zugebaute Hektar wirkt jedoch wie ein Beschleuniger auf die Nachfrage am Bodenmarkt, denn durch den Verbrauch von 1 ha entsteht eine neue Nachfrage – und zwar gleich um ein Vielfaches. Dafür sorgen zwei weitere staatliche Regelungen.

Erstens: Der verkaufende Landwirt sucht in den meisten Fällen Ersatzgrund, weil er sonst die Hälfte des Verkaufserlöses ans Finanzamt abführen muss. Für die Reinvestition wird jedoch mehr Fläche benötigt, als in Form von teurem Bauland verkauft wurde.

Zweitens: Wer landwirtschaftliche Nutzflächen bebaut, ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet. Auch dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage nach Agrarland, die den Preis nach oben treibt.

Doch was schlagen die Politiker vor? Statt das Problem bei der Wurzel zu packen, würden manche politischen Parteien die Gunst der Stunde gerne nutzen, um steuernd in den Bodenmarkt eingreifen zu können. Doch das ist genau der falsche Ansatz. Wenn die Bremsen angezogen sind, hilft lenken nicht mehr weiter.

Wer den weiteren Anstieg der Bodenpreise verhindern will, muss die Landwirte von den hohen Steuern befreien, die ein Flächenverkauf zur Folge hat. Dann würden auch wieder mehr Flächen zum Verkauf angeboten. Man sollte die Landwirte auch nicht länger zwingen, Erlöse aus Landverkäufen wieder in Land zu investieren. Eine Reinvestition in den Wohnungsbau wäre aus gesellschaftlicher Sicht viel nützlicher.

Liebe Politiker, lockert die Bremse!

Mit Material von Ein Kommentar von Hans Dreier, Wochenblatt-Redakteu,r Hans.Dreier@dlv.de
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