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Kommentar der Redaktion

Dem Neuen eine Chance geben

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
10.05.2016

München - Wer derzeit die Kreditangebote der Landwirtschaftlichen Rentenbank studiert, reibt sich verwundert die Augen.

Für sage und schreibe 1,0 %, fest für zehn Jahre, können Junglandwirte ein Darlehen bekommen, um Investitionen in ihrem Betrieb zu ermöglichen. Da würde man nur zu gerne zugreifen.
Geht man jedoch zur Bank, um sich ein konkretes Projekt durchrechnen zu lassen, stehen auf dem Angebot plötzlich 2 oder 3 % oder noch mehr. Den Zinssatz von 1,0 % bekommen nämlich nur die Erste-Klasse-Kunden oder A-Kunden. Darunter verstehen die Banken einen Kreditnehmer, bei dem sie sicher sein können, dass er das Darlehen planmäßig abbezahlen wird und notfalls ausreichend Sicherheiten vorhanden sind.

Die Bereitstellung von Sicherheiten wird für die Landwirte jedoch zunehmend ein Problem. Zwar sind die Bodenpreise und damit die Beleihungswerte gestiegen, aber die meisten bayerischen Landwirte sind nur mit wenig Eigentumsfläche gesegnet. Für die Investitionssummen, die heute in der Veredelung und der Verarbeitung erforderlich sind, lassen sich die Grundschulden immer häufiger nicht mehr mobilisieren. Ganz schwierig wird es für junge Hofübernehmer, die den Hof zunächst nur pachten und deshalb kein Eigentum vorweisen können.

Sollen Landwirte, die ihr Handwerk verstehen und rentabel wirtschaften, vielversprechende Geschäftsideen sausen lassen, nur weil Grund und Boden fehlen? Nein, hat man jetzt auf staatlicher Seite erkannt und ein Bürgschaftsprogramm aufgelegt, mit dem innovative Landwirte die fehlenden Sicherheiten zukaufen können. Die festgefahrene Lage auf den Agrarmärkten macht derzeit zwar wenig Lust aufs Investieren, doch gerade jetzt kommt es darauf an, ausgetretene Pfade zu verlassen. Eine Bürgschaft kann helfen, die Steine aus dem Weg zu räumen. Zum Artikel

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