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Betriebseinkommen

Einkommenssituation - Wirtschaftliche Erholung ausgebremt

von am
12.01.2018

Die Landwirtschaftskammern liefern eine erste Prognose für das laufende Wirtschaftsjahr. Es könnte das Niveau des mehrjährigen Mittels in Deutschland erreichen.

Buchführung
Der Höhenflug beim Schweinepreis war nur von kurzer Dauer. Die ersten Zahlen für das Wirtschaftsjahr 2017/2018 werden von den gestiegenen Milcherlösen geprägt. © imago/blickwinkel

Die Landwirtschaftskammern legen ihre Vorschätzung über die Entwicklung der Wirtschaftsergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2017/18 vor. Die vorliegende Prognose basiert auf den Buchführungsergebnissen von Haupterwerbsbetrieben des Vorjahres 2016/17, auf Ergebnissen des ersten Halbjahres 2017/18 und auf Trendanalysen.

Aus Sicht der Landwirtschaftskammern verschlechtern sich nach einem vielversprechenden Beginn wichtige wirtschaftliche Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Betriebe. Dennoch wird prognostiziert, dass sich im Durchschnitt aller Betriebe die Gewinne im Wirtschaftsjahr 2017/18 auf das Niveau des mehrjährigen Mittels stabilisieren.

Eine überwiegend mäßige Ernte in Verbindung mit unbefriedigenden Preisen für Marktfrüchte setzt die Ackerbaubetriebe weiter unter Druck. Die Hochpreisphase für Schweinefleisch und Ferkel ist bereits zu Ende und die Gewinne der Schweinehalter sinken. Lediglich im Futterbau lassen höhere Milchpreise und gestiegene Notierungen für Rindfleisch einen Einkommenszuwachs erwarten.

Erst zu trocken, dann zu nass

Bis Ende Juni 2017 herrschte ein Wasserdefizit vor und es blieb zu kühl. Der Sommer 2017 verlief überwiegend wechselhaft mit mehrfachen Ernteunterbrechungen, vielerorts war er aber auch deutlich zu nass.

Im Herbst fiel regionsübergreifend ungewöhnlich viel Regen. Dies führte zu durchfeuchteten, häufig nicht mehr befahrbaren Böden. Anstehende Feldarbeiten wurden somit verzögert und erschwert.

Die Temperaturen waren mild, aber die Sonne fehlte. Pilzliche Schaderreger breiteten sich aus. Die Aussaat lief vielerorts nur ungleichmäßig auf. Auf nassen Böden, besonders in Norddeutschland, ließen sich im Herbst einige tausend Hektar nicht abernten.

Die mancherorts durch Herbststürme abgeknickten Maisbestände mussten vor der vollständigen Abreife gedroschen bzw. gehächselt werden. Aus pflanzenbaulicher Sicht war das ein schlechter Start in das Wirtschaftsjahr 2017/18.

Druschfrüchte enttäuschend, Hackfrüchte zufriedenstellend

Die Getreide-Anbaufläche gab leicht nach. Zudem fiel die Ernte im Kalenderjahr 2017 insgesamt leicht unterdurchschnittlich aus. Jedoch waren starke, regionale Schwankungen festzustellen. Die erzielten Qualitäten entsprachen nicht überall den Vermarktungsanforderungen.

Auch die Anbaufläche von Deutschlands bedeutendster Ölsaat Raps ging leicht zurück. In Verbindung mit ungenügenden Hektarerträgen fiel die Erntemenge noch kleiner als im Vorjahr 2016 aus.

Der Kartoffelanbau wurde 2017 nach mehrjähriger Flächenreduzierung wieder leicht ausgeweitet. Die Erträge der Kartoffeln waren ausgesprochen gut, die produzierten Qualitäten nicht.

Gleich im ersten Jahr nach dem Wegfall der Zuckermarktordnung war eine erhebliche Ausweitung der Anbaufläche für Zuckerrüben festzustellen. Die Zuckerrübenbestände profitierten vom ergiebigen Regen im Sommer. Überdurchschnittliche Rübenerträge waren die Folge.

Gutes Grundfutter ist rar

Kühles trockenes Wetter im Frühjahr 2017 bremste das Wachstum auf dem Grünland. Etliche viehhaltende Betriebe konnten bis dahin nur unzureichende Grundfuttermengen bergen. Anhaltende Regenfälle in der folgenden Zeit machten zahlreiche Flächen unbefahrbar, so dass der Aufwuchs letztlich abgeschrieben werden musste. Die Nässe führte zu massiven Problemen bei der Konservierung und damit zu Qualitätsmängeln. Demgegenüber bewegten sich sowohl die Aufwuchsmengen als auch die Energiegehalte beim Silomais überwiegend auf hohem Niveau.

