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Zuverdienst

Nebenerwerb - breit aufgestellt

Winterdienst
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Hans Dreier, Wochenblatt
am
07.02.2019

Bayern ist das Land der Nebenerwerbslandwirte.

Von den 106.700 landwirtschaftlichen Betrieben (ab 1 Hektar), werden laut dem letzten Agrarbericht 64.900 im Nebenberuf betrieben (61 Prozent) und nur 41.800 im Haupterwerb (39 Prozent). Der durchschnittliche Nebenerwerbsbetrieb bewirtschaftet 20 Hektar und erzielt einen Gewinn von rund 15 000 Euro.

Aufgrund der geringen Betriebsgrößen in Bayern wirft der Großteil der Höfe nicht genügend Gewinn ab, um damit eine Großfamilie zu ernähren. Die Umstellung auf Ökolandbau, wie beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ jetzt suggeriert wird, wäre bei dieser Größenordnung auch keine Lösung, um zum Vollerwerb zurückkehren zu können, denn auch im Ökolandbau werden die Betriebe immer größer – die Durchschnittsgröße eines bayerischen Biohofs liegt inzwischen bei 55 Hektar.

Statt ständiges Größenwachstum in der Landwirtschaft haben zwei Drittel der Bauern das Wachstum außerhalb der Landwirtschaft als Weg der Einkommenssicherung gewählt: als Selbstständige, durch Aufbau eines Gewerbes im Bereich Handwerk, Handel, Energie und Immobilien oder als angestellte Arbeitnehmer. Mit zwei, drei und manchmal vier verschiedenen Einkommensquellen sind viele Nebenerwerbshöfe heute sehr breit aufgestellt und können frei und unabhängig ihr Leben gestalten.

Möglich gemacht hat das die gute Schul- und Berufsausbildung, von der auch die Landbevölkerung in den letzten Jahrzehnten profitieren konnte. Der Nachwuchs auf Bayerns Höfen ist bestens ausgebildet, oft mit zwei Berufsabschlüssen oder Studium, und kann sich entsprechend seiner Interessen entfalten. Obwohl sie ihr Geld überwiegend außerhalb der Landwirtschaft verdienen, sind die meisten Nebenerwerbslandwirte von ganzem Herzen weiterhin Bauer und der Hof ist ihr Lebensmittelpunkt, um den sich alles dreht.

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