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Darlehen

Kreditbürgschaft zukaufen?

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
10.05.2016

Die Bürgschaftsbank Bayern steht jetzt auch Landwirten offen. Gegen eine Provision kann man dort Bürgschaften einkaufen.

Durch die verbesserte Kreditsicherung lassen sich mehr Zinsen sparen, als die Bürgschaft kostet.

Kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe können Kredite für ihre Investitionen häufig nur mit ergänzenden Sicherheiten bekommen. Vor allem Pächter und Gründer haben oft keine Sicherheiten zu bieten. Das können Bürgschaften für Agrarunternehmen ausgleichen.

„Mit dem neuen Programm Agrar-Bürgschaft bieten wir eine zusätzliche werthaltige Kreditsicherheit für die Investitionsfinanzierungen kleiner und mittlerer Unternehmen aus Landwirtschaft, Fischzucht, Aquakultur, Forstwirtschaft und dem nicht gewerblichen Gartenbau“, informiert die Bürgschaftsbank Bayern. Verbürgt würden allerdings nur Kredite, die über die jeweilige Hausbank bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank refinanziert werden. Es kommen also nur Rentenbankkredite infrage.

Die Bereitstellung der Bürgschaften erfolgt mit Unterstützung des Europäischen Investitionsfonds (EIF) in Verbindung mit dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen („EFSI“). Über beide Fonds stehen Bürgschaften in Höhe von 400 Mio. € zur Verfügung. Die Mittel stammen aus dem EU-Programm COSME zur Förderung von Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Sie ermöglichen Investitionen von rund 670 Mio. €. Das Programm läuft seit Oktober 2015 - zunächst bis 2018.

Existenzgründer und Hofnachfolger

Zielgruppe sind laut Bürgschaftsbank insbesondere Existenzgründer, Nachfolger sowie bestehende landwirtschaftliche Betriebe. Das gilt sowohl für Landwirte als auch für Fischzucht- und Forstwirtschaftsbetriebe sowie für nicht gewerbliche Gartenbauunternehmen.

Welche Vorhaben werden gefördert?

  • Verbürgt werden Kredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank für
  • Aus- und Umbauten;
  • Neuinvestitionen, Ersatzbedarf und Modernisierungen/Rationalisierungen in Betriebseinrichtungen und Produktionsanlagen;
  • Erwerb eines Agrarbetriebs;
  • Erwerb von Gesellschaftsanteilen (Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung);
  • Nachfolgeregelungen;
  • Existenzgründungen;
  • Anlaufkosten und Markteinführungskosten für neue Geschäftsfelder;
  • Kooperationen, Marketingmaßnahmen sowie Qualifizierungen.

Nicht verbürgt werden können reine Liquiditätsfinanzierungen, die über „weiche“ Investitionen, wie zum Beispiel eine Erstausstattung mit Futter oder eine Maschinenschulung, hinausgehen.

Keine Bürgschaften für Liquiditätskredite

Bürgschaften werden gewährt für Kreditsummen (je Betrieb/Unternehmen) von:
maximal 1,0 Mio. € bei bestehenden Unternehmen oder Betriebsübernahmen;
maximal 0,5 Mio. € bei Existenzgründungen.
Hierfür kann die Hausbank eine 60%ige Absicherung durch die Bürgschaftsbank erhalten.  Die Laufzeit der Bürgschaft beträgt maximal 10 Jahre; unabhängig von der Laufzeit des Darlehens.

Die Bürgschaft ist kostenpflichtig

Die Bürgschaft ist nicht kostenlos, der Kreditnehmer muss dafür eine Provision an die Bürgschaftsbank bezahlen. Die Ermittlung der Bürgschaftsprovision orientiert sich an der Bonitätseinschätzung der Hausbank im risikogerechten Zinssystem (RGZS) der Förderbanken. Auch die Landwirtschaftliche Rentenbank setzt das RGZS zur Preisfindung ihrer Förderkredite ein. In Anlehnung an dieses System wird die Bürgschaftsprovision für die Bürgschaftskredite ermittelt.

Dazu informiert die Hausbank die Bürgschaftsbank im Bürgschaftsantrag über die von ihr ermittelte Bonität des Unternehmens und ordnet die Bonität auf eine Skala von 1 bis 7 ein. Anhand der Tabelle ergibt sich die für den Bürgschaftskredit fällige Provision. Auf diese Weise kann die Bürgschaftsprovision  individuell und risikogerecht gestaltet werden.

Ein Beispiel, wie die Bürgschaft wirkt

Durch die Agrar-Bürgschaft der Bürgschaftsbank gilt der Kredit zu mindestens 60 % als werthaltig besichert. Damit verbessert sich in jedem Fall die Besicherungsklasse. Der Kreditnehmer erreicht dadurch eine günstigere Preisklasse (zum Beispiel bei Bonitätsklasse 3 von Preisklasse G nach D). In der Regel ist die Verbesserung bei der Verzinsung höher als die zu zahlende Bürgschaftsprovision.
Beispiel: In der nebenstehenden Tabelle wird der Kreditwunsch eines Landwirts in die Bonitätsklasse 3 und die Besicherungsklasse 3 (unter 40 % Absicherung) eingestuft. Daraus ergibt sich die Zuordnung zur Preisklasse G, die einen Zinsaufschlag von 3,0 % vorsieht.

Durch die Einbringung der Bürgschaft verbessert sich die Besicherung auf 60 % und der Kredit wird von Klasse 3 nach 2 umgestuft. Er befindet sich nun in der Preisklasse D, die nur einen Zinssatz von 1,2 % vorsieht. Zusammen mit der Bürgschaftsprovision in Höhe von 0,7 % ergeben sich Zinskosten von insgesamt 1,9 %. Unterm Strich verbleibt dem Landwirt damit ein Preisvorteil von 1,1 %.

Nur rentable Vorhaben werden gefördert

Das Ziel der Bürgschaften ist die Förderung von Investitionen in rentable Vorhaben. Betriebe, die in Liquiditäts- und Ertragsschwierigkeiten stecken, kommen dafür ausdrücklich nicht infrage. „Bei dem geplanten Vorhaben muss es sich unter Berücksichtigung des marktrelevanten Umfeldes um ein wirtschaftlich sinnvolles Vorhaben zur Schaffung bzw. Sicherung einer tragfähigen Existenz handeln“, betont die Bürgschaftsbank.
Voraussetzung ist außerdem, dass der Betriebsleiter über die fachliche und kaufmännische Eignung verfügt, um das Projekt erfolgreich umsetzen zu können. Die wirtschaftlichen Verhältnisse (sowohl privat als auch betrieblich) müssen geordnet sein.

Fazit

Wer Interesse an dem Bürgschaftsprogamm hat, sollte frühzeitig mit seiner Bank sprechen, da der Bürgschaftsantrag vor Beginn des Vorhabens zu stellen ist. Es müssen auch zahlreiche Unterlagen (zum Beispiel betriebliche Zahlen, private Vermögenssituation, Ertragsvorschau) vorgelegt werden.

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