Marktfrüchte bringen wenig ein

Die Preisnotierungen für Getreide waren unzureichend und die Märkte reagierten entsprechend: Zum einen herrschte eine sehr gute Versorgungslage am Weltmarkt. Zum anderen bremste der starke Euro die Getreideexporte. Nach den Annahmen aus der Vorschätzung werden die Getreidepreise über das gesamte Wirtschaftsjahr 2017/18 gesehen etwa die Vorjahreswerte erreichen.

Trotz eines geringen Ernteaufkommens liegen die Preise bei Raps unter dem Vorjahr. Aus Südostasien wurde eine zunehmende Palmölproduktion gemeldet, die Vegetationsbedingungen für Soja in Südamerika verbesserten sich stetig und die Rapserträge in Kanada lagen über allen Erwartungen. Diese und weitere Nachrichten begründeten den Trend nach unten. Im Hinblick auf den bei der Prognose veranschlagten Ganzjahrespreis kann bei Raps der Vorjahreswert nicht erreicht werden.

Ein Überangebot an Kartoffeln, oft noch mit mäßiger Qualität, setzte den Markt schwer unter Druck. Die Kartoffelpreise fielen im Spätherbst und sind aktuell so niedrig wie vor zwei Jahren. Seitdem stagnieren die Kurse. Für das komplette laufende Wirtschaftsjahr wird mit weitaus geringeren Preisen als im Vorjahr gerechnet.

Erstmals bildete sich der Preis für Zuckerrüben ausschließlich durch das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und orientierte sich am Weißzuckerpreis. Da die internationalen Märkte komfortabel versorgt waren, der Zuckerrübenanbau in Deutschland ausgedehnt und eine hervorragende Ernte erzielt wurde, gaben die Preise deutlich nach.

Auf und ab bei der Milch

Bis November 2017 blieben die Auszahlungspreise auf hohem Niveau stabil. Die Milchpreise lagen zuweilen sogar über der 40-Cent/kg-Marke. Ab Spätherbst gingen die Preise zurück, so dass für die zweite Hälfte des Wirtschaftsjahres 2017/18 ein flächendeckend niedrigerer Preis erwartet wird. Im Mittel des Wirtschaftsjahres wird dennoch von überdurchschnittlichen Erlösen aus der Milchproduktion ausgegangen.

Schlachtrinder über Vorjahresniveau

Die schon recht hohen Kurse für Jungbullen konnten sich behaupten. Bei einem robusten Markt für Rindfleisch gehen die Landwirtschaftskammern von weiterhin stabilen Preisen aus. Sonstige Schlachtrinder wurden im ersten Halbjahr des Wirtschaftsjahres 2017/18 gut vermarktet.

Schweinefleisch: Wenig Entlastung durch Exporte

Der Rückgang der chinesischen Schweinefleischimporte verstärkte sich bis zum Jahresende. Besonders starke Einschnitte hatten die deutschen Anbieter zu verzeichnen. Wie befürchtet setzten sich die Schlachtereiunternehmen ab Dezember 2017 mit ihren niedrigen Preisvorstellungen durch. Für das zweite Halbjahr des laufenden Wirtschaftsjahres ist von einem fortgesetzten Überangebot an Schweinefleisch auszugehen. Vorherzusehen sind demgemäß schwache bis durchschnittliche Preise für Schlachtschweine. Für das Wirtschaftsjahr 2017/18 wird ein Preis prognostiziert, der um fünf bis sieben Prozent unter dem des Vorjahres liegt.

Ferkel: Ende der Hochpreisphase

Obwohl der Markt für Schlachtschweine unter Druck stand, behaupteten sich die Ferkelpreise zumindest bis zum Spätherbst 2017. In der Folge sinkender Erlöse der Schweinemäster bewegten sich auch die Ferkelnotierungen deutlich nach unten. Die Landwirtschaftskammern gehen davon aus, dass sich die Kurse jedoch auf einem auskömmlichen Niveau einpendeln werden. Diese Prognose gilt jedoch nur dann, wenn der Ausbruch der Afrikanischen Schweinpest verhindert werden kann. Die Ministerien arbeiten bereits unter Hochdruck an Notfallplänen. Die Folgen wären kaum zu übersehen und alle Prognosen im Schweinesektor hätten sich erübrigt.

Spezialkosten mit gegenläufigen Tendenzen

Kostenreduzierungen ließen sich im laufenden Wirtschaftsjahr teilweise beim Futtermittelzukauf und bei Tierzukäufen realisieren. Die voraussichtlichen Aufwendungen für Energie werden mit einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von rund 4 Prozent vergleichsweise deutlich zu Buche schlagen. Die übrigen Raten der Kostensteigerung erscheinen eher moderat. Dies betrifft Düngemittel, Saat- und Pflanzgut, den Pflanzenschutz und auch den Personalaufwand.

