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Ökolandbau

Geht Öko auch ohne Vieh?

Getreide wird gestriegelt
Franz Högg, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Kaufbeuren
am
01.06.2018

Derzeit zeigen viele Ackerbaubetriebe Interesse an einer Umstellung auf ökologischen Landbau. Geht das ohne Vieh? Lohnt sich das auch wirtschaftlich? Wir haben den Deckungsbeitrag für ganze Fruchtfolgen durchgerechnet.

Bei den Fachzentren für ökologischen Landbau in Bayern gehen derzeit vermehrt Anfragen von reinen Ackerbaubetrieben ohne Viehhaltung ein, die an einer Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise interessiert sind. Die Fachzentren bieten dazu umfassende Informationen und bei Bedarf auch eine einzelbetriebliche Orientierungsberatung an.

Ökonomik: Die ganze Fruchtfolge betrachten

Die Deckungsbeiträge (DB) stellen eine solide Grundlage für den Vergleich der Wirtschaftlichkeit verschiedener Kulturen und Anbausysteme dar. Weil im ökologischen Landbau nur eine vielfältige Fruchtfolge funktioniert, ist es sinnvoll, den Deckungsbeitrag der gesamten Fruchtfolge zu berechnen und als Vergleichsbasis zu verwenden. Die Nährstoffkosten werden auf der Grundlage des Nährstoffentzugs berechnet, weil auch im ökologischen Landbau eine nachhaltige Bewirtschaftung nur möglich ist, wenn die entzogenen Nährstoffe wieder ersetzt werden. Die Vorgehensweise wird an folgenden Beispielen erläutert:

  • Konventionelle Fruchtfolge, zweigliedrig: Winterweizen (50 %), Zwischenfrucht, Silomais für Biogasanlage (50 %).
  • Konventionelle Fruchtfolge mit Zuckerrüben: Winterweizen (50 %), Zwischenfrucht, Silomais für Biogasanlage (35%), Zuckerrüben (15 %).
  • Öko-Fruchtfolge, fünfgliedrig (mit 20-%-Anteil je Kultur): Kleegras, Winterweizen, Zwischenfrucht, Körnermais, Soja, Dinkel.

Zur Berechnung der Einzel-Deckungsbeiträge dient das LfL-Deckungsbeitrags-Programm, das auf der Homepage der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft frei zur Verfügung steht  www.stmelf.bayern.de/idb . Hier können die Deckungsbeiträge und auch die Vollkosten von zahlreichen konventionellen und ökologischen Kulturen sowohl mit voreingestellten Durchschnittswerten als auch mit eigenen Angaben berechnet werden. Für die vorgestellten Fruchtfolgen wird der fünfjährige Betrachtungszeitraum 2012 bis 2016 verwendet. Für die Öko-Fruchtfolge werden die eingestellten bayerischen Durchschnittserträge übernommen, für die konventionelle Fruchtfolge werden über dem bayerischen Durchschnitt liegende Erträge eingesetzt.

Mann prüft gemähtes Kleegras

Beim Öko-Kleegras handelt es sich um die Mulch-Variante. Hier wäre es alternativ auch möglich, das Kleegras an eine Biogasanlage zu verkaufen und im Gegenzug Gärsubstrat zurück zu nehmen. Dies ist nach EU-Öko-Verordnung bei Biogasanlagen zulässig, in die keine Gülle aus konventioneller Schweinehaltung mit Vollspalten oder aus Betrieben mit über 2,5 Großvieheinheiten pro ha eingebracht wird. Die Öko-Verbände haben noch strengere Vorgaben. Sie erlauben grundsätzlich keine konventionelle Gülle. Die Verwertung des Kleegrasaufwuchses über Biogas oder die Tierhaltung eines anderen Betriebes hat grundsätzlich den Vorteil, dass dem Biobetrieb Gärsubstrat oder Gülle für eine gezielte Düngung zum Beispiel von Qualitätsweizen zur Verfügung steht. Dadurch lassen sich die erforderlichen Eiweiß- bzw. Klebergehalte sicherer erreichen als über die gemulchte Kleegras-Vorfrucht. Ansonsten hängt die Wirtschaftlichkeit der Verwertung des Kleegrases über die Biogasanlage im Wesentlichen von dem Preis für das Kleegras, der Entfernung und den Transportkosten ab.

