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Mehr als nur Hühnerfutter

Peter-Schubert_Soja_B
Hella Hansen
am
13.06.2018

Heimisches Eiweiß ist ein wertvolles Futter. Aber Ackerbohne und Erbse können noch mehr, wie Peter Schubert beweist.

Hofladen_B

Der Hühnerhalter Peter Schubert experimentiert gerne und probiert Neues aus, ohne vorher alle Eventualitäten zu kalkulieren. Damit fährt er in der Regel gut. „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“, scherzt er. Im Jahr 2008 übernahm er den elterlichen Hof in Igensbach (Lks. Forchheim) und stellte nach und nach komplett auf Bio um, auch die Junghennenaufzucht. Ackerbohnen und Erbsen sind seit der Umstellung ein fester Bestandteil der Fruchtfolge. „Sie bringen nicht nur Stickstoff in den Boden, sondern sind auch ein extrem wertvolles, eiweißreiches Futter“, weiß Schubert. Den Leguminosenanteil im Futter der Hühner baut er deshalb seit 2014 kontinuierlich aus. Gute Erfahrungen hat er mit Ackerbohnen gemacht. Hinzu kommen Sonnenblumenkuchen, Rapskuchen, Sojakuchen, Luzerne und Kleegras.

Erbsennudeln-natur-Ei_B

Ein Versuch frei nach dem Motto „blindes Huhn“ hat Schubert vor einiger Zeit mit Hirse gemacht. Er säte die Kultur im Mai auf einen Acker, der voller Ackerfuchsschwanz war: Mit großem Erfolg. Die Hirse gedieh und brachte einen ansehnlichen Ertrag. „Sie hat eine super Aminosäurenzusammensetzung und ist neben Erbse und Bohne eine hervorragende Ergänzung im Tierfutter“, erklärt der Landwirt.

Eiweiß für den Trog und den Teller

Aus einem kleinen Teil der Erbsenernte macht Schubert seit 2016 Erbsennudeln. Sie heißen Low Carb, weil sie weniger Kohlenhydrate und mehr Eiweiß enthalten als herkömmliche Nudeln. Schubert bietet die Varianten Natur, Chili, Spinat, Tomate und Basilikum an. Alle ohne Ei und somit vegan. Die Eiweißnudeln hat das Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne mit entwickelt. „Hülsenfrüchte haben ernährungsphysiologisch viele Vorteile“, sagt Irene Jacob, Mitarbeiterin in diesem Netzwerk. „Sie sind ballaststoffreich und reich an sekundären Pflanzenstoffen. Bei Diabetikern bewirkt eine Ernährung, die reich an Hülsenfrüchten ist, deutlich bessere Blutzuckerwerte. Es steckt also viel Potenzial in diesen Produkten. Die Verbraucher müssen sie jedoch erst kennenlernen.“

Nudelmachen ist (k)eine Kunst

„Nudeln machen kann jeder“, findet Schubert und stapelt mit dieser Aussage ziemlich tief. Schließlich gehört er zu den Pionieren, die sich an die Herstellung von Erbsennudeln wagten. Der hohe Eiweißanteil von circa 24 % beeinflusst die Konsistenz. „Wir haben experimentiert und festgestellt, dass es am besten funktioniert, wenn die Nudeln dickwandiger sind“, erklärt Schubert. Das Mehr an Eiweiß führt dazu, dass die Nudeln schnell zerkochen. „Es ist deshalb auch sehr wichtig, die Uhr zu stellen und sie keinesfalls länger als sechs Minuten im Kochwasser zu lassen.“ Derzeit probiert er auch eine Variante mit Eianteil, die sich sehr gut macht. „So werden die Nudeln noch eiweißreicher. Für Veganer sind sie dann allerdings nicht mehr geeignet“.

Und was sagen Schuberts Kunden? „Fans von Hartweizengrießnudeln kann ich natürlich mit den Erbsennudeln nicht kommen“, scherzt der Landwirt. „Aber ansonsten bekommen wir viel positives Feedback. Vor allem von Vegetariern und Veganern, für die die Nudeln eine willkommene Eiweißquelle sind und von Menschen mit Glutenunverträglichkeit, die hier eine Alternative zu Weizenprodukten haben.“
Zu Beginn ließ Schubert das Mehl in einer Mühle in der Nähe mahlen. Jetzt mahlt er das Erbsenmehl selbst mit einer Zentrofan-Mühle. Seitdem hat sich die Qualität noch mal verbessert. Die regionale Wertschöpfung ist Peter Schubert sehr wichtig und kommt bei seinen Kunden sehr gut an.

Gockelaufzucht und Herren-WG

Genau wie bei den Gockelprodukten: Seit 2010 zieht er so viele Gockel wie möglich mit auf. Während der ersten Wochen leben sie gemeinsam mit ihren Schwestern – den zukünftigen Biolegehennen. Nach etwa acht Wochen ziehen sie dann in eine Herren-WG mit Wintergarten und Grünauslauf. Erst im Alter von circa 20 Wochen haben die Gockel ein akzeptables Schlachtgewicht erreicht. Bis dahin sind die robusten Burschen mit viel Bewegung und Auslauf he- rangewachsen. „Gockelaufzucht kostet pro Tier circa sechs bis acht Euro mehr, was einen Mehrpreis für die Kunden bedeutet“, erklärt Schubert und ergänzt: „Das Projekt wäre beinahe in die Hose gegangen. Ich musste und muss viel Aufklärungsarbeit leisten. Doch die, die ich überzeugen konnte, maulen nicht mehr über die Preise“.

