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JGS-Anlagen

Güllelager - das richtige Augenmaß zählt

Augenmaß
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
31.05.2019

Erdbehälter für Gülle sind an sich sehr sicher. Eine zusätzlicher dichter Folienmantel bringt deshalb nur wenig.

Wasserschutz und Güllelager, wie geht beides zusammen? Oberstes Gebot ist, die Behälter müssen standfest und für Flüssigkeiten undurchlässig sein. Dafür sorgt eine massive Umfassung mit Stahlbeton. Weitere Maßnahmen können, je nach Erfordernis, hinzukommen.

Die AwSV schreibt für nicht einsehbare Bereiche ein System vor, das den Landwirt Leckagen erkennen lässt. Im Technischen Regelwerk findet sich eine Skizze dazu, die eine von unten bis zur Geländeoberkante in einem Stück durchgehende Folie vorsieht. Aus der AwSV lässt sich diese Ausgestaltung der Leckageerkennung nicht ableiten.

Damit ist sie zum Streitfall geworden, denn sie weist einen im wahrsten Sinn des Wortes gewichtigen Nachteil auf: Hohlkörper müssen in einer dichten Wanne oder Tüte gegen das Aufschwimmen gesichert werden. Es muss also deutlich mehr Stahl und Beton im Boden versenkt werden, um der Auftriebskraft eine ausreichende Abtriebskraft entgegenzusetzen.

Daraus resultieren höhere Drücke, der die Folie standzuhalten hat. Sie muss also dicker ausfallen und aus einem festen Material, z. B. HDPE, wie es für Getränkeflaschen verwendet wird, sein. Das Ganze artet also zu einer Materialschlacht aus und wirft neue Fragen auf. Zum Beispiel: Wie lässt sich eine derartig schwere und starre Folie unter einer Bodenplatte ein- und dann an dem runden Behälter faltenfrei hochziehen?

Die Alternative bietet die von Behälterbauern favorisierte Leckageerkennung aus zwei Folien mit einer Notentlastung im Überlappungsbereich. Diese Bauform ist deutlich ressourcenschonender bei gleicher Standfestigkeit. Zwischen Folie und Behälter eindringende Flüssigkeit kann über die Notentlastung entweichen. Sie wäre also in diesem Fall nicht zu 100 % dicht. Ein Abgleich mit den Anforderungen der AwSV liefert dennoch keine Anhaltswerte, warum diese Bauform bei richtiger Ausgestaltung nicht AwSV-konform sein sollte.

Von den in der Vergangenheit aufgetretenen Havarien waren meist Hochbehälter im oberirdischen Teil betroffen. Als Ursachen erwiesen sich menschliches Versagen – mitunter auch Materialermüdung an Armaturen. Risikoanalysen zeigen, dass eine dichte Ausführung des unterirdischen Teils in diesen Fällen eigentlich nichts gebracht hätte. Warum also mehr Plastik, Beton und Stahl im Boden vergraben als nötig? Das macht auch aus ökologischer Sicht keinen Sinn.

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