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Verhältnisse wahren

Datenschutz - deutsche Ängste

Datenschutz
Die Bürger wollen nicht mehr mit ihren persönlichen Daten in der Öffentlichkeit auftauchen. © lassedesignen - stock.adobe.com
Hans Dreier, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt ,
am
17.05.2018

Die Europäische Union hat sich den Wunsch der Bürger nach sicheren Personendaten zu Herzen genommen und eine neue Datenschutzverordnung erlassen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das öffentliche Telefonbuch die Visitenkarte vieler Menschen. Jeder wollte drinstehen: mit Wohnort, Telefon- und Faxnummer, mit akademischem Titel und ausgeübtem Beruf.

Diese Offenheit hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt, jetzt herrscht Angst, dass persönliche Daten in die Hände zwielichtiger Leute gelangen oder von Konzernen für Geschäftszwecke genutzt werden könnten. Der besorgte Bürger ruft wie gewohnt nach dem Staat, der bitte unsere Daten schützen möge.

Die Europäische Union hat sich diesen Wunsch nun zu Herzen genommen und eine neue Datenschutzverordnung erlassen, die, wie fast jedes neue EU-Gesetz, eine Menge an Bürokratie mit sich bringt. Und wie fast immer sind von dieser Bürokratie nicht nur Großkonzerne betroffen, sondern jeder noch so kleine Bürger, wenn er Daten anderer Personen verwaltet und nutzt: im Verein, bei der Zimmervermietung, bei der Direktvermarktung.

Millionen Kleinstbetriebe und Vereine sind rechtlich gesehen jetzt eine mögliche „Datenkrake“. Sie müssen künftig wie Großkonzerne jederzeit nachweisen können, welche Personendaten sie wo und wie im Betrieb verwalten. Die Masse der Landwirte ist zum Glück nicht betroffen, da sie weder von Mitarbeitern noch von Kunden persönliche Daten verwalten.

Seitens der EU war eigentlich gar nicht beabsichtigt, die Bürokratie auch auf Kleinstbetriebe auszudehnen. Die EU hat Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten ausdrücklich befreit, es sei denn, die Datenspeicherung berge ein Risiko für die Rechte und Freiheit der betroffenen Personen.

Und was macht man in Deutschland daraus: Unsere Behörden sind der Ansicht, dass ein gewisses Risiko immer bestehe und deshalb auch Vereine und Kleinstbetriebe Aufzeichnungen führen müssen. Die deutsche Gründlichkeit ist manchmal wirklich zum Verzweifeln.

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