Höhere Gemeinkosten

Die tierhaltenden Betriebe sind im laufenden Wirtschaftsjahr wieder in der Lage, in die Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen zu investieren. Demzufolge ist mit steigenden Aufwendungen für die Unterhaltung und mit Mehraufwendungen für Abschreibungen zu rechnen. Pacht- und Mietausgaben werden erneut um 3 bis 5 Prozent steigen.

Situation der Futterbaubetriebe entspannt sich

Eine Trendwende beim Milchpreis im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2016/17 brachte für viele rinderhaltenden Betriebe die Rettung in letzter Sekunde. Die positive Einkommensentwicklung setzte sich auch im laufenden Wirtschaftsjahr fort und ermöglicht es den verbliebenen Landwirten, ihre Betriebe wieder zu festigen.

Gegenüber dem Vorjahr werden die Unternehmensergebnisse weiter steigen und Größenordnungen um 75.000 Euro erreichen können. Daraus resultiert eine volle Entlohnung der eingesetzten Produktionsfaktoren für die Futterbaubetriebe.

Schweinehaltung fällt weich

Der Höhenflug beim Schweinepreis war nur von kurzer Dauer. Die Unternehmensergebnisse sinken im laufenden Wirtschaftsjahr. Um die Betriebe nachhaltig zu festigen, war der Boom zu kurz. Die meisten Schweine werden in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehalten. In diesen Regionen rangieren die berechneten Unternehmensergebnisse der Veredlungsbetriebe um 60.000 Euro. Die Nettorentabilität dieser Betriebsform dürfte zwischen 75 und 90 Prozent betragen. Die eingesetzten Faktoren Boden, Kapital und Arbeit können damit nicht voll vergütet werden, ein Unternehmergewinn ist nicht zu erreichen.

Ackerbau hält das Schlusslicht

Im Ackerbau wird es im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2016/17 kaum Lichtblicke geben. Die Umsatzerlöse je Hektar verharrten auf dem Vorjahresniveau. In Verbindung mit den Kostensteigerungen rutschte die Marktfruchtproduktion nach einem ersten Einbruch im Vorjahr auch 2017/18 weiter ab. Der Gewinnrückgang fällt demzufolge je nach Ausrichtung und Region mit bis zu 26 Prozent unterschiedlich aus. Unternehmen mit der Ausrichtung Getreidebau erreichen ein Unternehmensergebnis um die 40.000 Euro. In Hackfruchtbetrieben ist die Spanne größer und der Gewinn schwankt zwischen 38.000 Euro und 55.000 Euro.

Regionale Unterschiede im Marktfruchtbau

Im Südwesten stagnieren die Gewinne der Ackerbaubetriebe bei ungenügenden Größenordnungen um die 45.000 Euro. Dabei werden Werte der Nettorentabilität von 70 Prozent erreicht. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehen die Unternehmensergebnisse weiter zurück, liegen aber immer noch über denen des Südwestens. In Niedersachsen und NRW werden die Einkommen auf ca. 50.000 Euro (= 60 bis 70 Prozent Nettorentabilität) geschätzt.

Im Weinbau wird ein Rückgang der Unternehmensergebnisse erwartet

Der 2017er Jahrgang wird qualitativ wieder gut werden. Allerdings ging die Erntemenge erneut um zirka 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Eine geringere Ernte, erneut gestiegene Kosten und Schwierigkeiten im Export führen in der Summe dazu, dass Weinbaubetriebe 2017/18 um über 25 Prozent niedrigere Unternehmensergebnisse verzeichnen werden. Aufgrund möglicher Lagerbestände aus Vorjahren sind exakte Voraussagen nicht möglich.

Gesamtergebnis wird von gestiegenen Milcherlösen geprägt

Im Durchschnitt aller Betriebe und Regionen erhöhen sich die Gewinne um bis zu 20 Prozent. Diese Steigerungen müssen vor dem Hintergrund eines nur unterdurchschnittlichen Vorjahres interpretiert werden. Sie kommen vor allem durch höhere Milchauszahlungen zustande. Mit Ausnahme des Futterbaus weist der Trend bei allen anderen Produktionsausrichtungen nach unten. Erreicht werden absolute Größenordnungen zwischen 55.000 und 78.000 Euro. Das entspricht in etwa dem Durchschnitt der zurückliegenden fünf Wirtschaftsjahre. Die prognostizierten Gewinne sind noch immer nicht ausreichend, um die eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital voll zu entlohnen.

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