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Zukunftsmarkt

Digitale Landwirtschaft - die Industrie startet bereits durch

Climate Field View
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
28.02.2018

Digitale Plattformen werden auch die Landwirtschaft erobern. Das Rennen um die beherrschende digitale Plattform im Agrarsektor läuft bereits auf Hochtouren.

Climate Field View

Dabei setzt man laut einer neuen Untersuchung von PA Consulting Group auf Technologien zur Produktivitätssteigerung durch Datenerfassung und -integration sowie durch Anwendung intelligenter Algorithmen.

Der Marktbefindet sich bereits im Umbruch. Im digitalen Agrartechnikmarkt fanden 136 Transaktionen statt. 11 der größten Landtechnikunternehmen sind Partnerschaften (62%) eingegangen, haben Übernahmen (13%) und Investitionen (25%) getätigt.außerdem gibt es 200 Start-ups und Technologieunternehmen, die seit 1997 in dem Bereich tätig sind.

Ein von der PA Consultung Group erstellte Analyse hebt als zentralen Punkt hervor, dass etablierte Akteure und Start-ups enger zusammenarbeiten müssen. Unternehmen, die diese Entwicklung nicht mitmachen, werden auf der Strecke bleiben, meint Oliver Lofink, der Autor der Studie und Experte für digitale Agrarwirtschaft bei PA Consulting Group.

„Große Namen in den Bereichen Maschinen und Geräte sowie Agrarwirtschaft haben nach der Initialzündung durch Monsanto 2013 die bedeutenden Möglichkeiten erkannt, die sich in der digitalen Agrartechnik eröffnen. Sie alle versuchen nun, möglichst schnell Technologieunternehmen und Start-Ups zu engagieren, die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenstellen, um neue Einsichten zu gewinnen und Landwirten zu helfen, klügere Entscheidungen zu treffen“, so Lofink.

Monsanto und John Deere ganz vorne dabei

Es geht um Einiges: Die Konsumgüterbranche hat gezeigt, dass die ersten Unternehmen, die große Marktanteile erreichen, für gewöhnlich auch weiter den Sektor beherrschen. Apple, Amazon und Google haben von ihren frühen Erfolgen profitiert, Nutzer zu gewinnen. Sie konnten durch rasches Wachstum Bündelungspotenziale nutzen, ihre Plattformen zu attraktiven Hosts für Drittanbieter-Apps machen und die langsamere Konkurrenz ausschalten.

„Jetzt gilt es, sich den Preis der führenden Plattform zu holen. Bislang ist noch nicht klar, welche Plattform gewinnen wird – es scheint aber, dass Monsato und John Deere die Nase vorn haben“, meint Lofink. Monsatos Plattform "Climate FieldView", die der Konzern für 930 $ Millionen mit The Climate Corporation erwarb, hat bereits über 100.000 Nutzer und deckt mehr als 48,6 Millionen Hektar Fläche ab. Währenddessen hat John Deere 12 Partnerschaften geschlossen, um seine Plattform MyJohnDeere zum echten Ökosystem zu erweitern.

Kein einfaches Pflaster

Laut Lofink decken viele der von Agritechunternehmen entwickelten Produkte und Dienstleistungen nur einzelne Teile der Datenwertschöpfungskette ab: Datenerfassung und -analyse oder Decision Support und Implementierung im Feld. Um den maximalen Nutzen für die User zu schaffen, müssen die verschiedenen Teile kombiniert werden.

„Technologieunternehmen, die Drohnen oder Feldsensoren entwickeln, beschäftigen sich zwar mit Datenerfassung – diese Daten sind allerdings erst von Wert, wenn sie analysiert werden, vielleicht von einem innovativen Start-Up, das komplexe Algorithmen entwickelt. Und die Ergebnisse solcher Analysen schaffen erst Wert, wenn sie in Erkenntnisse verwandelt und für Landwirte verfügbar werden, oder direkt in Form automatisierter Applikationen im Feld“, erklärt Lofink.

Laut der Studie fehle 75 Prozent der untersuchten Start-Ups ein sichtbares Ertragsmodell. Lofink meint, auch wenn der Hauptzweck der Unternehmensgründung im späteren Verkauf besteht, müssten diese Unternehmen dennoch ein nachhaltiges Ertragsmodell festlegen, für den Fall, dass sie nicht aufgekauft werden. „Diese Unternehmen finanzieren sich größtenteils durch Risiko- und Privatkapital und können daher rasch neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Aber viele sind in der gefährlichen Lage, dass sie dies tun, ohne ihre Kundengruppe oder Vermarktungswege klar definiert zu haben“, so Lofink.

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