Login
Gemeinsame Agrarpolitik

Flächenbeihilfen - findet eine Umverteilung statt?

Traktor Straße
Thumbnail
Hans Dreier, Wochenblatt
am
15.03.2018

Die Direktzahlungen der Europäischen Union sind für die landwirtschaftlichen Betriebe nach wie vor von zentraler Bedeutung.

Angesichts dieser Abhängigkeit blicken die Landwirte derzeit gebannt auf die Diskussionen um die Neuausrichtung der EU-Beihilfen nach 2020. Dort wird das System der einheitlichen Flächenprämie zunehmend infrage gestellt. Einig sind sich die EU-Agrarminister derzeit darin, dass die Zahlungen „fairer“ und „gezielter“ eingesetzt werden sollten.

Die einen wollen die Umverteilungsprämie ausbauen, mit höheren Hektarsätzen für eine begrenzte Basisfläche, andere wollen wieder an bestimmte Produkte gekoppelte Beihilfen zulassen.

Die Umverteilungsprämie wird vor allem in Bayern und Österreich favorisiert, weil hier im Schnitt kleine Betriebe überwiegend auf Eigentumsflächen wirtschaften. Höhere Prämien für die ersten Hektare eines Betriebes führen zu einer Verdichtung der Flächenzahlungen auf den Eigentumsflächen, von der zunächst jeder Betrieb, egal ob klein oder groß, profitiert.

Die schon vor einigen Jahren erfolgte Umverteilung auf die ersten 46 Hektar wurde erkauft durch eine Absenkung der Basisprämie. Da es sich bei Flächen ab dem 47. Hektar in den meisten Fällen um Pachtflächen handelt, werden wachstumsfreudige Landwirte dazu angehalten, beim Pachtpreis auf die Bremse zu treten. Insgesamt fließen also weniger Fördergelder an die Verpächter.

Eine noch stärkere Umverteilung auf die ersten Hektare könnte sogar dazu führen, dass viele Verpächter die Bewirtschaftung ihrer Flächen wieder selbst aufnehmen. Eine derartige Umkehrung des Strukturwandels wäre der Traum jedes Agrarpolitikers. Ein Alptraum wäre eine solche Entwicklung freilich für jene Landwirte, die ihr Betriebsmodell auf Pachtflächen gegründet haben und mit der Kündigung ihrer Pachtverträge rechnen müssten.

Auch interessant