Bei den Kosten für Stickstoff wird bei den Öko-Deckungsbeiträgen vom LfL-Programm abgewichen. Statt den 5,26 €/kg N, die sich auf die N-Kosten von Haarmehlpellets beziehen, werden pauschal 2,0 €/kg N angesetzt. Denn im Öko-Ackerbau werden selten Haarmehlpellets oder ähnlich teure N-Dünger eingesetzt, so dass die 2,0 €/kg N praxisrelevanter erscheinen. Auf den Fruchtfolge-Deckungsbeitrag der im Folgenden beschriebenen Öko-Fruchtfolge wirkt sich dies ohnehin kaum aus, da die N-Bilanz dieser Fruchtfolge nur minus 4 kg N/ha u. Jahr beträgt.

Öko-Deckungsbeitrag liegt deutlich vorn

Der Vergleich zeigt einen deutlichen Vorteil der Öko-Fruchtfolge. Bei der Fruchtfolge mit Zuckerrüben ist zu beachten, dass hier der Betrachtungszeitraum 2012 bis 2016 zugrunde gelegt ist und dass nach dem Quotenende der Deckungsbeitrag für Zuckerrüben deutlich gefallen ist. Weiter ist zu berücksichtigen, dass für den Vergleich eine einfache Öko-Fruchtfolge gewählt wurde, die kein spezielles produktionstechnisches know how und kein besonderes Betriebsmanagement erfordert. Längerfristig könnte auch der Öko-Ackerbau weiter spezialisiert werden, mit Anbau noch anspruchsvollerer Kulturen mit höherem Deckungsbeitrag wie z. B. Zuckerrüben, Kartoffeln, Zwiebeln und Gelbe Rüben.

Wie verändern sich die Festkosten?

Bei vielen Betrieben ist die Anschaffung eines Striegels und eines Hackgerätes erforderlich. Ob im Gegenzug die Pflanzenschutzspritze verkauft werden kann, hängt in erster Linie davon ab, welche Kulturen künftig vorgesehen sind. Bei Getreide und Mais beispielweise ist es eher unwahrscheinlich, dass eine Pflanzenschutzspritze benötigt wird. Bei Kartoffeln hingegen ist sie zur Kupferspritzung absolut notwendig und bei Zuckerrüben könnte sie zur Ausbringung von Spurennährstoffen erforderlich sein. Weiter fallen Kontrollkosten an. Diese sind meist nur teilweise durch den Kontrollkostenzuschuss im Rahmen des Öko-Kulap abgedeckt, der 35 €/ha für maximal 15 ha, also höchstens 525 € beträg. Bei einem Betrieb mit 100 ha Ackerfläche liegen die Kontrollkosten bei etwa 600 €. Weiter ist zu beachten, dass während der Umstellungszeit nur Umstellungsware, die niedrigere Preise erzielt, erzeugt werden kann. Umstellungsware gibt es praktisch nur bei Futtermitteln. Denn in der Ration von Biobetrieben darf bis zu 30% zugekauftes Umstellungsfutter enthalten sein. Bei Erzeugnissen für die menschliche Ernährung wie Brotgetreide, Zuckerrüben und Kartoffeln gibt es keine Umstellungsware.

Einen gewissen Ausgleich für die niedrigeren Produktpreise während der Umstellungszeit stellt die höhere Öko-Kulap-Förderung dar. In den ersten beiden Jahren erhalten Neueinsteiger jährlich 350 €/ha statt den 273 €/ha, die es dann im 3. bis 5. Jahr des fünfjährigen Verpflichtungszeitraumes gibt.

Rahmenbedingungen für Umstellung günstig

 Wie sich die Umstellung eines Betriebes konkret auswirken würde, lässt sich mit einem Vergleich des Fruchtfolge-Deckungsbeitrags der bestehenden Fruchtfolge mit einer angestrebten Öko-Fruchtfolge relativ gut abschätzen. Weiter sollte noch berücksichtigt werden, ob die Anschaffung von Maschinen erforderlich ist und ob weitere Auswirkungen auf die Festkosten bestehen.

Aber dennoch ist das Ergebnis mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Zum einen können die Erträge, die künftig im Öko-Betrieb erzielt werden, schlechter abgeschätzt werden, weil hier weniger Erfahrungswerte vorliegen als bei konventionellen Kulturen. Zum anderen ist die Entwicklung sowohl der konventionellen als auch der ökologischen Produktpreise von sehr vielen Faktoren abhängig und somit nicht genau vorhersehbar. Aber ganz allgemein lässt sich sagen, dass die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für eine Umstellung auf ökologischen Landbau gerade für Ackerbaubetriebe selten so günstig waren wie jetzt.

Den ganzen Artikel, einschließlich verschiedener Tabellen zur DB-Berechnung, gibt es in Heft 22.

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