Für die Gockel ist das regionale Futter mit Ackerbohnen, Erbsen und Hirse gerade gut genug. „Kunden dieser Produkte sind informiert und reflektiert. Sie wollen leckeres Essen genießen, wertschätzen es jedoch zusätzlich hoch, wenn die Wertschöpfung in der Region bleibt und ein hoher Standard für den Tierschutz erfüllt wird“, weiß Schubert. Er freut sich über dieses neue Bewusstsein, durch das er neue Wege gehen und seine Überzeugung umsetzen kann. Hella Hansen

Leguminosenanbau und -verwendung im Betrieb

Peter Schubert baut auf circa 15 % seiner insgesamt 100 ha Ackerfläche die Leguminosen Soja, Ackerbohnen und Erbsen an. Davon sind circa 25 % Soja, der Rest je zur Hälfte Ackerbohnen und Erbsen. 90 bis 95 % der Ernte verwendet er als Hühnerfutter. „Hier ist vor allem eine gute Aufbereitung wichtig sowie die richtigen Sorten“, betont der Landwirt. Er schält die Leguminosen und entfernt so einen Teil der Bitterstoffe, sodass es den Tieren besser schmeckt. Genauso ist es mit den Sorten. Hier wählt Schubert tanninarme Sorten mit wenig Bitterstoffen aus. „Leguminosen wie Erbsen und Bohnen fördern die Bodenfruchtbarkeit enorm, sind aber nicht ganz leicht anzubauen“, erklärt Irene Jacob vom Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne, die Schuberts Betrieb betreut. „Mit unserem Projekt wollen wir das Wissen um diese heimischen Pflanzen wieder neu beleben und Vermarktungswege aufzeigen“, erklärt die Expertin.

Leguminosenanbau und -verwendung im Betrieb

Peter Schubert baut auf circa 15 % seiner insgesamt 100 ha Ackerfläche die Leguminosen Soja, Ackerbohnen und Erbsen an. Davon sind circa 25 % Soja, der Rest je zur Hälfte Ackerbohnen und Erbsen. 90 bis 95 % der Ernte verwendet er als Hühnerfutter. „Hier ist vor allem eine gute Aufbereitung wichtig sowie die richtigen Sorten“, betont der Landwirt. Er schält die Leguminosen und entfernt so einen Teil der Bitterstoffe, sodass es den Tieren besser schmeckt. Genauso ist es mit den Sorten. Hier wählt Schubert tanninarme Sorten mit wenig Bitterstoffen aus. „Leguminosen wie Erbsen und Bohnen fördern die Bodenfruchtbarkeit enorm, sind aber nicht ganz leicht anzubauen“, erklärt Irene Jacob vom Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne, die Schuberts Betrieb betreut. „Mit unserem Projekt wollen wir das Wissen um diese heimischen Pflanzen wieder neu beleben und Vermarktungswege aufzeigen“, erklärt die Expertin.

Betriebsspiegel

Betrieb: Geflügelhof Schubert

Bewirtschaftung: Junghennenaufzucht wurde ab 2001 auf Bio umgestellt. Seit 2009 wird der gesamte Betrieb nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet und ist nach Demeter-, Bioland- und Naturlandrichtlinien zertifiziert

Arbeitskräfte: Acht Mitarbeiter in der Landwirtschaft, 14 in der Veredlung, zwei im Vertrieb

Fläche: 100 ha Ackerfläche

Tierhaltung: 5000 Legehennen, 39 000 Junghennen (eigene Brüterei), 20 000 Junggockel

Futter: 100 % Biofutter, zum Großteil vom eigenen Hof oder durch Kooperationen aus der Region

Fruchtfolge: Kleegras, Weizen, Triticale, Ackerbohne oder Erbse, Weizen, Kleegras

Vermarktung: Erbsennudeln, „Gockelprodukte“, Nudelsoßen, Fruchtaufstriche, Honig über den Hofladen und online.

Betriebsspiegel

Betrieb: Geflügelhof Schubert

Bewirtschaftung: Junghennenaufzucht wurde ab 2001 auf Bio umgestellt. Seit 2009 wird der gesamte Betrieb nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet und ist nach Demeter-, Bioland- und Naturlandrichtlinien zertifiziert

Arbeitskräfte: Acht Mitarbeiter in der Landwirtschaft, 14 in der Veredlung, zwei im Vertrieb

Fläche: 100 ha Ackerfläche

Tierhaltung: 5000 Legehennen, 39 000 Junghennen (eigene Brüterei), 20 000 Junggockel

Futter: 100 % Biofutter, zum Großteil vom eigenen Hof oder durch Kooperationen aus der Region

Fruchtfolge: Kleegras, Weizen, Triticale, Ackerbohne oder Erbse, Weizen, Kleegras

Vermarktung: Erbsennudeln, „Gockelprodukte“, Nudelsoßen, Fruchtaufstriche, Honig über den Hofladen und online.

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