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Digitalisierung

Gibt es Akzeptanz für Agrarroboter?

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
28.03.2018

Wissenschaftler arbeiten unter dem Stichwort „Landwirtschaft 4.0“ an mathematischen Modellen, die leblosen Dingen das Denken beibringen.

Als am 6. August 1991 die erste Webseite veröffentlicht und das Internet für jedermann zugänglich gemacht wurde, ahnte kaum ein Bauer, der damals gerade mit der Weizenernte beschäftigt war, wie sich sein Leben durch diese neue Technologie verändern würde. Heute rufen Landwirte mit dem Smartphone vom Mähdrescher aus die Weizenpreise der Warenterminbörse ab oder holen die Wettervorhersage auf das Display, während ein per Fernwartung zugeschalteter Monteur die Ursache für eine Störung an der Maschine sucht. Spätestens seit Einführung der HIT-Tierdatenbank und des Mehrfachantrags online kann es sich kein Betriebsleiter mehr leisten, keinen Zugang zum Internet zu haben.

Doch all das war nur ein kleiner Schritt im Vergleich dazu, was noch kommen wird. Wissenschaftler arbeiten unter dem Stichwort „Landwirtschaft 4.0“ an mathematischen Modellen, die leblosen Dingen das Denken beibringen. Gefüttert mit Millionen Daten von Sensoren und aus dem Internet wollen sie Feldern, Maschinen oder Ställen künstliche Intelligenz einhauchen und zu selbstständigem Handeln befähigen. Die hilfreichen „Geister“ übernehmen für uns dann auch organisatorische und kaufmännische Aufgaben.

Die Landwirtschaft muss jedoch aufpassen, dass die nächste Stufe des technischen Fortschritts den Graben nicht weiter vergrößert, der zwischen Öffentlichkeit und Landwirtschaft in den letzten Jahren aufgerissen ist. Denn die Deutschen lehnen alles Moderne in der Landwirtschaft ab und verlangen permanent die Rückkehr zur Landwirtschaft 1.0. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Gesellschaft, die Bauernhöfe mit einem Streichelzoo verwechselt und sich Weizenfelder wünscht, die einer Blumenwiese gleichen, die digitale Revolution in der Landwirtschaft akzeptieren wird. Das Schicksal der Gentechnik sollte uns eine Warnung sein.

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